Nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative sprachen Schweizer Wirtschaftsvertreter von einer Katastrophe. Jetzt nimmt einer der wichtigsten unter ihnen eine ganz andere Position ein: Rolf Dörig, Verwaltungsratspräsident des weltgrössten Stellenvermittlers Adecco und von Swiss Life, sieht im Volks-Ja eine grosse Chance.

Im Interview mit der Zeitung «Schweiz am Sonntag» stellt er sich als erster Top-Manager hinter eine Zuwanderungsbeschränkung. «Ich bin froh über den Volksentscheid», sagt Rolf Dörig. Die Unternehmen würden sich gut damit arrangieren können. Dank der SVP-Initiative werde jetzt «über die wichtigen Themen diskutiert»: «Wir brauchen eine Debatte über die Frage: Was liegt langfristig im Landesinteresse? Ich sage bewusst Landesinteresse – und nicht Wirtschaftsinteresse.»

Fairness und gesellschaftlicher Zusammenhalt wahren

Rolf Dörig warnt davor, der EU weiter entgegenzukommen, etwa mit einem institutionellen Rahmenabkommen: «Das ist nicht nötig.» Weiter warnt Dörig vor Steuerdumping zur Firmen-Ansiedelung: «Angesichts des Erfolges, den sie gerade im europäischen Umfeld hat, verkaufen wir die Schweiz viel zu billig. Dass wir steuerlich attraktiv bleiben, ist wichtig und zwingend. Aber persönlich bin ich der Meinung, dass wir bei der Pauschalbesteuerung von Privaten und bei der Privilegierung von Briefkastenfirmen zu weit gehen. Es entspricht nicht unserem Verständnis von Fairness und gesellschaftlichem Zusammenhalt, wenn die regulär besteuerte Bevölkerung die ganze Infrastruktur zahlen muss, von denen dann auch Leute profitieren, die fast nichts zur Finanzierung beisteuern», sagt Dörig zur «Schweiz am Sonntag».

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(vst/chb)