Am 13. September ist der Dollar gegenüber dem Euro auf das Rekordtief von 1.3930 Dollar gefallen. Das ist der vorläufige Tiefpunkt einer Abwärtsbewegung, die am 16. August bei 1.3428 begonnen hatte. Im Vergleich zum Franken war der Einbruch des Dollar ähnlich heftig und es stellt sich die Frage, ob die alten Tiefststände vom 31. Dezember bei 1.1288 erreicht werden und ob beim Euro die psychologische Marke von 1.40 Dollar pro Euro gebrochen wird.

Wie weit der Dollar noch fallen kann, ist schwierig zu prognostizieren und hängt stark damit zusammen, was als Ursache der Dollarschwäche angesehen wird. Grundsätzlich stehen sich zwei Lager gegenüber. Die Vertreter des einen kann man als die «strukturellen Bären» bezeichnen. Das andere als die «Zykliker».
Die erste Gruppe argumentiert, die grundlegenden Schwächen der amerikanischen Wirtschaft schlagen nach dem Platzen der Immobilienblase voll auf den Dollar durch. Sie verweisen auf das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA. In Prozent des Bruttoinlandproduktes hat es im vergangenen Jahr 6,5% betragen. Nach Schätzungen der OECD wird es 2007 bei 6,1 und 2008 bei 6,2% liegen. Zum Vergleich: Japan sollte 2007 einen Überschuss von 4,8, die Schweiz von 17,3% und die Eurozone von 0,4% erzielen.
Die zweite grosse Achillesferse sei die tiefe Sparquote der USA. Die Sparquote der Haushalte in Prozent des verfügbaren Einkommens dürfte nach Prognosen der OECD in den USA dieses Jahr
–1,2, in der Schweiz 8, in Japan 3,9% und in Deutschland 10,1% betragen. Diese Schwächen in der US-Wirtschaft müssten durch zwei Vorgänge eliminiert werden: Zum einen mit einem deutlich tieferen Dollar und zum anderen mit einem kräftigen Zinsanstieg in den USA. Durch den Dollareinbruch würden die aussenwirtschaftlichen Gleichgewichte korrigiert. Wenn im Zuge einer Dollarschwäche der Zufluss an Kapital sinkt, steigen die Zinsen. Das wiederum führt dazu, dass mehr gespart und weniger konsumiert wird.
Die «Zykliker» glauben nicht an einen solch dramatischen Ablauf der Geschehnisse. Sie sehen die US-Wirtschaft in einer vorübergehenden Schwächephase. So gehen die Währungsexperten von Morgan Stanley davon aus, dass sich die amerikanische Wirtschaft in einer «sanften Verlangsamung» innerhalb eines zyklischen Abschwungs befindet. Sie rechnen zwar mit einer weiteren Abschwächung des Dollar bis März auf 1.43 Dollar pro Euro, dann aber wieder mit einer Erholung. Im September 2008 soll der Dollar wieder bis auf 1.33 klettern. Eine vergleichbare Wellenbewegung wird für den Dollarkurs gegenüber dem Franken prognostiziert: Bis März soll er auf 1.11 Fr. fallen, dann jedoch wieder bis 1.20 steigen. Einen ähnlichen Verlauf erwarten die Volkswirte der Bank Sarasin. Das Tief des Dollar sehen sie im 4. Quartal dieses Jahres bei 1.1570 Fr. pro Dollar. Dann soll es bis ins 3. Quartal 2008 kontinuierlich bis 1.2480 Fr./Dollar aufwärts gehen.
In einem Kommentar zum Dollar argumentiert Jan Poser, Chefökonom der Bank Sarasin, dass der schwache Arbeitsmarktbericht des Monats August, der den jüngsten Kursrutsch des Dollar ausgelöst habe, kein vorauseilender Indikator sei. Er reflektiere die Wachstumsverlangsamung der US-Wirtschaft bis in das 1. Quartal 2007. Die Frühindikatoren hätten sich bis August von ihren Tiefst zu Beginn 2007 deutlich erholt.

USA hat strukturelle Schwächen

Einen anderen Weg des Dollar prognostiziert die Credit Suisse. Sie geht nicht davon aus, dass sich die Zinsdifferenz mittelfristig wieder zugunsten des Dollar verändert. In drei Monaten sehen sie deshalb den Dollar gegenüber dem Franken bei 1.13 Fr. und in zwölf Monaten bei 1.10.
Sind nun die «Strukturalisten» widerlegt? Nun, sie können zur Stützung ihrer These anführen, dass sich der Dollar seit 1971, als seine Bindung an das Gold aufgehoben worden ist, in einem stetigen Abwärtstrend befindet. Im Jahr 1971 zahlte man noch 4.30 Fr. für einen Dollar. Die unten stehende Grafik zeigt zudem, dass sich die Dollarbewegungen nur bedingt durch Rezessionen und Aufschwünge der US-Wirtschaft erklären lassen. Somit dürften die strukturellen Schwächen der US-Wirtschaft ihre Wirkkraft auf Dauer durchaus entfalten.
Wie weit die «Strukturalisten» in der gegenwärtigen Abschwächung des Dollar Recht bekommen oder nicht, hängt stark von der Reaktion der anderen Notenbanken auf eine allfällige weitere Abschwächung des Dollar ab. Aber auch davon, wie stark sich andere Nationen von den Problemen im US-Immobilienmarkt abkoppeln können. Wenn sich die Krise auf andere Länder ausweitet und die Notenbanken ausserhalb der USA zum Schluss kommen, der Dollar falle zu stark, kann es sehr wohl sein, dass sie ihre Geldpolitik relativ zu den USA aggressiver lockern. In diesem Falle kann der Dollar wieder sehr rasch Rückenwind erhalten.

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Goldpreis sendet ein Warnsignal

Geldpolitik
Die US-Regierung wird ihre Geld- oder Fiskalpolitik nicht restriktiver ausgestalten, um dem Dollar zu helfen. Im Zweifelsfalle ist die Haltung der US-Regierung die, dass der Dollar zwar die Währung der USA, aber das Problem der anderen Nationen sei.

Goldpreis
Geben Franken, Pfund, Yen und Dollar gleichzeitig gegenüber dem Gold nach, liegen die Probleme im Währungssystem tiefer als eine rein zyklische Bewegung. Diese Situation erfordert die höchste Aufmerksamkeit und Flexibilität des Anlegers.