Für die US-Währung kam es in letzter Zeit knüppeldick. Während man vor sechs Wochen noch 1.10 Fr. für 1 Dollar zahlen musste, notieren Franken und Dollar jetzt praktisch gleichauf. Dazu schütten Negativmeldungen zur US-Wirtschaft wie ein Dauerregen auf die Anleger herunter, und es ist kein Wunder, dass sich fast jedermann fragt, wie tief der Dollar noch fällt. «Ich glaube nicht, dass sich der Dollar in nächster Zeit deutlich erholen kann», meint Andreas Küffer, Devisenexperte bei der ZKB.

Dabei macht der tiefe Dollarkurs nicht nur privaten Investoren Sorgen. Die Kombination von starkem Euro und schwachem Dollar vergrössert die Befürchtungen innerhalb der EU, dass die europäische Wirtschaft Schaden nehmen könnte. Gegensteuer gegen den starken Euro und den schwachen Dollar würde man eigentlich von den Zentralbanken der EU und der USA erwarten. Die haben aber nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Nullwachstum in den USA

Angesichts der konjunkturellen Lage mit einem sich abschwächenden Wirtschaftswachstum müsste die Europäische Zentralbank (EZB) eigentlich die Zinsen senken. Das konnte sie aber bisher nicht, weil sie die Inflationsgefahr im EU-Raum für zu gross hielt. Denn das oberste Ziel der europäischen Zentralbank ist die Preisstabilität, aber mit dem Festhalten am hohen Zinsniveau vergrössert sich das Dollar-Euro-Gefälle, was die Exporte belastet.

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In den USA ist die Lage für die Notenbank Fed noch ungemütlicher. Die anziehende Inflation verlangt eigentlich höhere Zinsen, doch wegen der Kreditkrise mussten die Zinsen drastisch gesenkt werden. Damit will die Fed eine Abwärtsspirale der Wirtschaft und eine daraus resultierende Rezession verhindern. Diese Politik hat aber schwere Zeiten für den Dollar heraufbeschworen.

Auf der einen Seite wollen die Anleger für ihre Investitionen gute Zinsen bekommen. Sie gehen deshalb aus dem Dollar und investieren dort, wo die Zinsen hoch sind, was zu einem Abwertungsdruck auf den Greenback führt. Dazu kommt aber noch, dass die Inflation in den USA zunimmt, sodass die Realzinsen sinken. Die Dollarflucht wird dadurch noch verstärkt. Und auch von der makroökonomischen Seite ist nicht viel Hilfe für den Greenback zu erwarten. Die US-Arbeitslosenzahlen sind letzte Woche unerwartet stark gestiegen, und der jüngste OECD-Bericht bietet wenig Anlass zur Hoffnung. Die OECD prognostiziert für das 1. Quartal noch ein minimales Wachstum der US-Wirtschaft von 0,1%, für das 2. Quartal geht sie von einem Nullwachstum aus.

«Die Volatilität des Dollar wird in nächster Zeit hoch bleiben», meint denn auch Sven Schubert, Währungsexperte bei der Credit Suisse. Kurzfristig könne der Dollar gar noch mehr verlieren. Einen Lichtblick sieht er aber für Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont. «Wir gehen davon aus, dass sich die amerikanische Währung 2009 wieder deutlich fester zeigt», prognostiziert Schubert. «Bis dahin sollte der Zinssenkungszyklus abgeschlossen sein und die US-Wirtschaft wieder etwas freundlichere Aussichten haben.»

US-Zinsen bei 1 Prozent?

Das genaue Ausmass der Krise ist aber weiterhin unklar. Die Marktturbulenzen könnten durchaus weitere Zinssenkungen seitens der Fed erfordern. Die deutsche Bank HSBC Trinkaus geht beispielsweise davon aus, dass der US-Leitzins in den nächsten Monaten noch bis auf 1% sinkt. Das dürfte den Dollar weiter unter Druck bringen. So gibt Sven Schubert zu bedenken, dass das Szenario mit freundlicheren Aussichten für den Anfang des nächsten Jahres davon abhängt, wie schlimm sich die Finanzkrise noch herausstellt. «Wenn die Krise schlimmer ist als angenommen, könnte eine Gegenbewegung beim Dollar auch erst um einiges später einsetzen», so Schubert.

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