Die Investoren haben allmählich ihre liebe Mühe mit dem Dollar, und die Perspektiven stimmen sie nicht sehr zuversichtlich. Das US-Leistungsbilanzdefizit hat im Januar den zweithöchsten Wert in seiner Geschichte erreicht, weil die Amerikaner ihre Konsumlust weiterhin ungebremst mit Importen stillen. Der Dollar verliert seit drei Jahren kontinuierlich an Wert ­ doch die Amerikaner scheint diese Entwicklung nicht gross zu kümmern. Die Anleger jedoch suchen vermehrt nach Inves-titionsmöglichkeiten im Ausland.

Ökonomen pessimistisch über Dollarentwicklung

Warren Buffett ist nicht der Einzige, der mit einem weiter fallenden Dollar rechnet. Eine Mehrheit von Ökonomen erwartet, dass ein wachsendes Leistungsbilanzdefizit dereinst nicht mehr vom Ausland, namentlich von Asien, finanziert werden wird. Hinweise darauf erhielt die Finanzwelt unlängst gleich zweimal, als zuerst Südkorea und später Japans Premierminister laut über die Investition der Währungsreserven in anderen Währungen als dem Dollar nachdachten. Nach diesen Äusserungen war jeweils ein Rutsch der US-Devise zu beobachten, ein Vorgeschmack auf das, was vielleicht (in gemässigter Form) noch kommen könnte. US-Investoren sind insofern im Vorteil, als dass sie kein Währungsrisiko eingehen, wenn sie ihr Geld in Dollarwertschriften anlegen. Obendrein profitieren Aktienanleger indirekt davon, dass US-Unternehmen auf im Ausland erzielten Gewinnen (rechnerische) Währungsgewinne ausweisen können. Diese werden auch nötig sein, wenn über die nächsten Quartale der lange erwartete Rückgang des Gewinnwachstums einsetzen wird. Vorteile könnten ihnen ausserdem erwachsen, wenn ausländische Unternehmen es auf Grund von Währungsverlusten leid werden, Kostensteigerungen den Margen anzulasten statt auf US-Konsumenten zu überwälzen.

Lohnende Kotierung anNew York Stock Exchange?

Für US-Anleger bietet das Ausland dank dem fallenden «Greenback» jedoch weitaus attraktivere Investitionsmöglichkeiten als die US-Börsen. Bereits 2004 kauften Amerikaner so viele ausländische Aktien wie noch nie zuvor. Dies ist kein Wunder, denn ein Engagement beispielsweise am Schweizer Aktienmarkt brachte gemessen am Dow Jones Global Index für die Schweiz eine Rendite von 4,8% in Franken, jedoch 14,2% in Dollar. US-Fonds mit Anlagen in nicht amerikanischen Aktien ergatterten gemäss dem Fondsdaten-Anbieter Lipper im vergangenen Jahr mit 83 Mrd Dollar 37% der Fondszuflüsse in der Kategorie Aktien, obwohl nur etwa 15% der verwalteten Vermögen auf sie entfielen. Im Januar waren die «Ausländer» die einzige Fondskategorie mit positivem Nettozufluss in den USA, und jüngere Daten von Merrill Lynch deuten darauf hin, dass das Interesse an nicht amerikanischen Aktien seither sogar noch gewachsen ist.

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Doch nicht nur Fonds dürfen sich über grösseres Anlegerinteresse freuen, sondern auch die in den USA kotierten Aktien ausländischer Unternehmen. Das mag ein Lichtblick für all jene Gesellschaften sein, die auf Grund der Auflagen der Sarbanes-Oxley Act den Sinn eines US-Listings hinterfragten. Der Preis von American Depositary Receipts (ADR) ­- das heisst von ausländischen Unternehmen emittierte, an US-Börsen gehandelte Aktienzertifikate ­- basiert auf den zugrunde liegenden, im Ausland kotierten Aktien und reflektiert somit ebenfalls Währungsschwankungen. Gemäss Merrill Lynch haben ADR seit September 2001 gegenüber dem S&P-500-Index um insgesamt 25% besser abgeschnitten. Dennoch sind sie, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, um fast einen Viertel günstiger als US-Aktien und liefern obendrein eine um 60% höhere Dividendenrendite.

Attraktives Europa

Auch Amerikas Bond-Investoren hat das Ausland einiges zu bieten. Da lockt zum einen die Performance des vergangenen Jahres, die beispielsweise mit 7,75% für europäische Staatsanleihen um vier Prozentpunkte über jener der US-Treasuries lag. In der Sicht von Suhail Dada von Pimco, dem weltgrössten Obligationenfonds-Manager, bleibt der EU-Raum für US-Investoren auch weiterhin attraktiv. Als Grund führt er den anhaltenden Druck auf den Dollar sowie steigende Zinsen in den USA an. Dabei können risikofreudigere Anleger entweder auf höhere Renditen in nicht gehedgten «ausländischen» Bond-Fonds setzen, während sich vorsichtigere Investoren über ein abgesichertes Engagement mit Diversifikation begnügen.

Gewinn bringendes Investieren im Ausland, ob in Aktien oder Bonds, dürfte Amerikas Konsumlust aber noch etwas länger am Leben erhalten ­ und das Leistungsbilanzdefizit weiter wachsen lassen.