Ein Hauptgrund für die Stärke des Frankens gegenüber dem Dollar ist die grosse Unsicherheit, die noch immer die Märkte dominiert», erklärt Katherine Klingensmith, Devisenspezialistin der UBS. Die Risikoaversion der Marktteilnehmer sei noch immer sehr hoch, und solange diese anhält, bleibt der Franken gesucht.

Klingensmith erwartet, dass die unstete Marktlage noch mindestens drei Monate dauert. Danach sollte der Greenback aber zur Erholung ansetzen, in sechs Monaten erwartet Klingensmith einen Dollarkurs von 0.98 Fr. und auf zwölf Monate einen Preis von 1.12 Fr. pro Dollar.

USA exportierten Probleme

Dahinter steht die Annahme, dass bis dahin auf den Finanzmärkten das Schlimmste überstanden ist und die Realwirtschaft der USA zwar «in eine längere Phase wirtschaftlicher Schwäche» einschwenken, aber nicht in einer Rezession verharren werden. Zudem wird der Dollar auch Unterstützung aus Europa und der Schweiz erhalten. Denn auch in unseren Breitengraden wird sich die Wirtschaftsleistung mit einer zeitlichen Verzögerung abschwächen, was sich auf die Kurse von Euro und Franken auswirken und vice versa dem Dollar aus dem Loch helfen wird. «Die Weltwirtschaft hat sich nicht von den USA abgekoppelt. Die amerikanischen Probleme werden daher zu globalen Problemen», so Klingensmith.

Dies wird Zinssenkungen auch diesseits des Atlantiks nach sich ziehen. Experten gehen davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) und die Europäische Zentralbank (EZB) gegen Ende 2008 dem Weg der amerikanischen Notenbank (Fed) folgen und die Leitzinsen senken werden, was dem Dollar gleichfalls Unterstützung gewähren wird. Pessimistischer ist dagegen Thomas Steinemann, Chefstratege der Bank Vontobel. Er schliesst zwar eine vorübergehende Gegenbewegungen im Dollar ? vor allem nach einer Zinssenkung der EZB ? nicht aus, hält den Dollar aber auf lange Sicht für eine «Abwertungswährung». «Der Dollar ist seit dem Free Float eine Defizitwährung», erklärt Steinemann. Die angelsächsische Kultur der Verschuldung sei die Wurzel allen Übels, die auch zum Entstehen der Finanzkrise geführt habe. «Die einzige Lösung wäre ein konsequenter Abbau der Verschuldung in den USA», so Steinemann, der dies aber selber für relativ unrealistisch hält.

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NACHGEFRAGT Stephen S. Roach, Chairman Morgan Stanley Asia

«Der grösste Teil der Dollar-Abwertung ist bereits vorbei»

Was ist der Hauptgrund für die enorme Abwertung des Dollar?

Stephen S. Roach: Der seit sechs Jahren anhaltende Bärenmarkt im Dollar wurde hauptsächlich durch Amerikas massives Leistungsbilanzdefizit getrieben. Weil sich die beginnende Rezession in den USA nun auf den Rest der Welt ausbreitet, dürfte auch die Nachfrage nach US-Exporten nachlassen, was sich auf die Defizite der US-Handels- und Leistungsbilanz auswirkt. Der schwache Dollar, der sich im letzten Jahr stützend auf die US-Exporte ausgewirkt hat, wird nicht ausreichen, um die nachlassende externe Nachfrage zu kompensieren. Kein Land war je erfolgreich, wenn es über Währungsabwertungen wieder auf den Weg zu ökonomischer Prosperität gelangen wollte. Die USA sind da keine Ausnahme.

Wird der Dollar weiter nachgeben?

Roach: Seit letzten August wurde der Dollar besonders von der Subprime-Krise getroffen. Deviseninvestoren und Spekulanten waren zu dem Schluss gekommen, dass dies hauptsächlich ein Problem der USA ist, mit geringen bis gar keinen globalen Auswirkungen. Aber wenn sich das Wirtschaftswachstum auch im Rest der Welt abschwächt ? was bereits in Japan der Fall ist und in Europa schon bald eintreten wird ?, werden Deviseninvestoren die Risikien ihrer Yen- und Euroinvestments neu überdenken. Dann könnte die Übertreibung nach unten gestoppt werden, der Dollar könnte sich für eine Weile stabilisieren und sogar ein wenig erholen und dem Euro und dem Yen auf der anderen Seite erlauben, sich von den jüngsten Hochs zu erholen.

Wie ist Ihr langfristiges Szenario?

Roach: Abgesehen von diesem normalen Währungszyklus bleibt die Tatsache bestehen, dass, solange die US-Wirtschaft ihr hohes Leistungsbilanzdefizit beibehält, ein grosser Abwärtsdruck auf dem Dollar lastet. Die gute Nachricht ist aber, dass der grösste Teil der Dollar-Abwertung bereits vorbei ist.