Die aktuelle Schwächephase des Dollar wurde mit der jüngsten Zinssenkung des Fed eingeläutet. In ihrem Bestreben, stützend auf Aktienmärkte und Konjunktur zu wirken, nehmen die US-Währungshüter eine immer schwächer werdende Währung in Kauf. Und es dürfte nicht die letzte Zinssenkung gewesen sein Marktteilnehmer rechnen mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik in den USA. «In den aktuellen Kursen ist die Erwartung von weiteren Zinssenkungen in den USA bereits enthalten», erklärt Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär.

Schwache US-Konjunktur

In den Augen von Martin Hüfner, Chefökonom von Aquila, gehört neben den erwarteten Zinssenkungen des Fed auch die schwieriger gewordene Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits zur aktuellen Situation auf den Devisenmärkten. Die Märkte würden sich immer für eine gewisse Zeit eine bestimmte «Story» herausgreifen. Der Devisenmarkt orientiere sich dann nur an bestimmten Faktoren, während alle anderen ausgeblendet würden. So lange, bis sich die «Story» manchmal sehr plötzlich wieder ändere.
Die aktuelle Geschichte treibt den Dollar immer tiefer in den Keller. «Auch gegenüber den anderen europäischen Währungen hat sich der Dollar seither nicht mehr richtig erholt», so Sandro Bächli, Devisenexperte bei Clariden Leu. Schlechte Konjunkturdaten aus den USA schüren zudem die Erwartung weiterer Zinssenkungen. «Die amerikanische Konjunktur schwächt sich stärker ab als die europäische. Die USA sind stärker von den Turbulenzen auf den Kreditmärkten betroffen», erklärt Alois Bischofberger, Chefökonom der Credit Suisse Group.
«Dagegen ist die Konjunktur im Euroraum noch robust, weshalb die Marktteilnehmer hier mit einer restriktiveren Geldpolitik rechnen», meint auch Sandro Bächli von Clariden Leu. So gebe auch die Zinsdifferenz zugunsten des Euro der Gemeinschaftswährung Auftrieb. Gemäss Janwillem Acket handelt es sich derzeit ohnehin eher um eine Eurostärke als um eine Dollarschwäche: Der Euro sei nicht nur zum Dollar, sondern auch zum Schweizer Franken überbewertet. Der faire Wert für die europäische Gemeinschaftswährung liegt seiner Meinung nach bei 1.42 Fr.

Euro deutlich überbewertet

Im überbewerteten Euro sieht Klaus Wellershoff, Chefökonom der UBS, auch eine indirekte Gefahr. Latent besteht das Risiko, dass sich mit einer allfälligen Abwertung des Euro das Währungsgefüge zuungunsten der Schweizer Wirtschaft verschiebt. «Die Luft für den Euro wird langsam dünn», meint Wellershoff, und «die Geschichte bricht, wenn sich der Franken zum Euro aufwertet.» Dann geriete nicht nur die Exportindustrie, sondern auch der Finanzsektor in Schwierigkeiten.
Eintreten könnte ein solches Szenario, wenn der Franken wieder einmal als Sicherheitswährung gesucht ist. So hat die helvetische Währung zuletzt – wenn auch nur kurzfristig – Auftrieb erhalten, als sich die US-Immobilienkrise auf dem Siedepunkt bewegte.
Und auch eine Verschiebung der Carry-Trades könnte den Franken nach oben bewegen. Denn «im Zuge der allgemeinen Risikoaversion an den Märkten haben auch die Carry-Trades abgenommen, die auf dem Franken lasten», sagt Andreas Küffer, Devisenspezialist der Zürcher Kantonalbank.
Kurz- bis mittelfristig prognostizieren Experten einen weiter sinkenden Dollar. Nobert Walter, Chefökonom der Deutschen Bank, erwartet, dass sich der Greenback bis auf 1.10 Fr. abschwächt, Alois Bischofberger von der Credit Suisse sieht den Preis der US-Währung zwischen 1.11 und 1.15 Fr. Dennoch sind die Langzeitprognosen positiv. «Längerfristig müsste sich der Dollar aus Sicht der Kaufkraftparitäten-Theorie aufwerten», schätzt Sandro Bächli. Er geht davon aus, dass die US-Wirtschaft sich in den nächsten zwölf Monaten erholen und das Handelsbilanzdefizit schrumpfen wird.

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Dollarsensitive Aktien spielen

Anleger, die dieses Szenario spielen wollen, können auf besonders dollarsensitive Schweizer Aktien setzen. Als solche gelten Rieter, Georg Fischer, Syngenta, Swatch und Richemont, ABB sowie Lindt & Sprüngli.
Die Entwicklung der Wechselkurse beeinflusst bei Panalpina, wie bei allen international tätigen Unternehmen auch, die Rechnung, falls Einkauf und Fakturierung in verschiedenen Währungen erfolgen», erklärt Konzernsprecher Martin Spohn. In den Büchern werden die Beträge zudem in Franken ausgewiesen, sodass sie bei Abgaben des Dollar derzeit tiefer ausfallen als bei einem stärkeren Dollar. Genau umgekehrt verhält es sich zurzeit beim Euro. «So gesehen halten sich die Entwicklungen in ungefähr die Waage», bilanziert Spohn.

Dies bestätigt auch Georg Fischer (GF). «Unsere Division GF Automotive, die knapp 50% zum Gruppenumsatz beisteuert, kauft und verkauft in Euro», erklärt GF-Finanzchef Roland Abt. Die anderen Sparten hätten «zu einem beträchtlichen Teil Kosten in Franken und Erträge in Dollar oder Dollar-abhängigen Währungen», räumt Abt ein. Absicherungen nimmt GF nur sehr zurückhaltend vor. «Wir haben in diesem Jahr einige Hedges auf Dollar vorgenommen», sagt Abt. Der Grossteil der Hedges läuft allerdings nur bis Ende September. Anders bei Mikron, Herstellerin von Fertigungs- und Montagesystemen: «Grundsätzlich sichern wir Währungsrisiken aus Geschäftstransaktionen ab», erklärt CEO Eduard Rikli.
Mit Wechselkurseffekten kämpft auch die Uhrenbranche. «Ein starker Euro begünstigt die Exporte, ein schwacher Dollar benachteiligt sie dagegen», bestätigt Jean-Daniel Pasche, Präsident des Schweizer Uhrenverbandes. Zu seinen Erwartungen an die Zinspolitik der SNB sagt er: «Die Politik der SNB zielt auf die Beherrschung der Inflation ab, muss aber auch die Exporte unterstützen: Ein schwacher Dollar ist eine Besorgnis für unsere Branche». Der Euro sei zwar wichtig, weil Europa einen zentralen Markt darstelle, doch der Dollar spiele aufgrund seiner Präsenz in Asien eine grössere Rolle.