Es ist in den letzten Jahren hierzulande eher ruhig geworden um die Weine aus dem Elsass. Neue, bislang wenig bekannte Weinbauregionen vermochten vermehrt die Aufmerksamkeit der Weinfreunde auf sich zu ziehen; zudem scheinen momentan Rotweine höher in der Gunst der Konsumenten zu stehen als weisse Kreszenzen. Diese Entwicklung ist dem Elsass als Weissweingebiet par excellence damit wenig zuträglich.

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Sieben weisse und eine rote Rebe

Doch auch in den pittoresken, an der Ostflanke der Vogesen gelegenen Weindörfern ist die Zeit nicht stehen geblieben. Eine stattliche Zahl von qualitätsbewussten Winzern keltert heute neben süffigen, knackigen Tropfen auch beeindruckende Gewächse mit grossem Entwicklungspotenzial. Auf einer Rebfläche von rund 14600 ha (was ungefähr der Anbaufläche der Schweiz entspricht) werden im Elsass im Wesentlichen acht Rebsorten angebaut, von denen der Grossteil reinsortig aufgefüllt wird: Riesling, Gewürztraminer, Pinot blanc, Pinot gris, Pinot Auxerrois, Sylvaner, Muscat und – als einzige rote Sorte – Pinot noir.
Jean Meyer leitet in vierter Generation den seit 1854 in Wintzenheim – westlich von Colmar - ansässigen Familienbetrieb, der seit 1963 unter den Namen Domaine Josmeyer bekannt ist. Meyer ist nicht nur ein passionierter Winzer, sondern auch ein flammender Verteidiger der klassischen elsässischen Rebsorten. Auf 26 ha Rebland, wovon 5 ha auf die Grand-Cru-Lagen Hengst und Brand entfallen, werden in den Gemeinden Wintzenheim, Turckheim und Wettolsheim alle acht Sorten kultiviert und über 20 verschiedene Weine erzeugt. Die Palette reicht von den geradlinig-knackigen Domänenweinen über die verführerischen Abfüllungen der Série Artistes (alle zwei Jahre gestaltet ein anderer Künstler mit Elsässer Wurzeln die Etiketten) und die gehaltvollen Gewächse der Sélection de Prestige bis hin zu den vielschichtig-komplexen Grands Crus und den einzigartigen edelsüssen Vins d’Exeption, den Spätlesen (Vendages Tardives) und den Trockenbeerenauslesen (Sélections de Grains Nobles).
«Ausser den Vins d’Exeption sind unsere Weine trocken», erklärt Jean Meyer und distanziert sich damit von der zurzeit im Elsass grassierenden unheilvollen Mode, den sogenannt trockenen Weinen einen (erlaubten) Rest von kitschiger Restsüsse zu belassen. «Was will man denn zu diesen Weinen essen?», fragt er kopfschüttelnd und fügt an: «Unsere Weine sind keine Wettkampfweine für Degustationen, sondern klassische Essensbegleiter, die sich durch Trockenheit, Eleganz und Raffinesse auszeichnen sollen. Oft wirken sie anfangs etwas verhalten, doch gemeinsam mit einem passenden Gericht vermögen sie zu zeigen, was in ihnen steckt.»

Konsequent biodynamisch

Seit sechs Jahren wird auf der Domaine Josmeyer nach biodynamischen Richtlinien gearbeitet. Die Umstellung ist das Resultat einer kompromisslosen Qualitätssuche, denn gesunde, widerstandsfähigere Reben liefern auch bessere Trauben, die auf natürliche, schonende Art gekeltert werden können, ohne die Verwendung von Reinzuchthefen oder önologischer Hilfs- und Schönungsmittel. «Die Biodynamie zwingt einen, die Vorgänge in der Natur aufmerksam zu beobachten. Wichtig ist dabei, dass jeder im Betrieb die Augen offen hält und mitdenkt, sodass bei Bedarf schnell reagiert werden kann», erklärt Meyer. Zugute kommt ihm dabei, dass seine beiden Töchter Isabelle und Céline sowie sein Neffe Philippe Meyer als Önologe im Betrieb arbeiten und dass ihm mit Christophe Ehrhart ein erfahrener Betriebsleiter zur Seite steht. «Sie alle kennen sich in den verschiedenen Bereichen des Weinbaus aus. Und wenns nötig ist, können sie überall anpacken.»

Respekt vor der Natur

Der Respekt vor der Natur geht einher mit dem Respekt vor dem, was man aus ihr gewinnt. «Man muss mit unseren Weinen Geduld haben, denn sie brauchen Zeit, um sich zu entwickeln», sagt Meyer. Und weiter: «Die klassischen Gewächse vermögen während fünf bis zehn Jahren zuzulegen, die Grands Crus erreichen ihre Perfektion sogar erst nach zehn Jahren.»
Dass dies nicht bloss schöne, wohl klingende Worte sind, sondern dass sie vielmehr den Tatsachen entsprechen, zeigt die Verkostung von Weinen verschiedener Jahrgänge. So unterschiedlich sich die Josmeyer-Gewächse je nach Sorte, Lage und Jahrgang auch präsentieren, ihnen allen ist die gleiche Stilistik eigen: Es handelt sich um ausgesprochen gastronomische Weine, die sich durch eine vielschichtige, säuregestützte Eleganz auszeichnen.

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Domaine Josmeyer, 76 rue Clémenceau, F-68920 Wintzenheim, Tel. 0033 89 27 9190
www.josmeyer.com

Die Weine können direkt ab Gut gekauft werden. In der Schweiz sind sie bei Globus (www.globus.ch) sowie bei DIVO (www.divo.ch) erhältlich.

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Ausgewählte Weine von Josmeyer

Sylvaner (2005) Frische, fruchtbetonte Nase mit dezenten Würznoten. Im Gaumen geradlinig, rassige Säure, ein Hauch von Honig, gute Länge (7.90 Euro).

Pinot blanc Mise du Printemps (2006) Elegantes, florales Bouquet mit Aromen von weissen Früchten. Im Gaumen frisch-fruchtig, harmonisch ausbalanciert, angenehmer säuregestützter Nachhall (9 Euro).

Pinot gris Le Fromenteau (2005) Markante, fruchtige Nase. Vollmundiger Körper, gute Fülle, aber geschmeidig und facettenreich, langes, von feiner Säure unterlegtes Finale (13.90 Euro).

Riesling Les Pierrets (2002) Nuancenreiche, mineralische Nase mit dezenter Petrolnote. Im Gaumen tiefgründig und finessenreich, elegant, saftige, perfekt eingebundene Säure, langer, frisch-fruchtiger Abgang (17.95 Euro).

Gewürztraminer Grand Cru Hengst (2002) Markantes, komplexes Bouquet mit floralen und würzigen Noten. Reichhaltiger, voller, aber gleichwohl geschmeidiger Körper, vielschichtige Aromatik, süsser, von einer feinen, verhaltenen Säure unterlegter Schmelz, sehr langes
Finale (27.60 Euro).

Gewürztraminer Vendage Tardive (2002) Noble, expressive Nase mit floralen Noten und Aromen von überreifen und kandierten Früchten. Im Gaumen kräftig und komplex, schöne Süsse-Säure-Balance, delikates, verführerisches Finale (32.50 Euro).