Auslöser der Finanzkrise vor rund zwei Jahren waren marode US-Hypothekarfinanzierungen. Ausgerechnet Hypothekarnehmer profitieren heute praktisch weltweit von historisch tiefen Hypothekarzinsen. Dafür stehen sie vor der anspruchsvollen Frage, ob sie jetzt in Festhypotheken wechseln oder noch eine Weile von den wesentlich günstigeren Geldmarktzinsen profitieren wollen.

Seit 2004 nie mehr so tief

Mit Ausnahme der Zinsen für variable Hypotheken orientieren sich die Preise für alle anderen Hypothekarmodelle an den Geld- und Kapitalmarktzinsen. Diese sind im Zuge der Finanzkrise deutlich gesunken. So kosten Geldmarkthypotheken mit Zinsbindungen von 3 oder 6 Monaten zwischen 1,2 und 1,5%, 5-jährige Festhypotheken um die 2,75% und 10-jährige Laufzeiten gibt es ab rund 3,4%. So viel kosteten bis Ende Februar dieses Jahres noch die variablen Hypotheken, die - je nach Institut - erst ab Mai 2009 auf 2,5 bis 2,75% gesenkt werden.

Sicher ist, dass die Zinsen aufgrund des rekordtiefen Niveaus nur noch marginal sinken, dafür aber deutlich steigen können. Die Frage ist nur, wann. Die Mehrheit der Ökonomen ist der Meinung, dass die aktuelle Wirtschaftskrise noch zwei bis drei Jahre anhalten wird, die eher optimistischen Vorhersagen tendieren auf eine Erholung bereits Ende 2009.

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Seit 2004 waren die Zinsen nie mehr so tief wie heute. Damals reagierten vor allem die Zinssätze für Festhypotheken sehr schnell auf die besseren Wirtschaftsdaten, während die Notenbank die Geldmarktzinsen noch einige Quartale tief hielten. Ein wichtiger Unterschied zu damals ist jedoch die heute intensiv diskutierte Inflationsgefahr, da viele Staaten die Milliardenhilfe für die Wirtschaft auch über die Notenpresse finanzieren.

Von tiefen Sätzen profitieren

Die Risiken eines baldigen markanten Zinsanstiegs sind zwar gering, können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Da ein weiterer Zinsrückgang sehr unwahrscheinlich ist, sollte zum heutigen Zeitpunkt rund ein Drittel der Gesamtfinanzierung als Festhypothek mit einer Laufzeit von sechs Jahren oder mehr aufgenommen werden. Mit den anderen zwei Drittel kann dafür von den tiefen Geldmarktzinsen (drei oder sechs Monate fest) profitiert werden.

Verdichten sich die Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung, sollte die Hälfte davon ebenfalls in eine feste Laufzeit gewechselt werden. So profitiert man von den günstigen Geldmarktzinsen und hat das Risiko plötzlich steigender Zinsen um einen Drittel reduziert.

Mit dem Vergleichen von Offerten lassen sich im heutigen hart umkämpften Hypomarkt gerade mal noch ein bis zwei Tassen Kaffee pro Monat einsparen. Wesentlich grösser sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Hypothekarmodellen. In der oben stehenden Grafik werden für eine Hypothek über 0,5 Mio Fr. die Kosten der einzelnen Modelle während jeweils einer Zehnjahresperiode verglichen.

Wahl der richtigen Strategie

Die Unterschiede betragen bis 152000 Fr. (1995 bis 2005), und selbst in den zehn Jahren mit der geringsten Differenz (1999 bis 2009) kostete das teuerste Hypothekarmodell 45000 Fr. mehr als das günstigste. Das entspricht einer Differenz von 0,9 Prozentpunkten - pro Jahr. Profis verwenden ihre Zeit deshalb nicht für das Vergleichen von Hypothken, sondern für die Wahl der richtigen Strategie.

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