Das Timing war zufällig, aber perfekt. Eben erst hat das WEF die Schweizer Wettbewerbsfähigkeit empfindlich zurückgestuft, auch weil der Binnenmarkt vielenorts einem Gestrüpp von Absprachen und Quasimonopolen gleicht. Umso erfrischender, dass die scheidende Bundesrätin Doris Leuthard jetzt zum Freischneider greift und sich ans Roden macht. 

Gehts nach ihr, wird schon bald der Strommarkt vollständig liberalisiert. Dann hätte der Endkonsument endlich jene Freiheit, die ihm seit geraumer Zeit in der Telefonie oder bei den Krankenkassen zusteht. Und die ihm in Deutschland schon lange geboten wird.

Wettbewerb unter 640 Stromanbietern – endlich!

Ob die Energierechnung für die Schweizer Haushalte mit Leuthards Vorschlag tiefer wird, ist Nebensache. Zentral ist vielmehr, dass er die Wahl hat zwischen Anbietern und Produkten. Und vor allem: Dass bei den 640 Stromanbietern endlich so etwas wie Wettbewerb Einzug hält. Künftig müssen sich die kleinen bis grossen Energiefirmen um Transparenz bemühen, um Leistung und Kosteneffizienz. Jene, denen die Gesetze des Marktes fremd bleiben, werden auf der Strecke bleiben. Ein Verlust ist das nicht.

Leuthard löst mit ihrem Vorschlag einen Wettbewerb der Ideen aus. Wie dies funktioniert, weiss etwa die Elektra Baselland, kurz EBL. Die Genossenschaft ist finanziell kerngesund und strotzt vor Phantasie. Via ihre Tochterfirma Schweizerstrom bietet die EBL nachhaltige Produkte an – nicht im Inland, sondern im nahen Ausland. Energieministerin Leuthard wird es freuen. 

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