Markus Blocher hat es gut. Er muss sich keine Sorgen darüber machen, dass einige seiner Hauptkunden in Schwierigkeiten stecken. Der CEO und Eigentümer der im Kanton Aargau beheimateten Feinchemiefirma Dottikon ES ist mehrheitlich für Pharmakonzerne tätig und fabriziert für diese Wirkstoffe für Medikamente. Doch «Big Pharma» ist momentan unter Druck, weil viele ihrer Umsatzrenner in jüngster Zeit grosse Konkurrenz durch preisgünstigere Nachahmerprodukte (Generika) erhielten. Sie müssen deshalb immer mehr neue, spezifischere Medikamente lancieren, um ein grosses wegfallendes Produkt und dessen Millionenumsätze wettzumachen.

«Damit nimmt der Bedarf an Kapazitäten für Projektentwicklungen unter Zeitdruck überproportional zu. Das ist unsere Chance, weil man in solchen Fällen auf externe Spezialisten zurückgreift», sagt Blocher. Im Vergleich zum Bereich der Industriechemie rechnet er sich deshalb im Geschäft mit Pharmakunden ein grösseres Wachstumspotenzial aus (siehe «Nachgefragt»).

«Nicht auf zwei Hochzeiten»

Er selbst setzt nicht auf das Generikageschäft, weil er nicht «auf zwei Hochzeiten» tanzen will. «Unsere Pharmakunden schätzen es nicht, wenn ihr Entwicklungspartner und Lieferant nach Patentablauf ihre potenziellen Generikakonkurrenten beliefert», meint Blocher. Der Markt für die Medikamentenwirkstoffproduktion, die sogenannte Exklusivsynthese (daher der Zusatz «ES» im Firmennamen), bleibe trotzdem attraktiv. Doch die Konkurrenz ist hart – mit Siegfried und Lonza hat Dottikon ES allein in der Schweiz zwei grosse Mitbewerber. Die anderen stammen oft aus Asien. Blocher hat sich deshalb auf «sicherheitskritische Reaktionen» spezialisiert und beansprucht in diesem Synthese-Spezialbereich die globale Markt- und Leistungsführerschaft.
Auch wenn momentan wegen der Überkapazitäten im Markt Anlagen preiswert zu kaufen seien, plant Blocher keine grösseren Akquisitionen. Erstens sieht er Vorteile darin, wenn ein Unternehmen einen einzigen Produktionsstandort hat. Zweitens liege die Kunst nicht darin, Anlagen zu besitzen, sondern diese gekonnt zu betreiben. Und drittens würden die Kapazitäten auf natürliche Weise zurückgehen, weil Konkurrenten vermehrt auf andere Bereiche setzen und sich von der chemischen Kundensynthese verabschieden würden, meint Blocher.
Der dreifache Familienvater und Sohn von Bundesrat Christoph Blocher hegt keine Pläne, seine Doppelfunktion als Chef und Mehrheitsaktionär aufzugeben. Er hält rund 64% der Titel, Peter Grogg als VR-Vizepräsident 5%, seine Schwester Miriam Blocher 5,1%. Damit ist der Anteil der frei handelbaren Papiere auf 26% beschränkt. Trotzdem sei der Titel für Private attraktiv, sagt Blocher. «Mittel- und langfristig wird der Aktienkurs den erreichten Resultaten folgen.» Die Dividende werde der Verwaltungsrat im März bestimmen. «Massgebend ist, dass nicht betriebsnotwendige Mittel an die Investoren ausbezahlt werden.»

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Noch kein Going-private

Vorläufig hält er auch an der Börsenkotierung fest. Er werde aber die Zunahme der regulatorischen Auflagen genau verfolgen und die Situation periodisch überprüfen. Im Geschäftsjar 2006/07 wurde mit über 400 Mitarbeitern ein Umsatz von rund 137 Mio Fr. erzielt. Über das 1. Semester des Geschäftsjahres 2007/2008 wird Blocher im November informieren.


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Nachgefragt: «Pharma bietet mehr Potenzial als Industrie»

Der Chef und Hauptaktionär von Dottikon ES über die Wachstumsimpulse für sein Unternehmen.

Sind die Ziele für das laufende Geschäftsjahr immer noch aktuell?

Markus Blocher: Ja. Wir erwarten nach wie vor eine Steigerung des Nettoumsatzes bei einer weiteren Verbesserung des Produktemixes.

Wird sich der Anteil der Pharmaprodukte von 75% weiter erhöhen?

Blocher: Weil wir wie auch die Pharmakonzerne einen grossen Wert auf qualitativ anspruchsvolle Projekte legen, liegt aus unserer Sicht eine enge Zusammenarbeit mit ihnen nahe. Eine genaue Prognose ist aber schwierig.

Weshalb?

Blocher: Erstens ist unser Geschäft auf Produkteebene sehr volatil. Denn vor allem in der frühen Entwicklungsphase von Medikamenten gibt es grosse Planungsunsicherheiten. Und zweitens bietet auch der Bereich der Industriechemikalien spannende Bereiche, so etwa Flüssigkristalle.

Trotzdem: Die Pharmabranche bleibt für Dottikon ES zentral?

Blocher: In den nächsten Jahren wird die Pharmabranche für uns vermutlich mehr Potenzial bieten als die Industriechemie. Denn während diese stärker von der allgemeinen Konjunktur abhängig ist, weist die Pharmabranche ihren eigenen Zyklus auf.

Sie befindet sich wegen der Generikakonkurrenz stark unter Druck...

Blocher: ...Und muss deshalb immer mehr neue Medikamente lancieren, um wegfallende Produkte und deren Umsatz wettzumachen. Damit nimmt der Bedarf an Projektentwicklungskapazitäten unter Zeitdruck überproportional zu. Das ist unsere Chance, weil man in solchen Fällen auf externe Spezialisten zurückgreift.