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Dougan: «Hoffe, Schweiz hält mich nicht für gierig»

Nach acht Jahren tritt Credit-Suisse-Lenker Brady Dougan im Juni ab. In Interviews zieht er Bilanz über seine Amtszeit, übt Selbstkritik und gibt sich ungewohnt persönlich.

Veröffentlicht am 13.05.2015

Ende Juni tritt Brady Dougan als Chef der Grossbank Credit Suisse ab. Er zieht in Interviews Bilanz über seine achtjährige Amtszeit und äussert sich zu Staatshilfen, seinem Image und zur Wohltätigkeit.

Zu seinen Verdiensten an der CS-Spitze zählt Dougan, dass die Bank bei den jüngeren Skandalen der Branche keine nennenswerte Rolle gespielt habe und sicher durch die Finanzkrise gekommen sei. «Ich erachte es als grossen Erfolg, dass wir keine Regierungshilfen in Anspruch nehmen mussten», sagte Dougan gegenüber der «Basler Zeitung» vom Mittwoch.

«Es war richtig»

Als er 2007 Chef wurde, seien sofort die Risiken heruntergefahren worden, was der Bank damals auch Kritik eingebracht habe. Doch: «Das war wohl eine der besten Entscheidungen während meiner Amtszeit», sagte Dougan in einem Interview mit der Zeitung «Finanz und Wirtschaft».

Der 55-Jährige erklärte sein «durch und durch schweizerisches Prinzip»: Ein Unternehmen müsse konservativ geführt werden, sodass man auf niemanden angewiesen sei, «schon gar nicht auf den Steuerzahler». Zwar bleibt bei Dougan ein gewisses Hadern mit dem Entscheid von damals. Denn «es ist auch Tatsache, dass viele Banken, die Regierungshilfen angenommen haben, noch heute davon profitieren». Doch: «Es war richtig, was wir gemacht haben.»

«Nicht ständig zweifeln»

Auf die Frage, ob er jemals Zweifel an der langfristigen Ausrichtung der CS hatte, sagte Dougan, als CEO müsse man die Dinge immer wieder neu bewerten, dürfe aber nicht ständig zweifeln.

Alles in allem sei die Branche in den vergangenen Jahren sicherer und widerstandsfähiger geworden. Aber es gebe immer noch viel zu tun. «Die Arbeit an der Geschäftskultur, in der sich alle Mitarbeiter strikt an die geltenden Regeln halten, bleibt ein wichtiges Thema.»

Leider kein Deutsch gelernt

Skeptisch blickt Dougan heute indes auf die Erweiterung im Investment Banking just nach der Krise in den Jahren 2009 und 2010. «Im Rückblick hätten wir das wohl besser nicht gemacht.» Es sei eine Frage der Gewichtung. «Wir hätten das besser austarieren können.»

Auch persönlich trauert Dougan einer verpassten Möglichkeit nach. So hat er in der Zeit als CEO in der Schweiz kein Deutsch gelernt. «Ich spreche zwar etwas Französisch und auch Japanisch und hielt mich deshalb für sprachtalentiert.» Aber er sei einfach zu beschäftigt gewesen.

Mentale Stärke gefragt

«Der Job bringt viel Belastendes», räumte Dougan ein. Die Aufgabe erfordere auch viel mentale Stärke. «Man wird kritisiert für vieles, was man tut, und auch für manches, was man nicht getan hat. Damit umzugehen wird auf Dauer nicht leichter.»

Einen Ausgleich zum Job fand er im Sport. «Ich laufe ja jeden Tag ein paar Kilometer und meistens alleine», erzählte Dougan, der auch schon an Marathonläufen teilgenommen hat. «Da habe ich Zeit und Ruhe, etwas grundsätzlicher über Dinge nachzudenken.»

Geld nie primäre Motivation

Dougan, der 2010 ein Bonuspaket von 70 Millionen Franken erhalten hatte, sagte, er hoffe, dass an ihm in der Schweiz nicht das Image des Gierigen klebe. Geld sei für ihn nie die primäre Motivation gewesen. Seine Loyalität zur Bank und das Pflichtgefühl gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Aktionären hätten ihn angetrieben.

Weiter äusserte sich der Amerikaner, der seit 1990 im Dienste der Credit Suisse stand, zu seinen karitativen Tätigkeiten. So habe er unter anderem vor über zwanzig Jahren angefangen, eine «sehr junge und hoch talentierte Künstlerin» zu unterstützen. Demnach stellt er der Streichmusikerin unter anderem ein Instrument zur Verfügung.

«Etwas ganz anderes»

Seinen letzten Arbeitstag als CS-Chef hat Dougan «irgendwann Ende Juni» - ein genaues Datum stehe nicht fest. Sich von den Mitarbeitenden zu verabschieden, sei «manchmal schon hart nach 25 Jahren», sagte er. Jetzt sei aber «einfach die richtige Zeit, um die Leitung der Bank abzugeben».

Persönliche Ziele für seine Zeit nach dem Rücktritt habe er noch keine, sagte Dougan. «Acht Jahre CEO bei einer kotierten Grossbank sind eine lange Zeit. Ich vermute, dass ich danach etwas ganz anderes machen werde.» Ob er aus Zürich zurück nach Amerika ziehe, sei noch nicht entschieden. Er fühle sich «ziemlich ortsungebunden».

(sda/dbe/ama)

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