Im Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA hat der Chef der Credit Suisse Verstösse gegen US-Steuergesetze eingeräumt. Beihilfe zu Steuerhinterziehung für reiche Amerikaner habe aber nur eine kleine Gruppe von Anlageberatern begangen. Das Top-Management habe nichts davon gewusst, erklärte Brady Dougan am Mittwoch vor einem ständigen Untersuchungsausschuss des US-Senats. Obwohl die Mitarbeiter gegen interne Vorschriften der Bank verstossen hätten, «übernehmen wir dafür die Verantwortung und bedauern die Handlungen der Mitarbeiter zutiefst»", sagte Dougan laut dem vorab verfügbaren Redetext für das Hearing, das um 9.30 Uhr in Washington beginnen sollte.

Das Schweizer Bankgeheimnis sei in der Vergangenheit anfällig für Missbräuche gewesen und sei in der Tat von US-Steuerzahlern missbraucht worden, sagte der gebürtige Amerikaner, der seit 2007 die zweitgrößte Schweizer Bank leitet. Den Vorwurf in einem Bericht des Untersuchungsausschusses, das Geldhaus habe für mehr als 22.000 reiche Amerikaner Konten eröffnet, auf denen bis zu zwölf Milliarden Dollar zum größten Teil unversteuert gelegen hätten, wies der CS-Chef zurück. Die Zählung beruhe auf falschen Annahmen und die Methode sei nicht richtig. 

Stellungnahme der Credit Suisse

Bereits vor der Anhörung wurde davon ausgegangen, dass Credit-Suisse-CEO Brady Dougan in der heutigen Anhörung im US-Senat voraussichtlich eingestehen wird, dass es im Umgang mit amerikanischen Kunden in der Vergangenheit zu Fehlverhalten kam. Das Management habe jedoch davon keine Kenntnis gehabt.

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Dies geht aus der offiziellen Stellungnahme der Credit Suisse hervor, welche die Grossbank im Vorfeld der Anhörung im US-Senat den amerikanischen Behörden eingereicht hatte und die der Nachrichtenagentur sda vorliegt. Neben Brady Dougan werden sich auch Chefjurist Romeo Cerutti und die beiden Chefs des Privatbankgeschäfts, Hans-Ulrich Meister und Robert Shafir, den Fragen im US-Senat stellen.

«Wir möchten zu Beginn festhalten, dass die Credit Suisse die historische Realität, dass Schweizer Gesetze zum Schutz der Kundenidentität anfällig auf Missbrauch waren und auch missbraucht wurden, anerkennt», heisst es in der Stellungnahme der Credit Suisse.

Namentlich sei klar, dass einige US-Kunden von Schweizer Banken das Schweizer Bankgeheimnis als ein Weg sahen, die Tatsache zu verstecken, dass nicht all ihr Einkommen bei den den lokalen Steuerbehörden deklariert und versteuert gewesen sei, heisst es weiter.

CS-Banker haben beim Verstecken geholfen

«Zu unserem tiefen Bedauern ist auch klar, dass einige in der Schweiz stationierte Banker der Credit Suisse ihren US-Kunden beim Verstecken von Einkommen und Anlagen geholfen zu haben scheinen», heisst es in dem Bericht, dessen erster Teil als direkte Rede von Bankchef Dougan verfasst ist, weiter.

Obwohl es für Schweizer Banken weder illegal war noch ist, Gelder von Amerikanern zu akzeptieren, sei es absolut inakzeptabel, wenn in der Schweiz stationierte Banker US-Steuerzahlern bei der Umgehung von Steuern geholfen haben, heisst es in dem Bericht weiter.

«Obwohl das Fehlverhalten der Angestellten gegen unsere Grundsätze verstiess und dem exekutiven Management nicht bekannt war, akzeptieren wir die Verantwortung und bedauern die Tätigkeiten dieser Mitarbeitenden zutiefst», heisst es weiter.

Verflechtungen in der Führungsetage

Im Bericht wird ausserdem auf die bisher vorgenommenen Verbesserungen hingewiesen. Seit der Untersuchungsausschuss des US-Senats 2008 auf die Missbräuche des Schweizer Bankgeheimnisses hingewiesen habe, habe die Credit Suisse proaktive Schritte unternommen, um sicherzustellen, dass nur US-Kunden, welche die Befolgung der US-Steuergesetze nachweisen, Kunden der Bank sein könnten, heisst es.

In der Stellungnahme weist die Credit Suisse ausserdem auf die starke persönliche Verflechtung ihrer Führungsetage mit den USA hin. «Robert Shafir und ich sind amerikanische Bürger», wird Dougan zitiert. «Ich bin der erste amerikanische CEO einer Schweizer Grossbank», heisst es weiter. Die Credit Suisse habe tiefe Wurzeln in den USA, die bis auf das 18. Jahrhundert zurückgingen.

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Aktie an der Börse unter Druck

Die Aktien der Grossbank Credit Suisse stehen im Vorfeld der Anhörung der Konzernspitze vor dem US-Senat von heute Nachmittag stark unter Druck. Das Papier verlor zeitweise über 3,3 Prozent an Wert.

Bis 13 Uhr hatten sich die Valoren wieder leicht erholt und lagen 2,3 Prozent im Minus. Der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Market Index (SMI) lag derweil 0,34 Prozent im Minus.

(sda/vst/sim)