«Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.» Karl Valentin, Mark Twain oder Winston Churchill, denen dieses Zitat wechselweise zugeschrieben wird, hätten das auch für die Telecom-Branche formuliert haben können, die in diesen Tagen am Asut-Seminar in Bern die Kommunikation von morgen diskutiert.

Die Marktforscher von Forrester liessen sich dadurch jedenfalls nicht abschrecken, sie haben im März dazu ihren neusten Ausblick veröffentlicht.

So sollen 2010 Handys mit hoher Datenübermittlungskapazität die GSM- oder GPRS-Handys zum ersten Mal hinsichtlich der Stückzahlen übertreffen. Drei Jahre später soll jedes vierte Handy HSPA-tauglich sein und damit auf besonders hohe Datenübertragungswerte kommen können.

Kunden an der Macht

Zwei von fünf Abonnenten werden dann regelmässig mobil auf das Internet zugreifen. «Und das mobile Internet wird endlich den Durchbruch schaffen, und bis 2013 soll die Zahl der User auf 125 Mio ansteigen», sagt Pete Nuthall, Analyst bei Forrester.

Solche Zahlen dürften die Ausrüster und Zulieferer freuen, die Ende 2007 einen argen Dämpfer erlebt hatten und erst im Frühling wieder einen ansteigenden Ordereingang vermelden. Jedes zusätzlich übertragene Datenbit bedeutet bessere Netzauslastung bzw. zukünftigen Netzkapazitätsausbau. Nichts erfreut die CEO von Swisscom, Sunrise und Orange mehr als Handy-Kunden, die datenintensives Mobil-TV schauen oder mit dem Herunterladen von Musik beschäftigt sind. Gleich geht es den Chefs von Ausrüstern wie Alcatel-Lucent, Ericsson oder Nokia-Siemens, weil datenintensive Anwendungen Netz-Engpässe bedeuten, die zu Kundenverlusten führen können.

Denn die Kunden haben die Macht. Ihre Vorlieben – etwa für die Social-Network-Angebote im Internet oder ihre in Blogs gebündelte Kundenmacht – weisen der Industrie, wohin der Weg geht. Und nicht immer treffen die Angebote aus der Mobilkommunikationsindustrie auf hohe Nachfrage. So weist die Forrester-Analyse darauf hin, dass weniger als die Hälfte der Besitzer von 3G-Handys die damit erhältlichen Funktionen auch tatsächlich nutzt. «Um beispielsweise das mobile Internet zu fördern, müssten Netzbetreiber Flatrate-Datenpläne vorantreiben, die Zahl nachgefragter Dienste und Anwendungen steigern und neue Geräte einführen, die einen besseren Bedienkomfort bieten», sagt Nuthall. Damit hat es die Telecom-Branche wenigstens teilweise wieder in ihrer Hand, in welche Richtung die Entwicklung geht.

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