Diese Nachricht dürfte im Hauptquartier von Boeing eingeschlagen haben wie eine Bombe: Auf dem Londoner Flughafen Heathrow brennt ein «Dreamliner». Nicht schon wieder, mag so mancher Manager und Ingenieur gedacht haben. Gerade erst hatten sie beim Airbus-Rivalen das Desaster um die feuergefährlichen Batterien verdaut. Nun sind die Sorgen wieder da.

Der «Dreamliner» sollte Boeing eigentlich eine Vormachtstellung am Himmel sichern. Mit seiner neuartigen Konstruktion aus leichten Carbonfasern statt dem üblichen Aluminium ist der Jet ein technischer Vorreiter. 930 Stück sind bestellt, 66 bis zur Jahresmitte schon ausgeliefert. Auf Airbus' Gegenstück A350 müssen die Fluggesellschaften noch wenigstens ein Jahr warten.

Jede neue Panne spielt dem europäischen Rivalen somit in die Hände. Nicht nur, dass Airbus aus Boeings Fehlern lernen kann. Auch mehreren sich in Internetforen die Stimmen derer, die lieber nicht an Bord des «Dreamliners» gehen wollen.

Dunkle Flecken

Die Angst vor gravierenden Macken bei dem Langstrecken-Jet sitzt auch an der Börse tief: Kaum war die Nachricht über den Brand in der Welt, rauschte die Boeing-Aktie am Freitag um bis zu 7 Prozent in die Tiefe. Zum Börsenschluss in New York stand das Papier immer noch annähernd 5 Prozent im Minus.

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Dabei war über die Gründe für den Vorfall auf dem Flughafen Heathrow zunächst nichts bekannt. Auf Fernsehbildern waren dunkle Flecken auf dem Dach des Flugzeugs der Ethiopian Airlines zu sehen, oberhalb der hinteren Türen. Das deutete darauf hin, dass die Batterien nichts damit zu tun hatten. Denn die befinden sich in der Nähe des Cockpits und mittig unterhalb der Passagierkabine.

Britische Unfallermittler bestätigten in einer ersten Stellungnahme diese Vermutung. Was aber den Brand auslöste, blieb weiter offen. Die «umfangreichen Hitzeschäden» lägen in einem «komplexen Teil des Flugzeugs», erklärte die Behörde AAIB. Die anfängliche Untersuchung werde mehrere Tage dauern. Auch Experten von Boeing, der Fluggesellschaft und von US-Behörden sind vor Ort.

Immerhin kam niemand zu Schaden. Nach Angaben von Ethiopian Airlines parkte der «Dreamliner» schon mehr als acht Stunden wie üblich auf dem Flughafen, als der Rauch entdeckt wurde. Die Passagiere waren da längst von Bord und auch die Reinigungskräfte hatten ihre Arbeit erledigt.

Pannenserie

Viel wird für Boeing nun davon abhängen, was das Feuer auslöste. Vielleicht war es auch nur eine Unachtsamkeit, ein menschlicher Fehler? Einen neuen Rückschlag bei dem Prestige-Modell kann sich der Konzern kaum leisten.

Zuerst musste die Auslieferung wegen Problemen bei Entwicklung und Produktion um mehr als drei Jahre verschoben werden. Dann führten die feuergefährlichen Batterien Anfang diesen Jahres zu einem Startverbot für die gesamte «Dreamliner»-Flotte.

Daneben sorgten kleinere und grössere Pannen wie austretender Sprit oder eine verrückt spielende Bremsanzeige immer wieder für Flugverspätungen, Flugausfälle und Flugabbrüche. Etwa zeitgleich zum Brand auf dem Flughafen Heathrow musste eine Maschine von Thomson Airways zum Flughafen Manchester zurückkehren - «wegen eines technischen Problems», wie die Tui-Tochtergesellschaft erklärte.

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(aho/sda)