Umsatzsteigerungen von 10 oder 20% im derzeit schwierigen Umfeld zu erzielen ist alles andere als einfach, doch es ist nicht unmöglich, wie die Dreier Systemtechnik AG, Reinach/BL, beweist. Das Unternehmen gehört zur AFT-Gruppe -­ einer Division der Kardex AG -­ und ist im Firmenverbund als Systemintegrator für Inhouse-Logistik-Projekte zuständig. Durch das Netzwerk der Gruppengesellschaften mit über 50 Niederlassungen haben Gruppensynergien zu einem stark erweiterten Leistungsangebot und Aufträgen im globalen Markt geführt. Das so erworbene Knowhow bringt verstärkt auch bei der Abwicklung von Aufträgen aus dem Heimmarkt sowohl für den Kunden wie den Anlagenlieferanten Vorteile. Jährliche Umsatzsteigerungen von mehr als 20% konnten so auch in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld realisiert werden.

Das Jahr 2003 hat für Dreier rasant begonnen. Bereits Ende Februar wurden Aufträge im Wert von rund 5 Mio Fr. platziert, alle mit einer Realisierungsdauer von nur einem halben Jahr. Bei den Projekten für den asiatischen Markt sind die kurzen Lieferfristen noch schwieriger einzuhalten, weil für die in Europa produzierten Teile ein Transportweg von mehreren Wochen eingerechnet werden muss. Dieser hohe Termindruck setzt voraus, dass die Fachkräfte über fundiertes Wissen verfügen und die technischen Standards innerhalb der breiten Produktpalette schnell abgerufen werden können. Das Zusammenspiel zwischen dem technischen Büro, dem Einkauf, der Arbeitsvorbereitung und zum Schluss den Fertigungs- und Montagekapazitäten lässt keine Leerlaufzeiten zu.

Karossenlager für BMW in China

Nebst einer über mehrere hundert Meter langen Förderanlage für Karossen wurde bei Dreier auch ein komplettes Karossenlager in Auftrag gegeben. 148 Karossen, welche aus der Lackierung kommen, müssen für die Endmontage zwischengepuffert werden und anschliessend sequenzgerecht ausgelagert und der Montagelinie zugeführt werden. Da eine Verfügbarkeit von 100% während sieben Tagen und 24 Stunden in der Automobilindustrie die Regel ist, sind zwei vollautomatische Regalbediengeräte als Could-Stand-by-Lösung vorgesehen. Das eine Gerät ist im Betrieb, das andere ist in der Warteposition. Damit die Funktionalität ständig getestet werden kann, werden die beiden Geräte wechselweise/schichtweise in Betrieb genommen. Nicht nur die mechanische Hardware, sondern auch die Gerätesteuerung ist zu 100% redundant ausgelegt.

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Kommissionierroboter als Palettierautomat

Gestapelte Kunststoffbehälter gelangen in einem Lebensmittelbetrieb über zwei Förderbänder zu einer aus zwei Portalrobotern aufgebauten Palettierstation. Im Achtsekundentakt werden aus den angelieferten Stapeln einzelne Behälter entnommen und auftragsbezogen auf vier bereitstehende Paletten umgesetzt. Es ist auch möglich, ganze Stapel (vier Behälter übereinander) zu palettieren. Mit einem Verteilwagen werden bis zu 160 Paletten pro Stunde bewegt. Aus einem Leerpalettenmagazin werden die vier Palettierplätze beschickt und fertige Palettenladungen zum Warenausgang umgesetzt. Die Fahrbahn des Verteilwages ist aus den gleichen Linearachsen mit wartungsfreien Servoantrieben aufgebaut wie die Portalroboter. Nebst der hohen Dynamik und der präzisen Anhaltegenauigkeit konnten auch Synergieen in der Antriebstechnik und der Ersatzteilhaltung gewonnen werden. Die gesamte Anlage befindet sich in einer Umgebungstemperatur von minus 2¡C.

Automatisches Kleinteilelager

Bei der Firma CS Metall in Dresden werden neuartige Bierfässer (mit Selbstkühlung) in mehreren Typen hergestellt. Die Fässer bestehen aus drei verschiedenen Mänteln. Bis zu 600 Mäntel pro Typ müssen für die Fertigung zwischengelagert werden. Diese Funktion übernimmt ein Produktionspuffer als automatisches Kleinteilelager. Zu einer Dreiereinheit zusammengetaktete Mäntel werden durch ein Robolog-Regalbediengerät eingelagert. Für den Zusammenbau der Fässer werden alle drei Manteltypen gleichzeitig benötigt. Auf drei Pufferstrecken werden verbrauchsgesteuert die gewünschten Manteltypen automatisch ausgelagert. Da die Gerätesteuerung nicht wie üblich mit einer SPS, sondern mit einem PC realisiert wurde, ist auf dem gleichen Rechner auch die Software für die Lagerplatz- und Auftragsverwaltung installiert. Über eine Tastatur können alle betriebsrelevanten Daten eingegeben oder abgerufen werden. Die Bedienoberfläche auf dem Monitor ist auf Windows-Basis aufgebaut und damit sehr bedienerfreundlich.

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Mit der gleichen Technologie wird ein automatisches Kommissionierlager in der Ostschweiz realisiert. Endprodukte aus der Fleischindustrie werden vollautomatisch gelagert und ebenfalls bedarfsgesteuert in mehrere Durchlaufkanäle umgelagert. Auf in zwei Auslagerebenen angeordneten Kanälen präsentierte Artikel stehen im direkten Zugriff für die Kommissionierung. Bei diesem Einsatz liegt die Umgebungstemperatur bei 2¡C. Die Regale sowie alle Stahlbauteile sind aus nichtrostendem Edelstahl gefertigt.

Von 20 bis zu 4000 Kilo Nutzlast

Die Produktereihe der Regalbediengeräte reicht bei Dreier von AKL-Geräten bis zu Schwerlastbediengeräten mit Nutzlasten bis zu 4 t. In der chinesischen Hauptstadt Peking sind vier Regalbediengeräte in einem automatischen Parkhaus mit total 550 Parkplätzen im Einsatz. Die Konstruktion der Geräte, welche ein Eigengewicht von 18 t aufweisen ist interessant; Zweimastgeräte mit Doppellastaufnahmemittel, welche im unteren Bereich eine leere Autopalette mitführen und auf den oberen LAM eine beladene Palette mitnehmen können. So ist es möglich, bei jedem Parkplatz ein Doppelspiel durchzuführen. Über vier Einfahrboxen gelangen die eingeparkten Wagen zu den Regalbediengeräten, welche in zwei Lagergassen die 550 Parkplätze bedienen. Zwei Geräte in einer Gasse können gleichzeitig in Betrieb stehen. Eine über die Stromschiene verteilte Kollisionssteuerung sorgt für den unfallfreien Betrieb der beiden Geräte.

Ein weiteres spezielles Regalbediengerät wurde nach Altstätten/SG ausgeliefert. Ein Hochregallager, bestehend aus fünf Lagergassen wird mit einem einzigen Regalbediengerät versorgt. Die Umsetzung in die einzelnen Lagergassen erfolgt mittels einer Umsetzbrücke, welche gleichzeitig als Transportbrücke zu den beiden Logistikstockwerken funktioniert. Auf zwei Ebenen aufgebaute Förderer können bis zu sechs Paletten pro Ebene aufnehmen und als Arbeitspuffer für das Regalbediengerät benutzt werden. Das ganze Lager mit Regalbediengerät, Fördertechnik, Steuerung und Lagerverwaltungsrechner wird von Dreier im Generalunternehmerauftrag realisiert.

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Die beschriebenen realisierten Lösungen sind das Resultat einer konsequenten Firmenpolitik, den Kunden die dem Bedarf optimal angepasste Lösung anbieten zu können. Dadurch entstandene Produkte werden so weit standardisiert, dass eine hohe Systemverfügbarkeit und kurze Realisierungstermine bei vernünftigen Preisen realisiert werden können.

Jaro Urban, Vertriebsleiter der Dreier Systemtechnik AG, Reinach BL.