Die ausführliche und kritische Berichterstattung über strukturierte Produkte in den Medien während der Finanzkrise hat insgesamt zu einem höheren Bekanntheitsgrad der Produkte in der Bevölkerung geführt, jedoch nicht zu einer weiteren Verbreitung dieser Anlagekategorie.

Ein «Struki-Röstigraben»

Immerhin: Um sechs Prozentpunkte stieg gemäss der jüngsten Studie des Instituts für schweizerisches Bankwesen an der Universität Zürich jener Anteil in der Bevölkerung, der strukturierte Produkte kennt: 2008 waren es 60%, 2010 bereits 66%. Der Anteil an Besitzern ist dabei mit 7% jedoch konstant geblieben.

Wie in der politischen Landschaft lässt sich auch in den Besitzverhältnissen ein «Röstigraben» feststellen: Während in der deutsch- und italienischsprachigen Schweiz je etwa 8% der Bevölkerung strukturierte Produkte besitzen, sind es in der französischsprachigen Schweiz nur gerade 5%. Dass die umfassende Berichterstattung den strukturierten Produkten eher zu einem zweifelhaften Ruhm verholfen hat, zeigt sich in der Tatsache, dass sich das Image der strukturierten Produkte seit 2008 insgesamt deutlich verschlechtert hat (siehe Grafik).

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Besitzer erwägen Ausbau

Dabei unterscheiden sich Besitzer und Nicht-Besitzer von strukturierten Produkten jedoch deutlich. Direkt nach der Einstellung gegenüber strukturierten Produkten befragt, ist bei Nichtbesitzern der Anteil Personen mit einer negativen Einstellung angestiegen und jener mit einer positiven Einstellung gesunken. Der Anteil Nichtbesitzer mit negativer Einstellung stieg von 20 auf 35%, der Anteil mit positiver Einstellung hat sich von 14 auf 7% halbiert.

Anderes gilt für Besitzer von strukturierten Produkten: Der Anteil mit positiver Einstellung hat hier leicht zugenommen (von 30 auf 32%), nur moderat jener mit negativer Einstellung (von 14 auf 19%). Grund für die negativere Einstellung von Nichtbesitzern könnte die deutliche Abnahme in Bezug auf die Zufriedenheit mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis sein: 2008 war noch knapp die Hälfte der Befragten damit zufrieden; zwei Jahre später sind es nur noch 38%.

Weiter werden strukturierte Produkte als deutlich riskanter eingestuft als noch 2008. In der aktuellen Umfrage stufen die Befragten deren Risiko beinahe identisch zu demjenigen von Aktien ein, was einer deutlichen Zunahme im Vergleich zum Jahr 2008 entspricht.

Derselbe Unterschied zwischen Besitzern und Nichtbesitzern zeigt sich auch bei der Frage, ob die Anleger den Anteil an strukturierten Produkten in Zukunft ausbauen, belassen oder reduzieren wollen. So ist die Einstellung von Besitzern seit 2008 positiver geworden: 27% der Besitzer wollen ihren Anteil ausbauen (2008: 20%) und lediglich 16% wollen diesen verkleinern (2008: 20%).

Verschlechtert hat sich hingegen die Einstellung von Personen, die nicht in strukturierte Produkte investiert sind. Nur 16% der Nichtbesitzer wollen in strukturierte Produkte investieren, 2008 waren dies noch 22%.

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Auch bei der spezifischen Einschätzung zeigt sich dieses unterschiedliche Bild: Rund ein Drittel der Befragten betrachten strukturierte Produkte als «spekulativ». Besitzer schätzen sie dabei als weniger spekulativ ein als Nichtbesitzer.

Grosse fangen kleine Fische

Veränderungen gibt es auch beim Anlageprozess. So hat die Bedeutung des Anlageberaters gegenüber 2008 zugenommen: Anlageentscheide werden heute vermehrt gemeinsam mit dem Kundenberater getroffen. Während 2008 noch jeder zweite Befragte die Anlageentscheide alleine traf, hat sich dieser Wert heute auf rund 40% verringert.

Die Gewinner der Veränderungen sind die Privat- und Regionalbanken: Kunden mit einem Vermögen von über 1 Mio Fr. führen ihre Transaktionen vermehrt bei diesen durch (zu 19 respektive 18% gegenüber 14% 2008). Demgegenüber ist der Anteil jener Kunden, die ihre Transaktionen mit Grossbanken durchführen, von 65 auf 58% gesunken. Das Umgekehrte ist bei Kunden mit einem Vermögen von weniger als 100 000 Fr. zu beobachten: Sie wenden sich vermehrt an die Grossbanken.

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Information wird geschätzt

Ein möglicher Ansatzpunkt für Emittenten, das Bild über strukturierte Produkte zu verbessern, sind zusätzliche und verbesserte Informationsmöglichkeiten für potenzielle Anleger. In der Umfrage wird deutlich, dass die Schweizer Bevölkerung mit der Güte der Informationen durchschnittlich zufrieden ist.

Trotz zahlreicher Anstrengungen seitens der Branche wie etwa der Neugestaltung der Swiss Derivative Map oder der Einführung einer Risikokennzahl ist die Zufriedenheit im Vergleich zu 2008 insbesondere bei den Nicht-Besitzern zurückgegangen.