Die jüngsten Erhebungen einer EU-Kommission machen deutlich, dass eine Förderung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) durch die politisch Verantwortlichen unverzichtbar ist. Demnach leben in der EU über 60% der Bürger in Städten. Europapolitiker schreiben in einem eigens erstellten Grünbuch zu diesem Thema: «In ganz Europa beobachten wir in den Stadtzentren eine Zunahme des Verkehrs mit den bekannten negativen Folgen wie chronischer Verkehrsstau, Verspätungen und Umweltverschmutzung. Die europäische Wirtschaft verliert aufgrund dessen alljähr- lich fast 100 Mrd Euro, rund 1% des Bruttoinlandproduktes (BIP) der EU.» Es ist also Zeit zum Handeln.

Die Omnibusmarken des Stuttgarter Automobilkonzerns Mercedes-Benz/Setra in Europa, Orion in den USA und Mitsubishi Fuso in Japan zählen zu den weltweit führenden Anbietern auf dem Gebiet alternativer und umweltschonender Antriebe. Über 280000 Lastwagen und Omnibusse mit SCR-Technologie und über 13000 Lastwagen, Busse und Vans mit ausschliesslich alternativen Antriebssystemen sind weltweit auf der Strasse. «Die grundsätzli- che Zielsetzung von Daimler Buses ist, in allen Segmenten Fahrzeuge anzubieten, die dem Grundsatz der Nachhaltigkeit Rechnung tragen», stellt Richard Averbeck, Entwicklungschef des grössten Omnibusherstellers der Welt, der Daimler AG, fest. Omnibus-Kunden mit weitergehenden «grünen» Ansprüchen finden bei Mercedes-Benz und Setra für alle europäischen Stadt- und Überlandlinienbusse Angebote mit geschlossenen Dieselpartikelfiltern. Jetzt ab Juni laufen durchgängig EEV-fähige Stadt-, Überland- und Reisebusse ohne Dieselpartikelfilter, aber mit weiter reduzierten Abgasen von den Produktionsbändern. EEV steht für Enhanced Environmentally Friendly Vehicle (erhöht umweltfreundliches Fahrzeug). Sie emittieren weniger Schadstoffe als die Euro-5-Motoren, unterschreiten damit die Normen der schärfsten Abgasstufe deutlich und ihr geringerer Verbrauch steigert die Wirtschaftlichkeit.

Vor der Serienreife

«Bei den Stadtbussen», so Richard Averbeck, «steht derzeit die Erreichung der Serientauglichkeit der ‹high end green solutions› im Mittelpunkt.» Bezüglich des Treibstoffverbrauchs und der damit verbundenen Menge der CO2-Emissionen will Daimler Buses Verbrauch und CO2-Ausstoss bis zum Jahre 2020 um 20% reduzieren. Diese Absicht ist beim Stadtbus aufgrund der Bedingungen im Stadtverkehr nur über die technisch aufwendige Lösung des Hybridantriebs zu realisieren. «Nicht alle Kunden werden bereit oder in der Lage sein, diesen Weg mitzugehen» weiss Averbeck nur zu gut. Deshalb setzt er den Hebel breiter an: «Wir müssen einen Weg einschlagen, der eine Verbrauchsreduktion mit konventionellen und kostengünstigen Massnahmen bei allen Fahrzeugen ermöglicht.»

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Ein Drittel weniger Verbrauch

In diesem Jahr werden die ersten 30 Stadtlinienbusse Citaro G BlueTec Hybrid in ausgewählten Regionen getestet. Der Gelenkbus (G) hat einen technologisch besonders anspruchsvollen Hybridantrieb, dessen serielles Konzept abgasfreies Fahren im reinen Batteriebetrieb ermöglicht. Er wird von vier Radnabenmotoren an der Mittel- und Hinterachse angetrieben. Bei dem Fahrzeug wird der ohnehin schon niedrige Verbrauch der heutigen Euro 5-Motoren um bis zu 30% reduziert.

Der Citaro FuellCell Hybrid ist das erste Fahrzeug der dritten Brennstoffzellen-Omnibus-Generation von Daimler Buses, die 1997 auf der Basis eines Mercedes-Benz O 405 ihre Weltpremiere hatte. Sein wichtigstes Merkmal ist die Umweltfreundlichkeit. Dieser neue Brennstoffzellen-Hybridbus ist der nächste Schritt auf dem Weg zu «zero emission».

Aber eines muss auch klar sein: «zero emission» im ÖPNV wird es nicht zum Nulltarif geben können, denn die Forschungen und Entwicklungen verschlingen seit Jahren Millionenbeträge. Daim-lers Omnibus-Entwicklungschef Richard Averbeck gibt sich dennoch zuversichtlich: «Wir glauben fest daran, dass das Ziel für erträgliche Mehrkosten machbar und im Sinne nachhaltiger Mobilität zu realisieren ist.»