Der Besitzer der deutschen Drogeriekette Müller, Erwin Müller, klagt in Ulm gegen die Schweizer Privatbank Sarasin, berichtet der deutsche Sender «N-TV». Der 81-jährige Selfmademan, der es vom Friseur zum Patriarchen der drittgrössten Drogeriekette Deutschlands gebracht hatte, verlangt von Sarasin 47 Millionen Euro (zirka 57 Millionen Franken) zurück.

Erwin Müllers Geschäfte sind von eher biederer Natur, doch im Finanzbereich ist der Schwabe hochspekulativ unterwegs. Erst dieses Jahr wurde bekannt, dass er mit Wetten gegen den Schweizer Franken über 235 Millionen Euro in den Sand setzte, was sein Imperium in arge Nöte brachte.

Die Geschäfte mit der Bank Sarasin dienten dazu, in Deutschland Steuern zu «sparen». Sarasin machte sich dabei ein Schlupfloch im deutschen Steuergesetz zu Nutze: Die Bank verkaufte Aktien um den Dividendenstichtag hin und her, so dass die Steuerbeamten nicht mehr wussten, wer am Stichtag Eigentümer der Aktie war und damit die steuerfreie Dividende einsacken konnte.

Sarasin-Fonds für Dividendengutschriften

Um das so genannte Dividenstripping entwickelten diverse Banken ein Geschäftsmodell. Die Vermögensverwalter von Müller stiegen gross in dieses Geschäft ein, obwohl sie die Deals als «steuerrechtlich nicht ok» bezeichneten, schreibt die «Süddeutsche Zeitung».

Sarasin sammelte bei Anlegern wie Müller um die 220 Millionen Euro ein für einen Fonds, der im grossen Stil die Aktien handelte und jeweils grosse Steuergutschriften beantragte. Nun weigern sich die Steuerbeamten jedoch, die Gutschriften herauszurücken, da das ganze Geschäftsmodell unter Betrugsverdacht steht. Da Müller ebenfalls leer ausgeht, zielt er nun auf die Bank Sarasin.

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Davon, dass sein Investment auf den organisierten Betrug der Steuerzahler ausgerichtet war, will Müller laut Bericht nichts gewusst haben.