Der ehemalige Videotheken-Betreiber Bernhard Burgener hat es weit gebracht. In weissem Laaser Marmor erstrahlt die Einfahrt zu seiner Villa im Aargauer Fricktal. Was protzig wirkt, war ein Schnäppchen. Burgeners Belag besteht aus Resten vom eigenen Marmorbruch. Ein Abfallprodukt, sagt er. Typisch Burgener. Der Selfmade-Millionär sucht pragmatisch den maximalen Nutzen. An diesem Geschäfts­gebaren scheiden sich die Geister. ­Bescheiden, sparsam und integer sei er, loben die einen. Eitel, geizig und ­un­zimperlich, kritisieren die anderen.

Der Baselbieter Medienimpressario, der sich aus bescheidenen Verhältnissen hochgearbeitet hat, polarisiert. Nicht erst, seit am Rheinknie bekannt wurde, dass der Sport- und Filmvermarkter den FC Basel für einen zweistelligen Millionenbetrag kaufen und präsidieren will. «Ich habe ein Leben lang in starke Marken investiert», sagt der 59-Jährige. «Sei dies Laaser Marmor, die Wiener Philharmoniker oder nun der FC Basel.» Er sei seit Jahrzehntem dem Stadtclub eng ­verbunden. Vor Jahren sass Burgener bereits einmal im Vereinsvorstand. Mitte Januar sei FCB-Präsident Bernhard Heusler an ihn herangetreten, um eine «Basler Lösung» für die eigene Nach­folge zu suchen. Burgener biss an.

Mit Haken und Ösen

Doch die blau-rote Liebe könnte zur «Liaison dangereuse» werden. Das ­Engagement im grössten Schweizer Fussballclub befeuert nämlich den Konflikt im eigenen Medienimperium, wo seit zwei Jahren mit Haken und Ösen um die Stimmenmehrheit gekämpft wird. Es geht um die Film- und Unterhaltungsfirmen Constantin und Highlight Communications.

Zwar betont Burgeners Anwalt Martin Wagner, der auch im Verwaltungsrat von Axel Springer Schweiz sitzt, es handle sich beim Clubkauf um ein privates Investment seines Mandanten. «Der Kauf des FCB hat mit Highlight gar nichts zu tun.» Zugleich kündigt Wagner aber an, dass Burgener sich – im Falle des FCB-Amtes – als Verwaltungsrat aus der Fussballvermarkterin Team zurückziehen werde.

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Verträge in Milliardenhöhe

Dort lauern die Interessenkonflikte: Die Firma Team Marketing handelt für den europäischen Fussballverband Uefa Verträge in Milliardenhöhe aus. Es geht um Medien- und Sponsorrechte an der Champions und Europa League. An beiden Ligen nimmt der FC Basel regelmässig teil.

Doch reicht der Rückzug aus den Highlight-Töchtern? Am Interessenkonflikt würde der Abgang wenig ­ändern. Burgener würde weiterhin im Doppelmandat die Team-Mutter Highlight Communications leiten, an der er beteiligt ist. Dass diese Gemengelage eigentlich nicht geht, sagte er vor ­Jahren selbst in der «Basler Zeitung». Er müsse «neutral» sein, so Burgener 2010. «Solange wir mit unserer Agentur Team die Champions League und weitere Formate vermarkten, übernehme ich keine Funktion in einem Verein.»

Kontrolle verlieren

Das FCB-Präsidium könnte zum ­Beschleuniger von Burgeners Abgang bei Highlight werden. Ihn haben bereits vor zwei Jahren Aktionäre um den deutschen Dieter Hahn als Chef der Konzernmutter Constantin Medien ­abgesägt. Sie haben ihm nie verziehen, dass er sich das deutsche Filmstudio geschnappt hatte. Mit fremdem Geld.

1999 hatte Burgener seine Highlight an den «Neuen Markt» in Frankfurt ­gebracht. Der Börsengang spülte viel Geld in die Kriegskasse. Damit kaufte er 2002 dem Medienmogul Leo Kirch einen ersten Anteil an Constantin ab. Das Filmstudio war eine Perle. Pro­duzent Bernd Eichinger ein Star. Bald baute Highlight die Beteiligung an Constantin zur Mehrheit aus, was für Irritationen bei Eichinger sorgte.

Fluch und Segen zugleich

Die Börsenkotierung der Highlight war für Burgener Fluch und Segen zugleich. Er hielt zu wenig ­Aktien, um seine Firma kontrollieren zu können. Immer wieder musste er sich mit umstrittenen Methoden behelfen, um seine Macht zu sichern. Etwa indem Tochtergesellschaften Aktio­närin der Mutter wurden. Oder über Umstrukturierungen des Konzerns.

Und so dreht sich auch der heutige Streit zwischen den Constantin-Grossaktionären Burgener und Hahn um die Frage, wer die Kontrolle ausüben kann. Kurz vor seiner Ablösung bei Constantin sicherte sich Burgener mit einem Kniff die Kontrolle über die Tochter Highlight, an der Constantin 60 Prozent hält. Dazu nahm Burgener im Namen der Constantin einen Millionenkredit bei einer von einem Intimus gegründeten Firma namens Stella Finanz auf. Als Sicherheit hinterlegte er den Grossteil der Aktien, welche Constantin an Highlight besitzt. Seither liegen 50 der 60 Prozent in einem von Stella kontrollierten Depot. Die Stimmen sind blockiert.

Gute Bekannte

Der Countdown tickt. Die Rückzahlung des Kredits ist eingeleitet. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Constantin die Stimmrechte zurück­erhält. Dann dürfte Burgener die Kon­trolle über seine Highlight verlieren. Wenn es ihm nicht noch gelingt, die Kleinaktionäre auf seine Seite zu ziehen. Für Burgener geht es um alles: Constantin will aus dem Filmgeschäft, das er so liebt, aussteigen und sich auf die lukrativen Sportrechte konzentrieren – das Geschäft, das sich mit dem FCB-Präsidium so schlecht vereinbaren lässt. Noch gibt Burgener nicht auf: Es müsse eine Einigung her, betont er.

Ist der FCB am Ende die Exitstrategie für eine Zeit nach Highlight? Burgeners Eintritt in die Basler Gesellschaft, deren Kontakt er bisher scheute? Wie das geht, hat ihm eine Bekannte vorgemacht: Auch Gigi Oeri war in Basel eine Exotin, bevor sie mit Einsatz und Kapital beim FCB einstieg. Mehr schlecht als recht passte sie zu den Roche-­Erben, in deren Familie sie sich eingeheiratet hatte. Doch sie führte den FCB  zu alter Grös­se zurück. Dafür wird man am Rheinknie heiliggesprochen.

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