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Zukunft
Droht jetzt der Ausverkauf der Traditionsbank Vontobel?

Hans Vontobel: Am 3. Januar 2016 verstarb der grosse Schweizer Bankier in Zürich. Keystone

Nach dem Tod des grossen Schweizer Bankiers Hans Vontobel spekulieren Experten über die Zukunft der Privatbank. Der Verkauf des Traditionshauses ist offenbar wahrscheinlicher als bislang erwartet.

Veröffentlicht am 04.01.2016

Was geschieht mit der Bank Vontobel nach dem Tod ihres Grossaktionärs Hans Vontobel? Während für die einen Beobachter klar scheint, dass Strategie und Ausrichtung des Geldhauses auch in Zukunft Bestand haben, glauben andere an weitreichende Veränderungen. Selbst wenn der im Alter von 99 Jahren verstorbene Vontobel zuletzt nur noch als Ehrenpräsident fungierte, hatte er als Oberhaupt der weitverzweigten Familie doch offenbar entscheidenden Anteil daran, die Mitglieder hinter der Bank und ihrer Strategie zu scharen.

«Mit dem Tod des alten Patrons hat die Firma die Klammer verloren, die alles zusammengehalten hat», sagte ein Händler gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Er rechnet damit, dass andere Institute nach der Zürcher Bank oder Teilen davon greifen könnten. Andere glauben indes an keinen Kurswechsel: «Die rund 15 Mitglieder der Familie sind per Aktionärsbindungsvertrag an das Unternehmen gebunden», sagte ein Analyst gegenüber handelszeitung.ch.

46 Prozent der Aktien bis Ende 2017 gebunden

Der am Sonntag im Alter von 99 Jahren verstorbene Hans Vontobel war einer der bekanntesten Vertreter des Schweizer Finanzplatzes. Er trat 1943 in die von seinem Vater gegründete Bank ein, wurde 1981 Präsident und besuchte bis zuletzt sein Büro im Hauptsitz mit Blick auf den Zürich See. Daneben war er Präsident der Zürcher Börse, Verwaltungsrat des Schweizer Bankenverbandes und der «Neuen Zürcher Zeitung», Autor und Mäzen.

Rund ein Fünftel der Aktien der Bank hielt Vontobel. Weiter sind rund 15 Mitglieder der Familie und Stiftungen über einen Aktionärsbindungsvertrag an dem Unternehmen beteiligt. Dieser Vertrag bindet fast 46 Prozent der ausgegebenen Aktien an die Bank. Der Kontrakt gilt allerdings nur noch bis Ende 2017 und kann auf diesen Termin gekündigt werden. Sollten also mehr und mehr Familienmitglieder das Interesse an den Bankgeschäften verlieren, könnten sie ihre Anteile in naher Zukunft veräussern.

«Wenn das nicht gelingt, droht ein Verkauf»

Gegen einen Strategiewechsel spricht, dass die Bank Vontobel erst Mitte Dezember bekannt gab, dass mit Maja Baumann und Björn Wettergren zwei Familienmitglieder in den Verwaltungsrat aufrücken sollen. «Die Bereitschaft zur Übernahme der Verwaltungsratsmandate unterstreicht die enge Bindung der Familien zum Unternehmen und den Willen, auch in Zukunft den massgeblichen Einfluss auf die Gesellschaft im Interesse der unternehmerischen Freiheit von Vontobel zu wahren», teilte die Bank vor gut zwei Wochen mit.

Laut einem der Firma nahestehenden Insider ist indes offen, ob die beiden es schaffen, die Familie zusammenzuhalten: «Wenn das nicht gelingt, droht ein Verkauf.» Firmenintern sei die Verunsicherung gross, ob die Bank längerfristig in der gegenwärtigen Form fortbestehen werde.

Bär und Credit Suisse als potenzielle Interessenten

Auf den Prüfstand kommen könnte in erster Linie die Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden. Angesichts von steigenden Regulations- und Informatik-Kosten halten manche Experten Vontobel auf lange Sicht für zu klein, um selbstständig zu bleiben. Interesse an Zukäufen in dem Geschäft haben etwa Julius Bär und Credit Suisse.

Mit den beiden anderen Standbeinen, dem Geschäft mit strukturierten Produkten und mit Fonds, die auch den Löwenanteil zum Gewinn beisteuern, verfügt Vontobel über eine bessere Marktposition. Vontobel wollte sich zu den Spekulationen über einen möglich Verkauf nicht äussern.

(moh, mit Reuters)

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