VÖGELE . Noch wollen sich kritische Investoren des Textileinzelhändlers Charles Vögele nicht mit Namen öffentlich äussern. Gegenüber der «Handelszeitung» reden sie aber Klartext. «Der Bekleidungskonzern ist in der Mitte festgefahren, er ist nicht modisch und preislich zu teuer», sagt ein Investor, der über 5% des Kapitals hält. Der kapitalkräftige Kritiker ist unzufrieden mit der Profitabilität: «Das Unternehmen wirft zwar ganz schön Cash ab, aber es könnte wesentlich mehr sein.»

In der Tat blieb die Rentabilität nach den letzten publizierten Zahlen, dem Halbjahresergebnis, unter den Erwartungen der Analysten. Ein Dorn im Auge ist dem kritischen Investor vor allem die «langsame Expansion» nach Osteuropa. Er bezweifelt, dass Vögele im Osten erfolgreicher sein wird als Konkurrenten wie etwa der deutsche Modediscounter Takko oder Kik, die dort mit Tempo vorwärts machen würden.

Fünf Investoren über 5 Prozent

Charles-Vögele-Chef Daniel Reinhard bleibt gelassen: «Strategiediskussionen führen wir grundsätzlich mit dem Verwaltungsrat und nicht mit einzelnen Aktionären.» Seit Frühling sind die beiden englischen Hedge-Fonds Laxey Partners und Cheyne Capital Management als Investoren eingestiegen. Laxey besitzt momentan 5,23% und Cheyne 6,39% der Aktien. Zu den Hauptinvestoren bei Charles Vögele gehören auch der Classic Global Equity Fund der Investmentgesellschaft Braun, von Wyss & Müller, der 9,3% der Aktien hält. Sie sind seit langem bei Vögele engagiert. Ein weiterer langjähriger Kapitalgeber ist Bestinver, eine spanische Fondgesellschaft, die 5% des Kapitals besitzt. Und das UBS Global Asset Management kontrolliert über verschiedene Fonds 5,46% der Vögele-Aktien.

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Unterbewertete Aktie im Visier

Die Investmentbank JPMorgan Chase hält via verschiedene Fonds 4,93% am Modeunternehmen. Und Tito Tettamantis Beteiligungsgesellschaft Sterling besitzt laut ihrem Halbjahresbericht von Ende Juni 2,8% des Risikokapitals von Vögele. Ob Sterling seither zukaufte, verkaufte oder gar ein Paket mit Cheyne wie im Fall SIG schnüren will, mag Massimo Pedrazzini von Sterling nicht verraten.Bei diesen Grossinvestoren ist eines klar: Sie wollen in unterbewertete Aktien investieren. Einzelne von ihnen sind mit der Strategie des Konzerns auch zufrieden. So sagt Dominik Brunner, Fondsmanager bei UBS Global Asset Management: «Charles Vögele hat 2002/03 erfolgreich restrukturiert und kann sich nun auf nachhaltiges Wachstum in den osteuropäischen Märkten konzentrieren.» Er lobt, dass sowohl die Beschaffung als auch die Logistik gestrafft und optimiert wurden, was zu einfacheren Abläufen geführt habe und dem Unternehmen eine stabilere Profitabilität verschaffen sollte. Fondsmanager Brunner meint: «Seit Anfang Jahr hat sich die Aktie sehr ähnlich wie der SPI Small & Mid Cap Index entwickelt. Aufgrund der Wetterabhängigkeit des Geschäfts ist der Aktie eine gewisse Volatilität eigen, mittelfristig erwarten wir aber eine ansprechende Wertentwicklung.» Dieses Jahr hat es Petrus besonders gut mit Vögele gemeint, sodass selbst Vögele-Sprecher Renzo Radice sagt: «Das Wetter verhält sich so, wie wir es uns wünschen.» Auf ungünstige Wetterkapriolen wie 2006 kann Reinhard deshalb nicht mehr hinweisen, falls auch 2007 nicht zu einem Glanzjahr werden sollte.Trotz Unmutsäusserungen sehen kritische Investoren bei Charles Vögele ein grosses Potenzial. Dabei stechen diesen Investoren vor allem die vielen guten Standorte der Läden ins Auge. Das Modeunternehmen ist mit 816 Verkaufsniederlassungen in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Belgien, den Niederlanden, Slowenien und Ungarn sowie in Tschechien und Polen präsent und erzielte im ersten halben Jahr 2007 mit 7656 Mitarbeitenden einen Umsatz von 672 Mio Fr.

Ein Übernahmekandidat?

Charles Vögele wird wegen seiner Standorte und seiner neuen Investoren als Übernahmekandidat gehandelt. So wurde der schwedische Einzelhändler KappAhl als möglicher Käufer genannt. Doch Reinhard sieht nach wie vor keine Anzeichen von wesentlichen Veränderungen im Aktionariat. Er will vor allem auch nach Osteuropa expandieren und reist nun diese Woche mit Analysten und Medienvertretern nach Österrreich, Ungarn und Slowenien, um ihnen die Ostexpansion zu demonstrieren. Bisher machten die Aufbaumärkte in Osteuropa nur 2% vom Gruppenumsatz aus, aber das grösste Potenzial liegt in diesen Ländern. So hat die Gesellschaft den Ausbau in Slowenien und Ungarn bereits eingeleitet. Polen und Tschechien befinden sich mit je fünf Shops in der Testphase. Damit sich CEO Reinhard in Zukunft vermehrt auf die Expansion und das strategische Wachstum der Gruppe konzentrieren kann, wurde auf nächstes Jahr ein neues Mitglied in die Konzernleitung berufen, das für den Verkauf verantwortlich ist und Reinhard entlasten soll. Damit ist ein Hauptin-vestor zufrieden. «Reinhard hat zu viel gemacht.» Dieser Investor hofft vor allem auf eine positive Entwicklung der Quadratmeterumsätze. Die kritischen Investoren wollen vorerst noch abwarten, reden aber auch schon vom Verkaufen der Aktie.

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