Das hat der Verpackungsindustrie gerade noch gefehlt: Neben allen Widerwärtigkeiten des aktuellen wirtschaftlichen Umfeldes wie schwacher Euro oder hohe Rohstoffpreise machen den Anbietern auch Politik, Behörden und Konsumentenschutz das Leben schwer. So droht beispielsweise den Herstellern von Druckfarben für Lebensmittelverpackungen neues Ungemach durch den bevorstehenden Wegfall von Stoffen. Dies wegen «Reach», des EU-Systems für Registrierung, Bewertung und Zulassung von Stoffen. Um zu verhindern, dass unerwünschte Substanzen aus Verpackungsdruckfarben auf Lebensmittel gelangen, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Liste der zulässigen Stoffe bereits vor einem Jahr gekürzt. Es wurden auch eine Meldepflicht und ein Beurteilungsverfahren für die noch nicht zugelassenen Substanzen eingeführt.

Das alles verteuert die Produktion - und der Nutzen daraus ist nicht über alle Zweifel erhaben. Unklar ist beispielsweise, wie man Import-Lebensmittel auf Migration von Farben auf den Verpackungen kontrollieren soll. Ist es verhältnismässig, etwa einen Camion mit italienischen Spaghetti eine Woche am Zoll zurückzuhalten, um die Laboranalyse auf Substanzen in den Lebensmitteln durchzuführen? Wohl kaum. Obwohl das Vorpreschen des BAG in vorauseilendem Gehorsam zum EU-System einem technischen Handelshemmnis gleichkommt, verhalten sich die Lack- und Farbenfabrikanten erstaunlicherweise ruhig.

Unter Druck stehen vor allem die Packmittelhersteller. «Beim Thema Global Migration von Druckfarben für Verpackungen sehen wir uns einem hohen Druck der Lebensmittelindustrie ausgesetzt», bestätigt Reto Vincenz, CEO des Kunststoffpackmittel-Herstellers Petroplast Vinora. «Die Marktplayer - vor allem die Grosskonzerne - fordern beispielsweise für jede Verpackung eine spezifische Messung mit einem Zertifikat, was den Kostendruck zusätzlich erhöht.»

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Nicht nur bei Lebensmittelverpackungen hat das Anforderungsprofil zugenommen. Von jeher weiter sind die Vorgaben in der Pharmaindustrie. «Bei gesetzlichen Anforderungen gibt es den weltweiten Trend, dass die Sicherheit des Patienten mehr und mehr auch in Gesetzesform gefordert wird», sagt etwa Maurus Schaller, Packaging Manager bei Bayer Consumer Care in Basel. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Rückverfolgbarkeit. Schaller: «Ein Produkt muss über die gesamte Lieferkette rückverfolgbar sein, und zwar von der Abgabe an Konsumenten und Patienten bis zurück zu den Vorlieferanten der Rohstoffe und Packmittel. Hierfür kommen heute schon 2D Matrix Codes zur Anwendung.» Diese Rückverfolgbarkeit werde mehr und mehr durch Gesetze getrieben.