Über eine halbe Milliarde Dollar muss die UBS in den USA für ihre Verstrickungen in den Devisenskandal und die Manipulation des Libor-Zinssatzes zahlen. Damit kommt sie günstiger davon als zuletzt befürchtet – vor allem wohl deshalb, weil die UBS gut mit den amerikanischen Behörden kooperierte. Die Bank vom Paradeplatz dürfte vermutlich deutlich weniger Strafen zahlen als die ebenfalls in Devisenmanipulationen verwickelten Wettbewerber.

Erst vor wenigen Tagen kursierten Insider-Berichte, wonach UBS, JP Morgan, Royal Bank of Scotland, Barclays und Citigroup in den USA gemeinsam mehr als fünf Milliarden Dollar auf den Tisch legen müssten. Diese Institute dürften nun nach und nach ihre Rechnungen offenlegen.

Finma sprach vom «schwersten Fall» überhaupt

Doch wie liefen die Manipulationen bei der UBS in Zürich in der Praxis ab? Antwort auf diese Frage gab Mitte November vergangenen Jahres die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht. Die Finma ermittelte ihrerseits über ein Jahr lang gegen die UBS und ihre Banker – am Ende stand die Rekordzahlung der UBS in Höhe von 134 Millionen Franken. Aufsichtschef Mark Branson sprach seinerzeit vom «schwersten Fall marktverbreiteter Manipulation» überhaupt.

Die Finma untersuchte dabei Tausende von Chat-Konversationen, mithilfe derer sich die UBS-Händler in ihren Aktionen mit Kollegen anderer Banken absprachen (siehe Bildergalerie). Die Unterhaltungen bezeugen die Unverfrorenheit der Beteiligten und sind inzwischen geradezu legendär. Als die UBS im Frühjahr 2011 offenbar das Geschäftsgebaren ihrer Händler zu untersuchen begann, wurde diese Aussage aufgeschnappt: «das Ding ist, wir dürfen nicht mehr frontrunnen, Compliance sitzt uns am Arsch».

UBS-Chats inzwischen legendär

Auch auf Schweizerdeutsch wurde gechattet: «thanks vm my friend [...] du chasch das frontrunne wie d wotsch, up to you». Beim Front-Running nutzt eine Bank ihren Informationsvorsprung aus, um früh Wetten einzugehen – in der Annahme, dass andere Banken nachziehen oder um automatisch Transaktionen auszulösen.

Laut Finma lösten die Händler der UBS zum Banknutzen auch sogenannte Stopp-Loss-Verträge von Kunden aus. Bei solchen automatisierten Aufträgen werden Verkäufe oder Käufe getätigt, wenn Kurse sich unter oder über bestimmte Referenzwerte bewegen. Dies kann zu neuen Verkäufen oder Käufen bei anderen Investoren führen – was die beobachtete Kursentwicklung noch verstärkt. Damit kann eine Bank wie die UBS laut Experten relativ gut vorhersagen, in welche Richtung die Kurse von Devisen ausschlagen. Diesen Informationsvorsprung nutzt die Bank und geht früh selbst Wetten ein.

Boni bis zu siebenfach höher als Fixgehalt

Daneben spekulierten die UBS-Banker mithilfe von sogenannten Partial Fills risikofrei auf Kosten des Kunden. Dabei werden Kundenaufträge nicht vollständig durchgeführt. Die Gewinne aus diesen Devisengeschäften wurden den Investoren offenbar nur teilweise gutgeschrieben. Damit nicht genug: Auch gaben die Banker der UBS laut Finma vertrauliche und identifizierende Kundeninformationen an Aussenstehende und täuschten Kunden vereinzelt bei den Gewinnspannen von bankinternen Produkten.

Die Schuld schob die Finma im vergangenen November jedoch keineswegs allein den Bankern zu. So habe die UBS ihre Risiken selbst ungenügend beurteilt. Gleiches gilt für die interne Kontrolle. Das erfolgsbezogene Anreizsystem erhöhte die Probleme noch: So machten die variablen Lohnbestandteile der Händler «im Durchschnitt das Dreifache des Grundgehalts aus». In der Spitze lagen die Boni bei den untersuchten Schweizer UBS-Händlern beim Siebenfachen des Fixgehalts, sagte Branson seinerzeit.

«Die UBS wusste offenbar nicht, was die Händler trieben»

«Das gibt den Mitarbeitenden einen grossen Anreiz zu riskanten Geschäften», sagte Roger Rissi, Wirtschaftsprofessor und Ex-UBS-Banker damals im Interview. Hinzu kämen ein schwaches Kontrollumfeld und eine schlechte Umsetzung der Compliance-Vorschriften. «Offenbar wussten die Verantwortlichen bei der UBS oft gar nicht, was die Händler alles getrieben haben.»