Paul Griffiths, Chef des Dubai Airports, wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe an die Fluglinien aus den Golfstaaten. Amerikanische und europäische Luftfahrtunternehmen behaupten, dass massive Staatshilfen die Expansion von Emirates Airlines, Etihad Airways und Qatar Airways ermöglichten.

«Die Vorwürfe sind haltlos», sagt Griffiths im Gespräch mit handelszeitung.ch. «Die Golf-Airlines werden jede Unterstellung einzeln widerlegen», verspricht der Chef des grössten internationalen Flughafens der Welt – und fügt an: «Soweit wir in den Fokus der Ermittlungen geraten, werden auch wir sämtliche Behauptungen entkräften. Unsere Verteidigungsposition ist ziemlich stark.»

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42 Milliarden Subventionen

Die drei grössten US-Fluggesellschaften United, American und Delta werfen den drei Golf-Airlines vor, seit 2004 illegale Staatssubventionen im Wert von 42 Milliarden US-Dollar erhalten zu haben. Gemeinsam forderten die US-Linien Washington auf, die sogenannten «Open Skies»-Abkommen mit Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu kündigen. Solche Verträge regeln den ungehinderten Zugang zum Luftraum und zu den Flughäfen zwischen Staaten.

Eine Kündigung des Abkommens durch die USA würde erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf Emirates, Etihad und Qatar Airways haben. In letzter Konsequenz könnte dies dazu führen, dass den ungeliebten arabischen Konkurrenten Strecken- und Landerechte in den USA entzogen würden.

Keine Vorzugsbehandlung

Die Amerikaner werfen den Golf-Airlines unter anderem vor, von subventionierter Flughafeninfrastruktur zu profitieren. «Der Flughafen Dubai bevorzugt in keinster Weise die Golf-Airlines», hält Griffiths fest. Jede Fluggesellschaft werde gleich behandelt. Von den Flughafentaxen werde niemand ausgenommen. «Emirates bezahlt in Dubai die vollen Gebühren», sagt Griffiths am Rande des World Tourism Forum in Luzern.

Der CEO wehrt sich auch gegen den Vorwurf, wonach die Golf-Airlines Passagiere und Umsätze «stehlen» würden. Die drei amerikanischen Airlines und einige europäische Fluggesellschaften behaupten, dass die Golf-Airlines konkurrenzlos günstig seien, weil die Flughafengebühren in Dubai, Abu Dhabi und Doha extrem tief seien, zinslose Darlehen gewährt würden und weil die Golf-Airlines von sonstigen Hilfen profitierten, etwa kostenlosen Grundstücken für Verwaltungsgebäude oder Marketinghilfen.

Europa hat keine Ausbaukapazität

«Wir stehen in einem weltweiten Wettbewerb», so Griffiths. Man ziele natürlich darauf, Marktanteile zu gewinnen, wolle aber bestimmt niemandem etwas stehlen. «Der Markt ist riesig. Nur schon eine kleine Verschiebung macht einen riesigen Unterschied.» Ausserdem werde der Flugverkehr weiter zunehmen. Die Golfstaaten «stehlen» den etablierten Anbietern keine Umsätze, sie absorbieren lediglich Teile des neuen Marktvolumens, so der Flughafen-Chef.

«Abu Dhabi, Doha, Istanbul und Dubai liefern die Kapazität, die der Luftverkehr wegen des künftigen Wachstums benötigt und die Europa und andere etablierte Märkte nicht bieten können», sagt Griffiths. In Europa und Amerika fehle schlicht der Platz, um neue Grossflughäfen zu bauen.

Das weltgrösste Drehkreuz

Dubai hat zuletzt London Heathrow als bedeutendstes, internationales Drehkreuz abgehängt. Der Dubai International Airport fertigte im vergangenen Jahr 70,5 Millionen Passsagiere ab. Und Griffiths will weiter wachsen. «Dieses Jahr werden wir wohl 78 Millionen Passagiere abfertigen.» In vier Jahren sollen es bereits 126 Millionen, bis 2030 sogar 200 Millionen sein. Derzeit sei der Flughafen auf bis zu 90 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. Entsprechende Ausbaupläne existierten aber bereits.

Der Flughafen steuert rund ein Drittel zum Bruttoinlandprodukt des Golfstaates bei. Jeder fünfte Arbeitsplatz ist abhängig von der Luftfahrtindustrie. Das Schicksal von Dubai ist deshalb eng verknüpft mit dem Erfolg des Flughafens.