Holcim macht in Asien vorwärts. Jüngster Schritt kurz vor der Präsentation der Jahreszahlen am kommenden 27. Februar: Der Schweizer Zementkonzern hat seine Beteiligung am chinesischen Unternehmen Huaxin Cement von 26,1 auf 39,9% erhöht und ist nun grösster Einzelaktionär. Der Ausbau, mit eigenen Mitteln und bestehenden Kreditlinien finanziert, kostet Holcim 282 Mio Dollar.

Zentralchina, der Heimmarkt Huaxins, absorbiert über 350 Mio t Zement oder 25% des chinesischen Zementbedarfs pro Jahr. Zum Vergleich: Huaxin verfügt über eine Jahreskapazität von 32 Mio t und erzielte von Januar bis September 2007 mit 7000 Angestellten einen Umsatz von 423 Mio Dollar.

Für den auf Zement, Zuschlagstoffe und Transportbeton ausgerichteten Holcim-Konzern ist die Erhöhung der Huaxin-Beteiligung ein wichtiger Schritt in seiner Expansionsstrategie in Asien. Zwar ist der chinesische Markt laut Vontobel-Analyst Patrick Laager stark fragmentiert, zudem seien die Margen im Vergleich zu anderen Schlüsselmärkten wie Indien deutlich tiefer. Gleichwohl gehöre China wegen seiner Grösse zu den wichtigsten Holcim-Märkten Asiens – das Reich der Mitte beanspruche jährlich die Hälfte der weltweiten Zementproduktion.

Holcim festigt Positionen

Holcim-Chef Markus Akermann ist es – nicht nur in China – gelungen, den Konzern früh in den Schlüsselmärkten Asiens zu positionieren. In Indien etwa kontrolliert Holcim knapp 25% des Marktes, verfügt über eine Zementkapazität von 38 Mio t und ist hinter der einheimischen Grasim/Ultratech die Nummer zwei. In den nächsten fünf Jahren will Akermann umgerechnet 2,7 Mrd Fr. in den Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten investieren. Weltmarktführer Lafarge produziert in Indien jährlich nur rund 5,5 Mio t Zement und möchte ebenfalls expandieren.

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Auch in anderen asiatischen Wachstumsmärkten wie Indonesien, Malaysia und Vietnam hat Holcim die Nase vorn und profitiert vom Bauboom. «Wir halten geografisch die wichtigsten Positionen besetzt», sagte Akermann der «Handelszeitung» im vergangenen November (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 47 vom 21. November 2007).

Weltweit will Holcim bis 2010 die Kapazitäten um 24 Mio t erweitern, die geplante Expansion in Indien nicht eingerechnet. Konkurrent Lafarge plant, die Kapazitäten in derselben Frist um 45 Mio t auf total 260 Mio t auszubauen.

Geopolitische Risiken bei Lafarge

In der Gesamtschau konzentriert sich Holcim auf das Wachstum in den Schwellenländern in Asien, weniger auf den Nahen Osten und Afrika. In diesen Regionen hat sich dafür Lafarge nach einem Zukauf breit aufgestellt: Die Franzosen katapultierten sich im Oktober mit der Akquisition der ägyptischen Orascom an die Weltspitze der Zementhersteller. Orascom ist mit einer Produktionskapazität von weltweit 35 Mio t vorwiegend auf den Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika ausgerichtet. In den stark wachsenden Vereinigten Arabischen Emiraten, in Ägypten und Algerien hält der Anbieter die Marktführerschaft. Daneben ist Orascom auch in politisch unsicheren Ländern wie Irak, Pakistan, Nordkorea und Nigeria präsent oder erstellt derzeit neue Anlagen.

Insgesamt entfallen in diesem Jahr rund 14 Mio t der insgesamt 35 Mio t Produktionskapazitäten von Orascom auf krisengeschüttelte oder politisch schwer berechenbare Staaten. Im Vergleich zum Holcim-Konzern, der sich in relativ stabilen Ländern Asiens zum Marktführer hochgearbeitet hat, ist das ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

An der Börse jedenfalls ist der Höhenflug der Lafarge-Aktie vorerst beendet: Die Aktie sank – nach einer steilen Aufwärtsbewegung von 13% nach Bekanntgabe der Akquisition im Oktober 2007 – seit Anfang Januar um knapp 10% auf zuletzt um 112 Euro.

Holcim tauchten ebenfalls, getrieben von negativen Prognosen zum Bausektor. Seit Jahresbeginn sanken sie um knapp 15%. Das Gros der Analysten hält Holcim jetzt allerdings für unterbewertet – nach diversen positiven Studien, die zum Kauf der Aktie raten, erholen sich Holcim langsam wieder.

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Auch der prominente Holcim-Aktionär Ronny Pecik, der über seine Beteiligungsgesellschaft Victory nach eigenen Angaben ein grösseres Paket unter 3% hält, sieht Aufwärtspotenziale beim Zementriesen. «Wir haben die Marktchancen für Zukäufe genutzt», sagt Pecik auf Anfrage.