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Reisebranche
Düstere Aussichten für Tourismus in Graubünden

Skifahrer in St.Moritz: Tourismus in Graubünden belastet. Keystone

Die Bündner Tourismusbranche habe schon bei einem Euro-Franken-Kurs von 1,20 grösste Mühe gehabt, im Wettbewerb zu bestehen, so der Branchenverband. Jetzt müsse man neue Märkte erschliessen.

Veröffentlicht am 16.01.2015

Die Bündner Tourismusbranche ist besorgt: «Wenn der Euro-Franken-Kurs bei eins zu eins bleibt, wird es schlimm», sagte Marcel Friberg, Präsident der kantonalen Marketingorganisation Graubünden Ferien, am Freitag der Nachrichtenagentur SDA.

Die Bündner Tourismusbranche habe schon bei einem Eurokurs von 1,20 Franken grösste Mühe gehabt, im Euromarkt zu bestehen. Man könne nun die Preise nicht einfach senken, sagte Friberg stellvertretend für Schweizer Touristiker weiter. Dafür fehlten schlichtweg die Margen. Um über konkrete Auswirkungen zu reden, sei es aber noch zu früh. Dafür müssten noch ein paar Tage abgewartet werden.

Hilflosigkeit bei Anbietern

Er sei im Kontakt mit den verschiedenen Feriendestinationen und habe bisher von keinen neuen Aktionen gehört, sagte Friberg. Er könne sich spontan denn auch wenig vorstellen, was man machen könnte. «Wir tun ja schon alles, um die Gäste zu überzeugen, zu uns nach Graubünden zu kommen», erklärte der Präsident von Graubünden Ferien.

Eine Häufung von Abbuchungen habe es bei den verschiedenen Ferienorten bisher nicht gegeben. Er hoffe, dass es so bleibe, sagte Friberg. Für diesen Winter sei er darum durchaus noch optimistisch. Die Buchungen für den matchentscheidenden Februar seien in der Regel bereits gemacht.

Mehr auf Qualität setzen

Bereits am Mittwochabend in einer Mitteilung zu Wort gemeldet hatten sich mehrere Tourismusdirektoren von grossen Bündner Destinationen: Mit der neuen Situation sei die Tourismusbranche nun gefordert, noch mehr auf Qualität, Angebot und Leistung zu setzen. Zudem heisse es nun für die Tourismusakteure, noch mehr zusammenzurücken, noch stärker zu kooperieren und neue, vom Euro nicht abhängige Märkte ins Auge zu fassen.

Ähnlich äussert sich der Präsident von Hotelleriesuisse Graubünden, Ernst Wyrsch. Kooperationen würden zwingend nötig. «Wir müssen von unserer jetzigen Kostenstruktur wegkommen, um auf dem Markt existieren zu können«, sagte Wyrsch. Vielleicht werde eine staatliche Unterstützung der Branche nötig.

Konzentriertes Vorgehen gefordert

Der 15. Januar habe das Potential, den Tourismus in der Schweiz nachhaltig zu verändern. Nun müsse man aber zuerst sehen, wo sich der Euro-Kurs einpendle. Und dann sei ein konzentriertes Vorgehen der Feriendestinationen zusammen mit Graubünden Ferien und Schweiz Tourismus nötig.

Schnellaktionen seien in dieser «ganz delikaten Situation» heikel, meinte der Hotellerie-Präsident. Man müsse aufpassen, dass man kein Porzellan zerschlage mit zu schnellen Preisnachlässen und zu schnellen allgemeinverbindlichen Aussagen. Stornierungen habe es bisher kaum gegeben, sagte auch Wyrsch. Allerdings sei das Informationsbedürfnis der Gäste sehr gross. Die Telefone würden bei den Hotels heiss laufen. Die Touristen wollten wissen, was sie in ihren Ferien zu erwarten hätten.

(sda/me)

 

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