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Schwächephase
Dunkle Wolken über der Schweizer Uhrenindustrie

Uhrmacher bei Hublot: In der Branche kommt es zu vielen Entlassungen. Keystone

Seit dem Herbst haben sich die Meldungen über Entlassungen in der Uhrenbranche gehäuft. Die Gründe für die aktuellen Probleme sind vielfältig. Doch Experten sehen noch keinen Grund zur Panik.

Veröffentlicht am 24.11.2015

Über der Schweizer Uhrenindustrie haben sich dunkle Wolken zusammengezogen. So häufen sich seit dem Herbst die Meldungen über Entlassungen aus dieser Branche. Gemäss Branchenkennern ist kurzfristig auch keine Besserung in Sicht. Bereits im Juni gab es erste Anzeichen dafür, dass in der Uhrenindustrie der Höhenflug vorbei ist. Das sollte sich dann auch nach den Sommerferien bestätigen. Vor allem Zulieferer der Uhrenindustrie gaben bekannt, dass sie Personal abbauen müssen.

Im Uhrenkanton Neuenburg gaben Unternehmen allein im November den Abbau von rund 100 Stellen bekannt. Tatsächlich scheint der Höhenflug der letzten Jahre endgültig vorbei zu sein, was auch die Exportzahlen zeigen. So sind im besonders wichtigen Monat Oktober noch Uhren im Wert von 2 Milliarden Franken exportiert worden, was gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 12,3 Prozent darstellt.

Frankenstärke und Probleme in Hongkong

Gründe für die Talfahrt gibt es mehrere. An erster Stelle hat jedoch die Aufwertung des Frankens der Uhrenindustrie zu schaffen gemacht. Ebenso einschneidend war jedoch auch der Rückgang der Verkäufe in Hongkong und den USA. «Ein Teil des Rückgangs in Hongkong können die Schweizer Uhrenhersteller zwar in Europa und Japan kompensieren - weil Hongkong jedoch mit einem Anteil von 20 Prozent der wichtigste Absatzmarkt ist, wird dies grosse Auswirkungen haben», sagt René Weber, Analyst bei der Bank Vontobel.

Ebenfalls dämpfend auf die Nachfrage wirken die Ukraine-Krise, die Abwertung des russischen Rubels, die schwierige Situation im nahen Osten und die chinesische Antikorruptionskampagne.

«Es gibt keinen Grund zur Panik»

«Wir wissen, dass zurzeit die Situation mit starkem Franken und den neu aufkommenden Smartwatches schwierig ist. Man muss daher mit einer Reduktion der Uhrenproduktion rechnen. Aber es gibt keinen Grund zur Panik», sagt François Matile, Generalsekretär des Arbeitgeberverbands der Uhrenindustrie.

Um den Abschwung aufzufangen, setzte die Uhrenindustrie Anfang Jahr noch auf Kurzarbeit. Dies scheint jedoch jetzt im Herbst nicht mehr zu genügen. Im Kanton Neuenburg jedenfalls ist die Zahl der Arbeitslosen Mitte November auf 663 gestiegen. «Es sind vor allem Zulieferer der Uhrenindustrie, die zurzeit am stärksten unter dem Einbruch der Nachfrage leiden», sagt Jean-Daniel Pasche, Präsident der Vereinigung der Schweizer Uhrenindustrie.

Vontobel senkt die Prognosen

Mit 60'000 Beschäftigten weist die Branche jedoch aktuell so viele Beschäftigte aus, wie in den 1970er Jahren, bevor die Schweizer Uhrenindustrie wegen des Aufkommens der Quartzuhr in die Krise stürzte. Eine Überhitzung sieht Matile dennoch nicht. «Die Unternehmen haben ihre Produktion immer weiter optimiert, so dass der Anteil des gut qualifizierten Personals immer höher wurde», sagt Matile.

In einer kürzlich publizierten Studie zu den wirtschaftlichen Perspektiven von Neuenburg bestätigen die Autoren die Wichtigkeit der Uhrenindustrie für den Kanton. «2014 übernahm die Uhrenindustrie mit einem Wertschöpfungsanteil von 20 Prozent und einem jährlichen Wachstumsraten von über 4 Prozent wieder den Spitzenplatz im Kanton», heisst es in der Studie.

Eine Wachstumsrate, die die Uhrenindustrie in diesem Jahr gemäss Prognosen der Bank Vontobel, verpassen wird. Nach den verstärkt negativen Tendenzen in Hongkong und den USA geht die Bank neu davon aus, dass die Uhrenexporte 2015 um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr einbricht. Davor ging die Bank lediglich von einer Stagnation aus. Auch für 2016 hat Vontobel die Prognosen auf ein Plus von 3 Prozent gesenkt.

(sda/gku)

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