Der langjährige Novartis-Lenker Daniel Vasella war ein Manager, dem Grösse wichtig war. Er bohrte keine dünnen Bretter, sondern gern die ganz dicken. Seine Übernahme von Alcon für gesamthaft über 50 Milliarden Dollar hat Novartis zwar in neue Umsatzsphären gehoben, den Aktionären unter dem Strich aber wohl mehr geschadet als genützt.

Vasellas Nachfolger Jörg Reinhardt hätte ebenfalls die finanziellen Mittel, um die ganz grossen Deals zu stemmen. Aber er stemmt sie nicht. Was zu kaufen wäre, ist ihm schlicht zu teuer: «Rein betriebswirtschaftlich betrachtet, ist es heute sehr schwierig, eine Akquisition zu rechtfertigen», begründete er kürzlich im Gespräch mit der «Handelszeitung». Lieber gibt er Geld aus für kleinere Deals, die aber Sinn machen.
 
Knapp 4 Milliarden Dollar will er nun für die Krebsdiagnostik-Spezialistin AAA auf den Tisch legen. Die Chance, diese Summe rasch wieder einzuspielen, ist bei dieser Übernahme deutlich grösser als das Risiko, das Geld in den Sand zu setzen.
 
Erstens, weil Novartis eine für die Branche tiefe Prämie bezahlt. Zweitens, weil AAA nicht nur reine Therapieversprechen im Angebot hat – wie sonst bei Biotech- und Pharma-Deals die Regel –, sondern bereits zugelassene Onkologieprodukte, denen Analysten ein Umsatzpotenzial von rund 2 Milliarden Dollar zutrauen. Und drittens, weil die AAA-Produkte jene im Novartis-Portfolio medizinisch sinnvoll ergänzen – die Firmen passen also nicht nur im Übernahmeprospekt gut zueinander, sondern auch im Spitalalltag.
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