Der Spitalmarkt entwickelt sich immer dynamischer. Dafür verantwortlich sind aktuell nicht in erster Linie wettbewerbliche Grundbedingungen, sondern staatliche Eingriffe. Eingriffe, die mittelfristig die Schliessung von Privatkliniken mit sich bringen können, weil die Grundlagen für ein erfolgreiches privates Unternehmertum im Spitalwesen entzogen werden.

Im Vordergrund stehen die Revision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) und die laufenden Bewerbungsverfahren für die Aufnahme in die kantonalen Spitallisten. Das neue KVG verlangt für die ganze Schweiz als Schlüsselelement ein einheitliches Finanzierungssystem für stationäre Spitalbehandlungen. Ab dem 1. Januar 2012 werden deshalb Spitalleistungen nach diagnosebezogenen Fallkosten-Pauschalen oder DRG (Diagnosis Related Groups) verrechnet. Und die kantonalen Spitallisten befinden darüber, welche Kliniken - private und öffentliche - künftig Anrecht auf Sockelbeiträge haben. Über die Zusammensetzung der Spitallisten entscheiden die kantonalen Gesundheitsdirektionen, also all jene Instanzen, die selber öffentliche Spitäler führen.

Das Problem der fehlenden Gewaltentrennung macht die in Aussicht gestellte Gleichstellung von Privatkliniken und öffentlichen Spitälern zur Makulatur. Denn der Kanton wird all jenen Kliniken, die auf der Spitalliste stehen, inskünftig das Angebot weitestgehend vorschreiben und auch die Leistungen diktieren. Das heisst, Listenspitäler, ob kantonal oder privat geführt, erhalten restriktive Vorgaben mit Sanktionsdrohungen, sie unterstehen den kantonalen Spitalplanungs- und -finanzierungsgesetzen.

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Unternehmerische Autonomie

In diesem Spannungsfeld müssen die Privatkliniken Strategien, Modelle und Wege finden, um ihren Fortbestand zu sichern und nicht schuldlos einer Konsolidierungswelle zum Opfer zu fallen. Und dies, ohne sich blenden zu lassen von vordergründig unternehmerischen Anreizen. Die Privatkliniken haben sich also zu entscheiden zwischen kantonalen Schranken und vermeintlich unternehmerischer Autonomie.

Doch wir leben in einem Land mit 26 Kantonen und entsprechend 26 Gesundheitssystemen. Das heisst, dass nicht alle Privatkliniken in der gleichen Situation stecken, die Realitäten in den einzelnen Kantonen nicht dieselben sind. Rollen, Funktionen und bisherige Zusammenarbeit mit den Kantonen und Krankenversicherungen unterscheiden sich für die verschiedenen Privatkliniken grundlegend. So gibt es Kantone, in denen bereits heute Privatkliniken in Absprache mit Kanton und Krankenkassen grundversicherte Patienten aufnehmen und versorgen. Was hierbei historisch gewachsen ist, kann - gerade auch zum Wohle der Patienten und Mitarbeitenden - nicht einfach aufgebrochen werden.

Zwei Lösungsansätze, die nebeneinander stehen und Hand in Hand gehen, könnten aus dem Dilemma führen und gleichzeitig sowohl die Kosteneffizienz als auch die Qualität steigern: Zum einen eine verstärkte Zusammenarbeit in Klinikgruppen und Netzwerken und zum andern die Einführung eines nationalen Qualitätslabels, das ein umfassendes Qualitätsmanagement garantiert und die Grundlage für künftige Entscheidungen im Spitalwesen bildet.

Es ist davon auszugehen, dass DRG die notwendige Zusammenarbeit der Spitäler mit vor- und nachgelagerten Leistungserbringern fördert und so den Weg zu einer integrierten Versorgung mit sektorübergreifenden Leistungspaketen und Komplexpauschalen ebnet. Denn wenn sinnvoll und optimal mit anderen Leistungserbringern - regional und überregional - zusammengearbeitet wird, kann die Behandlung im Spital effizient erfolgen. Und Effizienz ist, zusammen mit Wirtschaftlichkeit, und Qualität, einer der bestimmenden Faktoren in der Klinikführung von morgen. Gleichzeitig macht der Verbund von Kliniken die einzelnen Spitäler durchsetzungskräftiger im Auftritt und überlebenssicherer im Markt.

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Diese Zusammenarbeit muss in klinischen, aber auch in nicht-klinischen Bereichen wie Einkauf und Logistik, Finanzen und Rechnungswesen, Hotellerie und Wäscheversorgung, Pathologie, Labor und Apotheke vorangetrieben werden. Sodann können Klinikgruppen auch von Grössenvorteilen profitieren und eine Verhandlungsmacht ausspielen.

Spitalwesen dynamisch halten

Gleichstellung von privaten und öffentlichen Kliniken und damit der Ausschluss von Entscheidungswillkür ist nur durch die Einführung eines national anerkannten Qualitätslabels möglich. Ein anspruchsvolles und umfassendes Qualitätsmanagement von Kliniken - ob Grossbetriebe oder KMU, ob privat finanziert oder öffentlich - muss deshalb in Zukunft unbedingt zertifiziert und bei erfolgreich bestandener Prüfung mittels Gütesiegel versehen werden. Ein Gütesiegel, das herausragende Kernkompetenzen, Top-Fachkräfte sowie neueste medizinische Technologien und Infrastrukturen garantiert, das eine kulturelle, prozessuale und infrastrukturelle Vorreiterrolle honoriert und in einem liberalisierten Markt den Patienten ins Zentrum stellt. Die Vergabe eines solchen Gütesiegels sollte abhängig sein von einem systematischen Qualitäts-Assessment. Nur wer dieses besteht, ist berechtigt, das Qualitätslabel zu verwenden.

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Diese beiden Lösungsansätze können helfen, das Spitalwesen dynamisch zu halten, diese Dynamik aber auf marktwirtschaftliche Überlegungen zu stellen. Und es kann Privatkliniken zu integrierten Teilen eines umfassenden Gesundheitssystems machen, ohne sie ihrer Qualität als Frontrunners zu berauben.


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Peter Kappert, Präsident der Klinikgruppe The Swiss Leading Hospitals,
und CEO Klinik Sonnenhof AG, Bern