Schwellenmarktkrisen und eine relativ hohe Staatsverschuldung verhinderten in den 90er Jahren längerfristige Infrastrukturausgaben, sodass dieser Bereich viele Jahre lang vernachlässigt wurde. Im Zuge der höheren Wachstumsraten der letzten Jahre ist die Infrastrukturlücke zwischen Schwellen- und Industrieländern umso deutlicher zutage getreten – mit weitreichenden wirtschaftlichen Konsequenzen. Nach Schätzungen der Weltbank müssen die Schwellenländer ihre Infrastrukturausgaben von 2–3% des BIP in den 1990er Jahren auf etwa 6% anheben.

Die Schwellenmärkte haben nicht nur Nachholbedarf bei den Infrastrukturausgaben. Die rapide Urbanisierung forciert auch die zukünftige Nachfrage. Die Vereinten Nationen schätzen, dass wöchentlich 1 Mio Menschen in die Städte ziehen. Dadurch erhöht sich der Bedarf an verbesserten öffentlichen Transportsystemen, Stromerzeugungskapazitäten und Abwassersystemen. Auch wird die Bereitstellung erschwinglichen Wohnraums immer dringlicher. Im Zeitraum von 1950 bis 1990 nahm die weltweite Stadtbevölkerung um 2,3 Mrd Menschen zu. Von heute bis 2015 wird ein weiterer Anstieg um 1,5 Mrd Menschen erwartet. 1975 gab es mit Tokio, New York und Mexiko-Stadt nur drei sogenannte «Mega-Städte» mit einer Bevölkerung von über 10 Mio Menschen. Bis 2005 stieg die Anzahl auf 20, und 2015 dürfte es nach UN-Prognosen über 22 «Mega-Städte» geben, von denen allein 18 in den Schwellenländern liegen.

Veränderte Prioritäten

Der aktuelle Fokus auf die Infrastruktur beruht grösstenteils auf der Erkenntnis unter den Verantwortlichen, dass in die Infrastruktur investiert werden muss, um potenzielle Barrieren für das zukünftige Wachstum zu beseitigen, und dass vor allem die entsprechende Finanzierung sichergestellt werden muss. Nachdem die Emerging-Markets-Krise überwunden war, haben die positive wirtschaftliche Entwicklung und eine umsichtige Politik in den letzten Jahren zu niedrigeren Verschuldungsquoten, tieferen Realzinsen, verbesserten Haushaltssalden und einem rapiden Wachstum der externen Reserven geführt. Dadurch wurden die finanziellen Möglichkeiten für längerfristige Ausgaben erheblich verbessert. Die Schwellenländer weisen heute deutlich geringere Haushaltsdefizite auf als in der Vergangenheit.

Anzeige

Zahlreiche Börsengänge

In den letzten Jahren haben sich vermehrt Möglichkeiten ergeben, um über ein Engagement in Aktien von der Infrastrukturdynamik zu profitieren. Die starken Bilanzen der Unternehmen aus den Schwellenländern sind darauf zurückzuführen, dass der Infrastrukturbedarf zunehmend durch lokale Anbieter abgedeckt wird anstatt durch Investitionsgüterunternehmen aus dem Ausland. Durch die zunehmenden Börsengänge in diesem Bereich hat sich die Auswahl an Investitionsmöglichkeiten vergrössert. Aus einem aktuellen Bericht von Morgan Stanley geht hervor, dass die Anzahl an Unternehmen in infrastrukturbezogenen Teilsektoren von 87 im Jahr 2002 auf 152 im Jahr 2007 gestiegen ist, während sich die summierte Marktkapitalisierung dieser Teilsektoren im gleichen Zeitraum von 87 Mrd auf 502 Mrd Dollar deutlich erhöht hat. In den Industrieländern ging die Entwicklung in dieselbe Richtung. Allerdings legten die Emerging Markets ein deutlich schnelleres Wachstumstempo vor – ein Trend, der angesichts des Umfangs des erwarteten Ausbaus der Infrastruktur weiter anhalten dürfte.

Starke Gewinntreiber

Die Schätzungen bezüglich der Infrastrukturausgaben in den Schwellenländern bewegen sich weiter nach oben. Vor zwei Jahren prognostizierte Merrill Lynch für die Schwellenmärkte bis 2010 ein Investitionsvolumen von etwa 3 Billionen Dollar. In einem im Januar veröffentlichten Bericht von Morgan Stanley wird für die nächsten zehn Jahre von nicht weniger als 21,7 Billionen Dollar ausgegangen. Unabhängig von der tatsächlichen Summe steht fest, dass die aus der Infrastrukturthematik in den Schwellenmärkten erwachsenden Chancen globaler Natur sind.

Die Infrastrukturthematik wird für viele Unternehmen in den Schwellenländern mittelfristig einen starken Gewinntreiber darstellen. Obwohl der Ausverkauf an den globalen Aktienmärkten aufgrund der Situation an den Kreditmärkten und der Sorgen bezüglich des US-Wachstums weiter anhält, geht die Credit Suisse davon aus, dass die langfristigen Investitionspläne davon unberührt bleiben. Während sich das globale Wachstumsumfeld für die Schwellenmärkte zunehmend verschlechtert, ergreifen die Regierungen in Staaten wie beispielsweise Mexiko oder Russland als antizyklische Reaktion auf das verlangsamte externe Wachstum bereits Massnahmen zur Erhöhung der Staatsausgaben. Mit attraktiven Anlagemöglichkeiten in verschiedenen Infrastruktursektoren bietet das aktuelle Umfeld interessante Möglichkeiten für den Einstieg.

Anzeige