Nach Commerzbank, Dekabank und LBBW zieht sich nun auch die DZ Bank aus den umstrittenen Spekulationsgeschäften mit Nahrungsmitteln zurück. Das kündigte Vorstand Lars Hille in einem Brief an die Verbraucherorganisation «Foodwatch» an, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. Darin heisst es, die DZ Bank werde Wertpapiere auf Basis von Agrarrohstoffen 2013 auslaufen lassen. Nachfolgeprodukte würden nicht aufgelegt, Produkte anderer Banken nicht gekauft. Auch für die Fonds der Tochter Union Investment gelte, dass sie nicht mehr in Agrarrohstoffe investieren sollten.

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Das Spitzeninstitut der meisten Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland hatte den Grundsatzbeschluss für den Rückzug bereits im Januar gefällt. In dem Schreiben an «Foodwatch», datiert auf den 13. Mai, erläuterte Hille die Gründe nun näher: «Dass wir derzeit keine Nachfrage nach solchen Produkten verzeichnen, ist dabei in unsere Entscheidung eingeflossen. Wir begrüssen und fördern es zugleich ausdrücklich, dass die Wissenschaft sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt.» Hille sprach sich zudem für eine strengere Regulierung der Agrarrohstoffmärkte aus. Auch "Spiegel Online" hatte zuvor über den Brief berichtet.

Mehr Hunger

Konsumentenschutz-Organisationen beklagen seit längerem einen Zusammenhang von Nahrungsmittelspekulationen mit starken Preisschwankungen an den Agrarmärkten und dem Hunger in der Welt. Ob Spekulationen mit Nahrungsmitteln die Preise für die Produkte in armen Ländern tatsächlich nach oben treiben, ist unter Experten allerdings umstritten. Entsprechend hitzig wird die Debatte geführt.

«Andere sollten sich ein Beispiel nehmen»

Bei den deutschen Geldhäusern, die sich aus dem Geschäft zurückgezogen haben, spielte es durchweg keine grosse Rolle. Das gilt auch für die DZ Bank, die bislang eine überschaubare Anzahl entsprechender Zertifikate und Derivate angeboten hatte. Bei der Fondstochter Union Investment sind konkret zwei Fonds betroffen, die seit dem 1. März nicht mehr in Agrarrohstoffe investieren: Der UniCommodities und der Commodities Invest. Auch bei den Garantiefonds soll nun - so weit möglich - auf entsprechende Beimischungen verzichtet werden. «Foodwatch»-Geschäftsführer Thilo Bode begrüsste die Entscheidung der DZ Bank. «Daran sollten sich andere Institute, die die notwendige politische Regulierung der Finanzmärkte mit allen Mitteln hintertreiben, ein Beispiel nehmen - allen voran die Deutsche Bank.»

Prügel für Deutsche Bank

Die Deutsche Bank hatte im Januar erklärt, am Geschäft mit Nahrungsmittelspekulationen festzuhalten - und dafür viel Prügel eingesteckt. Zur Begründung hiess es, Untersuchungen hätten kaum stichhaltige Belege für einen Zusammenhang dieser Geschäfte mit dem Hunger in der Welt erbracht. Im Gegenteil: Agrar-Derivate erfüllten für Nahrungsmittelproduzenten eine wichtige Funktion im weltweiten Handel. Mit dem Kauf dieser an Börsen gehandelten Papiere könnten sich Landwirte gegen fallende Preise absichern und ihr Angebot besser planen. Für die Deutsche Bank ist der Rohstoffhandel auch viel wichtiger als für andere Institute: Er zählt zu den Wachstumssegmenten im lukrativen Kapitalmarktgeschäft. Auch Europas grösster Versicherer Allianz hält mit ähnlichen Argumenten am Geschäft mit Nahrungsmittelspekulationen fest. Der Konzern gehört zu den grössten Investoren überhaupt und ist auch an den Derivatemärkten für Rohstoffe aktiv. 

(tke/jev/reuters)