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Mobilität
E-Trottinett-Experte: «Die Politik ist das grösste Risiko»

Philip james Douglas: «Der E-Scooter geniesst nicht den gleichen Sympathiebonus wie das Fahrrad.»
E-Scooter: Die Flitzer geniessen nicht den selben Sympathiebonus wie das Fahrrad.Quelle: Keystone .

Überall schiessen E-Scooter-Verleihplattformen aus dem Boden. Was den Boom abwürgen könnte, erklärt Mobilitätsexperte Philip James Douglas.

Von Andreas Güntert
am 07.12.2018

Warum boomen die E-Scooter-Plattformen aktuell derart?
Philip James Douglas: Eine ganze Branche hat derzeit Rückenwind, weil Städte ihre Mobilität neu denken wollen. E-Scooters wollen sich als Vehikel der letzten Meile zwischen Taxis und ÖV positionieren. Die aktuellen Entwicklungen erinnern mich an jene in den frühen Tagen des Internets und der Telekommunikation. Übertragen auf die Mobilitätsbranche: Das Eigenbesitz-Auto ist das Festnetz. Das Sharing-Vehikel im Stadtverkehr, also die «Mobility on demand», ist das Smartphone.

Welche der vielen E-Scooter-Jungfirmen wird das Rennen machen?
Wir sehen hier derzeit einen Wettlauf verschiedenster Player, die alle nur ein Ziel haben: Auf den ersten Smartphone-Screen der User zu gelangen. Global werden letztlich drei bis höchstens fünf solcher Plattform-Player überleben.

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Was ist das spezielle an den E-Trottinet-Plattformen?
Revolutionär ist die Geschäftsidee, die User als sogenannte «Juicer» ins Business-Model einzubauen. Also Kunden, die sich nützlich machen beim Rückschub der Scooter und damit Geld verdienen können.

Was hebt Bird & Co. ab von den Velo-Sharing-Plattformen à la Obike?
Die Vehikel sind kompakter und weniger komplex, ihre Qualität ist besser als jene der billigen Verleihvelos, und die Einbettung der Community als Juicers hilft dem System ebenfalls. 

Was könnte die Scooter-Plattformen bremsen?
Die Politik ist das grösste Risiko. Sollten sich Unfälle häufen, wird der Regulator stärker einschreiten. Sollte es obligatorisch werden, auf den Scootern Helm und Warnweste zu tragen, wenn Rückspiegel, Blinker und Nummernschild zwingend werden, wird das eine zu grosse Hürde für die Nutzer darstellen und den ganzen Spass verderben. Die Städte stossen zwar einiges an bezüglich Velowegen, der E-Scooter geniesst aber nicht den gleichen Sympathiebonus wie das Fahhrad. Weil die Elektro-Trottinets nicht der aktiven Mobilität zugerechnet werden können.

US-amerikanische Beobachter rechnen vor, dass sich mit dem Verleih von E-Scootern tatsächlich Geld verdienen lässt, ohne Verkauf von Kundendaten an Drittparteien. Geht das so auf?
Ein Monat Verleihzeit, um auf den Break-even zu kommen, danach zwei Monate Geld verdienen – das kann so in etwa hinhauen. Wenn sich die Juicer in erwartetem Masse beteiligen und die Geräte auch wirklich drei Monate lang durchhalten.

Douglas
Philip James Douglas: Gründer der Schweizer Velomarke Simpel und heute Micromobility-Berater beim deutschen Autozulieferer- und Mobilitätsdienstleister CIP Group.
Quelle: ZVG