Wie verwurzelt der künstlerisch immer noch äusserst aktive Hans Erni in der Schweizer Bevölkerung ist, zeigt die Tatsache, dass ihm Anfang des Jahres der «Lifetime Award» des Schweizer Fernsehens verliehen wurde. Sein Werk bietet zahlreiche Identifikationsmöglichkeiten, weil es jeweils aus der Zeit heraus agiert und gesellschaftskritisch ist. Doch gerade seine Popularität nehmen ihm viele Kritiker übel und tun ihn als hervorragenden Techniker ab. Dabei sind Ernis Arbeiten ausgesprochen vielseitig - von seinen abstrakt-surrealen Anfängen der 1930er-Jahre über seine bekannten antikisierenden Bildthemen bis hin zu seinen grossformatigen Wandgemälden der Spätzeit. Seine umfangreiche Gebrauchsgrafik und noch mehr die Originalgrafik läuft jedoch mit ihren virtuos vorgetragenen, repetitiven Gestaltungsmustern und seinen deutlichen Botschaften dem vorherrschenden Kunstkanon entgegen.

Überraschende Facetten

Das Kunstmuseum Luzern hat es sich zur Aufgabe gemacht, den kontrovers diskutierten Künstler umfassend zu präsentieren. Eine Auswahl von rund 250 Werken zeigt bekannte wie überraschende Facetten des reichen 80-jährigen Oeuvres. Mit seinen grosszügigen Ausstellungsräumen bietet das KKL Luzern perfekte Rahmenbedingungen für die zahlreichen grossformatigen Wandbilder. Auf eindrucksvolle Weise wird so die Monumentalität dieser künstlerischen Werke fassbar.Der am 21. Februar 1909 am Vierwaldstättersee geborene Hans Erni war gelernter Vermessungs- und Bauzeichner. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Luzern folgten sein Lehr- und Wanderjahre. In den 1930er-Jahren war er in Paris an vorderster Front an den Entwicklungen der abstrakten Kunst beteiligt und bewegte sich in den Avantgardekreisen. In der zweiten Hälfte der 1930-er-Jahre kam es zum grossen stilistischen Bruch: Erni fügte abstrakte und figurative Malerei zusammen. Er erwies sich als Meister der Synthese und mischte mit leichter Hand Surreales mit Konstruktivem, Klassizistisches mit Geometrischem. Wie kaum ein anderer wusste er auch Avantgarde und Gefälligkeit zu verbinden. In knapp 80 Jahren schuf Hans Erni ein Oeuvre von ungemeiner Schaffensbreite. Immer wieder überzeugt er als virtuoser Zeichner. Seine Techniken reichen von der Skulptur über die Malerei bis zur Grafik und Buchillustration, von der Ausstellungsgestaltung über das Wandbild bis zur Tapisserie. Ebenso breit gefächert sind die Themen: Nach den Abstraktionen der 30er-Jahre widmete er sich mehr und mehr philosophischen, gesellschaftlichen und politischen Themen, liess sich aber auch von Technik, Wissenschaft, Sport, Natur und Musik inspirieren.

Plakate für Umwelt und Politik

Bis heute erweist sich Hans Erni als engagierter Zeitgenosse mit einer überzeugten Haltung hinsichtlich gesellschaftlicher und vor allem auch umweltpolitischer Themen. Diese finden besonders in seinem grafischen Werk in unzähligen Plakaten ihren Ausdruck. Vor allem mit seinen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffenen Plakaten - wie etwa demjenigen für die Freundschaft mit der Sowjetunion - war er ein wirklicher Erneuerer. Da er Kunst und politisches Engagement nie trennte, galt er in der Öffentlichkeit stets als integer. Doch gerade wegen seiner politischen Gesinnung blieben ihm öffentliche Aufträge lange Zeit verwehrt. Aufgrund seiner Nähe zum sozialistischen Ideal wurde er von den eidgenössischen Behörden während des Kalten Krieges systematisch boykottiert.

Anzeige