Vergangene Woche kündigte Bundesrätin Simonetta Sommaruga an, den Strommarkt für Kleinkunden öffnen zu wollen – allerdings noch ohne einen Termin dafür zu nennen. Die Anbieter müssen sich mittelfristig auf mehr Konkurrenz einstellen. Was das heisst, weiss die kleine Elektra Baselland (EBL) aus Liestal. Sie ist seit Jahren im deutschen Retail-Markt unterwegs. Und hat sich damit die erst mal die Finger verbrannt.

Die EBL-Tochter EBLD Schweizstrom hat seit ihrer Gründung 2009 hohe Verluste aufgehäuft. Das zeigen die im deutschen Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsberichte. Demnach summiert sich der Bilanzverlust Ende 2017 auf 8 Millionen Euro. Alleine 2017 fiel ein Verlust von 3,2 Millionen Euro an. Nicht gerade wenig bei einem Gewinn von 16,4 Millionen Franken für die ganze EBL-Gruppe.

EBL-Geschäftsführer Tobias Andrist bestätigt gegenüber der «Handelszeitung» die bisher nie kommunizierten Verluste. Auch 2018 habe man in den roten Zahlen abgeschlossen. «Wir rechnen damit, dass wir 2021 in die Gewinnzone kommen», sagt Andrist.

Debitorenverluste in Millionenhöhe

Grund für roten Zahlen seien Debitorenverluste, sagt der EBL-Chef. Zahlungsausfälle. «Wir hatten Probleme mit den Prozessen und Ressourcen.» Das Wachstum sei zu ambitioniert gewesen, säumigen Kunden sei «zu wenig konsequent» der Strom abgestellt worden.

Die Folge: EBLD blieb auf den Beschaffungskosten sitzen. «Natürlich hat uns das Geld gekostet», sagt Andrist. «Doch das ist Lehrgeld.» Lehrgeld für den grossen Eintritt in den Markt.

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Man habe viel über das Kleinkundengeschäft gelernt, sagt Andrist. Prozesse, die in der Schweiz noch immer von Hand abliefen, seien mittlerweile automatisiert. Auch wisse man mehr über die Kunden. «Wir kennen die Zahlungsmoral für jede Strasse in Deutschland und passen unsere Akquise entsprechend an.»

Trainingsfeld für die Marktöffnung

Die unter der Marke «Schweizstrom» auftretende EBL Deutschland gilt bei den Baselbietern als Trainingsfeld für den freien Markt. Beschlossen worden sei die Expansion als in der Schweiz erstmals eine Marktöffnung angekündigt wurde, so Andrist. Als diese dann immer wieder aufgeschoben wurde, änderte sich das Geschäftsmodell. Von da an sollte die Deutschlandtochter eigenständig – und profitabel – als eigenes Geschäft operieren.

2013 forcierte die EBLD Schweizstrom das Wachstum. Innerhalb eines Jahres sei man von 8000 auf 30'000 Kunden angewachsen, so Andrist. Dann trat sie auf die Bremse, «um die Prozesse zu überarbeiten». 2016 folgte eine zweite Wachstumsphase. Derzeit gewinne man rund 500 Kunden pro Monat. Gleichzeitig aber wuchsen ab 2016 auch die Verluste.

Schweizstrom ohne Schweizer Strom

Eher dünn ist der im Namen propagierte Bezug zur Schweiz. So warbt die EBL-Tochter zunächst nicht nur mit Schweizer Ziegen, sondern auch Schweizer Wasserstrom-Zertifikaten, die den deutschen Börsenstrom nicht nur grün, sondern auch helvetisch machen sollten. «Schweiz Strom PLUS aus 100% zertifizierter Schweizer Wasserkraft», hiess es noch 2013 in einer Broschüre.

Mittlerweile beziehe man jedoch europäische Zertifikate, sagt Andrist. Dies, weil der Preis für Schweizer Wasserstrom-Zertifikate mittlerweile zu hoch sei.

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