Die Freude steht ihnen ins Gesicht geschrieben, als Bruno Jans (CEO) und Tobias Pogorevc (CFO) bekannt geben können, dass die Flotte von Helvetic Airways bis Mitte Jahr von vier auf sechs Maschinen wächst. Dies verkünden sie in Absenz ihres solventen Patrons und Besitzers Martin Ebner (64).

Der Financier hatte vor exakt vier Jahren über seine Beteiligungsfirma Patinex die Schweizer Airline vor dem Aus bewahrt - und danach tendenziell an der langen Leine geführt. Schliesslich hat er in das ihm zufolge mittlerweile komplett schuldenfreie KMU bislang 50 Mio Fr. gesteckt: 25 Mio Fr. für den Erwerb der 2006 vorhandenen vier Flugzeuge sowie 25 Mio Fr. in die Übernahme der seit 2003 bestehende Gesellschaft.

Unterdessen hat sich die 2007 neu formierte Geschäftsleitung scheinbar emanzipiert. Gegenüber der «Handelszeitung» sagt Ebner: «Persönlich freut mich ganz besonders, dass das Management von Helvetic Airways in der Branche offenbar Anerkennung geniesst und der Einsatzwille aller Mitarbeiter positiv auffällt.»

Anzeige

Ebner musste überzeugt werden

Das geht soweit, dass die Chefs ihren Eigentümer dafür gewinnen konnten, zu expandieren. «Selbstverständlich mussten wir ihn überzeugen, dass das finanzielle Risiko tragbar ist», erklärt Bruno Jans, «das ist uns offensichtlich gelungen.» Und Tobis Pogorevc ergänzt: «Martin Ebner hat immer betont, dass sich sein Investment in Helvetic Airways rechnen muss. Die gesunde Basis für dieses Wachstum haben wir nun geschaffen.»

Bei den neuen Maschinen handelt es sich wie bei den vier Vorgängern um Occasionen. Passend zur Flottenpolitik sind es Flieger des Typs Fokker 100 mit 100 Sitzplätzen, die von Air France Regional erworben werden und ebenfalls Jahrgang 1993 haben. Es sind laut Jans und Pogorevc aber nicht zwei derjenigen Fokker 100, die nach dem Grounding der Swissair von der französischen Fluggesellschaft übernommen wurden.

Financier greift tief in die Tasche

Gekauft werden die Maschinen jedoch nicht mit den Mitteln von Helvetic Airways. Auf Anfrage der «Handelszeitung» bestätigt Martin Ebner: «Die kapitalintensiven Flieger inklusive Ersatzmotoren und Ersatzteile werden letztlich durch die Patinex finanziert.» Anschliessend werden sie wie die anderen vier Fokker 100 an seine Fluggesellschaft verleast. «Helvetic Airways muss das Kapital selbstverständlich marktkonform verzinsen», führt Ebner aus. Diese Kapitalanlage vergleicht er nach wie vor mit einer gut verzinsten Obligation - was sich rechnet.

Der Marktwert für eine 17-jährige Fokker 100 liegt gemäss Jans und Pogorevc derzeit bei rund 5 Mio Dollar, total also knapp 10 Mio Dollar für zwei Occasionen. Wie viel sie Ebner effektiv gekostet haben, dazu schweigen sich sowohl der Besitzer als auch sein Management aus. Man kann aber davon ausgehen, dass der Financier den Erwerb nicht überbezahlt hat.

Inklusive der Kosten für das Anpassen der Aussenbemalung und der Innenausstattung auf die Corporate Identity von Helvetic Airways, das Jans und Pogorevc pro Flugzeug mit je 1 Mio Fr. beziffern, kann davon ausgegangen werden, dass Ebner in seine Anschaffung gegen 10 Mio Fr. investiert.

Gegenwärtig befinden sich die beiden Maschinen in einem Werk von Fokker in den Niederlanden, wo sie überholt und modernisiert werden. Die erste soll bis Ende Mai bei Helvetic Airways ihren Betrieb aufnehmen. Mit dem Einsatz der zweiten ist bis Mitte Juni zu rechnen. «Dies ist abhängig vom verfügbaren Material unserer Lieferanten», sagt Bruno Jans.

Auch Personal wird aufgestockt

Zudem wird in den kommenden Monaten der Personalbestand um 30 Vollzeitstellen auf 150 Angestellte erhöht. Die Rekrutierung und Ausbildung des neuen fliegenden Personals sei in vollem Gange, so Tobias Pogorevc.

Die Kapazitätserweiterung um 50% wird ab Mitte Jahr hauptsächlich in den Dienst des eigenen Charter- und Liniengeschäfts gestellt. Bislang setzt Helvetic Airways erst eine ihrer vier Maschinen dafür ein. Die anderen drei sind bis Ende März 2014 für die Swiss im Einsatz, an die sie samt Unterhalt, Personal und Versicherung vermietet sind.

Welche neuen Destinationen Helvetic Airways mit der vergrösserten Flotte ansteuern will, wird gegenwärtig evaluiert. Damit lässt man sich aber noch Zeit.