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Ebola: Pharmariesen kehren dem Virus den Rücken zu

Ebola-Patient und Ärzte: Ein Impfstoff gibt es nicht.   Keystone

Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen den tödlichen Erreger ist schwierig und zahlt sich für die Konzerne kaum aus. Der Ebola-Ausbruch in Guinea bietet nun Chancen. Darauf hoffen vor allem die USA.

Veröffentlicht am 28.03.2014

Wenige Ausbrüche - geringe finanzielle Anreize: Die kostspielige Suche nach einem Mittel gegen das tödliche Ebola-Virus rechnet sich für internationale Arzneimittel-Konzerne kaum.

Fast 40 Jahre ist es her, als Forscher in einem Mikrobiologie-Labor in Belgien den Erreger identifizierten, der nach einem kongolesischem Fluss benannt ist. Und noch immer gibt es kein wirksames Medikament oder gar einen Impfstoff zur Bekämpfung. Einer der Gründe für den mangelnden Enthusiasmus der Branche: Das Virus taucht selten auf und zu seinen Opfern zählen dann meist Menschen in den ärmsten Regionen Afrikas.

Teure klinische Studien

Manche Gesundheitsexperten favorisieren daher andere Schritte. Demnach könnte die Zahl der Todesfälle durch Beachtung grundlegender Hygiene-Vorschriften sowie einen Verzicht auf Verzehr von gefährlichem Fleisch aus dem Dschungel begrenzt werden.

«Grundlagenforschung können wir recht günstig machen», sagt etwa Jonathan Ball, Professor für Molekular-Virologie an der britischen Universität von Nottingham. Aber für den Schritt danach hin zur Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen seien klinische Studien notwendig. «Und diese kosten viel Geld - weshalb man an dieser Stelle normalerweise beginnt, Big Pharma einzubeziehen». Grosse Pharmakonzerne investierten jedoch nur dann, wenn sich das für sie auch später rentiere.

90 Prozent der Fälle verlaufen tödlich

Das Ebola-Virus wurde 1976 entdeckt nach einem Ausbruch im damaligen Zaire - heute die Demokratische Republik Kongo. Seitdem sind daran in Afrika bei Ausbrüchen etwa 1500 Menschen gestorben. Als Träger der Viren gelten Fledermäuse, Nagetiere, Gorillas und Antilopen.

Die Krankheit beginnt meist wie eine Erkältung - doch dann folgen rasch Durchfall, Erbrechen, schweres hämorrhagisches Fieber mit inneren und äußeren Blutungen. Je nach Virus-Stamm enden bis zu 90 Prozent aller Fälle tödlich. Beim aktuellen Ausbruch im westafrikanischen Guinea starben bis Mitte dieser Woche mindestens 63 Menschen.

Ebola als bilogische Waffe

Ebola wird zwar von der Pharmaindustrie stiefmütterlich behandelt. Geforscht wird dennoch. Es sind vor allem Regierungen - angeführt von den USA - die hier finanziell einspringen. Sie treibt vor allem die Sorge um, solch tödliche Erreger wie Ebola könnten einmal als biologische Waffen eingesetzt werden.

Im Januar flossen an die Universität von Texas und an drei weitere Organisationen 26 Millionen Dollar staatliche Gelder. So kooperiert das US-Verteidigungsministerium mit der kanadischen Tekmira Pharmaceuticals. Das Medikamenten-Projekt von Tekmira steckt aber erst in den Kinderschuhen. Es dürfte noch Jahre dauern, bis die Substanz mit der Bezeichnung «TKM-Ebola» marktreif ist.

Schweizer Firma forscht mit

Mehrere kleinere Biotechfirmen und Universitäten forschen zudem an Impfstoffen gegen den Erreger. Auch diese Projekte stecken erst in der Phase der Tierstudien - der riskante Schritt einer Erprobung der Substanzen am Menschen steht noch bevor. Die US-Firmen Inovio und Vaxart arbeiten an derartigen Vakzinen. Auch der Schweizer Impfstoffhersteller Okairos - er wurde 2013 vom britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline übernommen - forscht an einem Ebola-Impfststoff.

Manche Experten halten die weitere Finanzierung solcher Impfstoff- und Medikamenten-Projekte allerdings für gefährdet. «Die Frage ist, ob irgend jemand die Kosten für die Produktion übernimmt, wenn man sich die Zahl der Impfdosen vor Augen führt, die sie einmal verkaufen könnten», sagt Ian Jones, Virologie-Professor an der Universität von Reading. Denn am Ende müsse jemand für die Produktion eines Medikament oder eines Impfstoffs aufkommen.

Suche nach Test-Personen ist schwierig

Beim Thema klinische Studien taucht zudem ein ganz grundsätzliches Problem auf: Können überhaupt ausreichend viele Teilnehmer für solche Tests gefunden werden angesichts der geringen Zahl von Erkrankten? Jones bezweifelt das. Selbst wenn vorher feststünde, wo es den nächste Ausbruch gebe, lasse sich das nicht garantieren. Dann aber müsste man sich ausschliesslich auf Tierstudien stützen - ein gewaltiges Risiko, hält man sich die Aggressivität des Erregers vor Augen.

Für manche Virus-Experten ist daher der aktuelle Ausbruch in Guinea eine einmalige Chance. Thomas Geisbert von der Universität von Texas etwa forscht an einem Ebola-Impfstoff mit Namen «VSV». In Tierversuchen soll er bereits gewirkt haben. Geisbert zufolge könnte die Substanz jetzt bei Menschen in Guinea erprobt werden. «Man muss eine Balance finden zwischen Wissenschaft, medizinischer Ethik und dem Retten von Leben», sagt er. Und das sei nicht leicht. «Doch wie viele Menschen, die einem baldigen, fast sicheren Tod entgegen blicken, würden es bei diesem Virus einfach darauf ankommen lassen?»

(reuters/dbe)

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