Im Korruptionsprozess gegen Bernie Ecclestone haben zwei Zeugen Zweifel an den Aussagen des Formel-1-Chefs genährt. Die beiden früher mit dem Fall befassten Staatsanwälte sagten am Freitag vor dem Landgericht München, Ecclestone habe kein plausibles Motiv für seine Zahlungen an den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky genannt. Die Behauptung, er sei von Gribkowsky erpresst worden, habe Ecclestone in den Vernehmungen nicht belegen können.

«Es ist zu keiner Zeit wirklich greifbar gewesen, wie diese Drohung ausgesehen haben könnte», sagte der frühere Staatsanwalt Martin Bauer am zweiten Verhandlungstag. Ecclestone habe lediglich von dem Gefühl gesprochen, Gribkowsky könne ungemütlich werden. «Wir haben versucht das herauszuarbeiten, aber es ist uns nicht genauer gelungen», erklärte Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl. Beide Beamte haben den Fall an Kollegen abgegeben, weil sie mittlerweile auf andere Stellen gewechselt sind.

44 Millionen Dollar erhalten

Hintergrund des Gerichtsverfahrens ist der Ausstieg der Bayerischen Landesbank aus der Rennserie vor acht Jahren. Ecclestone soll laut Staatsanwaltschaft Gribkowsky bestochen haben, damit dieser den Formel-1-Anteil dem von Ecclestone gewünschten Investor CVC zuschanzte. Unbestritten ist, dass Gribkowsky auf Betreiben des Sportmanagers 44 Millionen US-Dollar erhielt.

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Der Formel-1-Chef hatte den Bestechungsvorwurf zu Prozessbeginn erneut zurückgewiesen. Vielmehr habe Gribkowsky damals durchblicken lassen, er könne Ecclestone bei den britischen Steuerbehörden anschwärzen, hatte der Formel-1-Chef erklärt. Mehrfach habe Gribkowsky Andeutungen gemacht, Ecclestone könne bei der Übertragung seiner Formel-1-Anteile an die Familienstiftung Bambino Steuern hinterzogen haben. Ecclestone hatte erklärt, obwohl diese Vermutung haltlos gewesen sei, hätte ihn die Steuerfahndung in ernsthafte Schwierigkeiten bringen können.

Absetzung als Formel-1-Chef

Gribkowsky ist bereits wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der geständige Ex-Banker gilt nun als wichtigster Zeuge der Anklage gegen Ecclestone. Dem 83-Jährigen drohen im Fall einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Gefängnis und eine Absetzung als Formel-1-Chef. Gribkowsky soll am 9. Mai erstmals im Ecclestone-Prozess aussagen.

Ecclestone, der kein Deutsch spricht, folgte am Freitag mit konzentriertem Blick seiner Dolmetscherin. Sie sass zu seiner Linken und übersetzte ihm die Verhandlung simultan, während er seinen beiden Verteidigern zur Rechten das Wort überliess. Der Formel-1-Chef - mit dunklem Anzug, Krawatte und weissem Hemd wie am ersten Prozesstag - wirkte diesmal angespannter. Er blickte meist ernst und klopfte immer wieder nervös mit der rechten Hand lautlos auf den Tisch.

(reuters/dbe)