Im Korruptionsprozess gegen Bernie Ecclestone hat sich der Formel-1-Chef erstmals persönlich geäussert. Der 83-Jährige erläuterte am Dienstag vor dem Landgericht München, wie er dem früheren BayernLB -Vorstand Gerhard Gribkowsky einen Millionenbetrag zuschanzte.

Während die Anklage dem Motorsportmanager vorwirft, er habe den Banker mit 44 Millionen Dollar bestochen, handelte es sich nach Ecclestones Darstellung um Schweigegeld, weil er von Gribkowsky bedroht worden sei. «Wir müssen diesen Kerl loswerden», zitierte Ecclestone eine damalige Übereinkunft mit einem Vertrauten.

Ecclestone soll geschmiert haben

Hintergrund ist der Ausstieg der BayernLB aus der Formel 1 vor achteinhalb Jahren. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft schmierte Ecclestone Gribkowsky, damit dieser die Formel-1-Beteiligung der BayernLB an den von Ecclestone gewünschten Investor CVC verkaufte. Gribkowsky, der wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung bereits zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde, hat im Ecclestone-Prozess als Kronzeuge seinen Bestechungsvorwurf bekräftigt.

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Ecclestone hatte zu Prozessbeginn im April lediglich von seinen Verteidigern eine Erklärung verlesen lassen, in der er die Anschuldigungen zurückwies. Damals wollte er sich erst nach einer noch ausstehenden zweiten Vernehmung von Gribkowsky selbst äussern, die mittlerweile erst im September geplant ist.

«Ich habe ihm erklärt, dass ich nicht interessiert sei»

Am Dienstag schilderte Ecclestone, wie ihn Gribkowsky immer wieder bedrängt habe. Der Banker habe die BayernLB verlassen wollen und ihn für ein Immobilieninvestment gewinnen wollen. Dafür habe Gribkowsky von ihm einen Betrag von 250 Millionen verlangt, ohne aber eine Währung zu nennen. «Ich habe ihm erklärt, dass ich nicht interessiert sei», sagte Ecclestone. Doch Gribkowsky habe nicht nachgegeben und auch eine Sache angedeutet, die Ecclestone ernsthafte Schwierigkeiten mit dem Finanzamt hätte machen können: Immer wieder habe Gribkowsky angedeutet, dass Ecclestone mit der von dem Formel-1-Chef eingerichteten Familienstiftung Bambino Erbschaftsteuer hinterzogen haben könnte. In die Stiftung hatte Ecclestone seine Formel-1-Anteile zugunsten seiner Ehefrau eingebracht.

Zwar wollte Ecclestone nicht von Erpressung sprechen. Er einigte sich schliesslich nach eigener Darstellung mit dem Chef der Stiftung, Stephen Mullens, Gribkowsky mit einem Schweigegeld abzuwimmeln. Dies habe er dem Banker in einem Dreiergespräch in einem Londoner Restaurant angeboten: «Ich war ein wenig sarkastisch, als ich ihn fragte, ob ihm 50 Millionen helfen würden», sagte der Formel-1-Chef. «Das war die billigste Versicherungspolice, die ich jemals gesehen habe.» Denn wenn die britischen Behörden Zweifel an seinen Steuerangelegenheiten bekommen hätten, hätte ihn das eine Nachzahlung in Milliardenhöhe kosten können.

(reuters/dbe/sim)