Am Tag der Schweizer Wirtschaft vom Freitag nächster Woche ist Einigkeit angesagt: Die Mitglieder von Economiesuisse werden in der «World of Movie», einer restaurierten und umfunktionierten ehemaligen ABB-Fabrikhalle in Zürich-Oerlikon, eine neue Strategie verabschieden. Diese soll das Ende der Krise markieren, die der Wirtschaftsdachverband seit mehr als einem Jahr durchgemacht hat.

Unterschiedliche Ansichten über politische Themen waren mit ein Auslöser des «Gewitters» gewesen, wie Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer die Turbulenzen im Rückblick bezeichnet. So verschärfte unter anderem die Frage der Zulassung von Parallelimporten die bestehenden Differenzen zwischen dem mächtigen Industrieverband Swissmem und dem Dachverband. Swissmem war dafür, weil sie im Unterschied zu Economiesuisse den Kampf gegen die zu hohen Preise höher wertete als den Patentschutz.

Neuer Fokus

Nun kehrt Swissmem zurück: Der Branchenverband der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie hat – wie auch der Baumeisterverband – seine im vergangenen Jahr eingereichte vorsorgliche Kündigung der Mitgliedschaft bei Economiesuisse zurückgezogen. Bereits vergangene Woche hatte sich Swissmem durch eine Kehrtwende bei der Beurteilung der Parallelimport-Frage als «Economiesuisse-kompatibel» präsentiert, wie die «Neue Zürcher Zeitung» titelte.
Mit der Fokussierung auf die acht Kernthemen Finanzen, Steuern, Aussenwirtschaft, Wettbewerb, Forschung und Bildung, Infrastruktur, regulatorisches Umfeld sowie allgemeine Wirtschaftspolitik antwortet die neue Strategie auf die Kritik, der Dachverband sei zu stark auf die Interessen der Pharmaindustrie und des Finanzplatzes fixiert.
Besonders entgegen kommt den «Rückkehrern», dass bei spezifischen Branchenanliegen unterschiedliche Meinungen möglich sind und gegenüber Politik und Öffentlichkeit auch kommuniziert werden können. In diesem Rahmen versteht sich Economiesuisse künftig vor allem als «Orchestrator im Netzwerk der Schweizer Wirtschaftsverbände».
Die neue «Dissens-Kultur» wird jetzt schon auf die Probe gestellt: Am gleichen Tag, an dem Economiesuisse die wiedergefundene Einheit pries, plädierte der von der Wirtschaft finanzierte Think Tank Avenir Suisse aus ordnungspolitischen Gründen für die Zulassung von Parallelimporten patentgeschützter Güter.

Anzeige