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Economiesuisse: Das sind Heinz Karrers Baustellen

Kommende Woche tritt Heinz Karrer sein Amt als neuer Präsident von Economiesuisse an. Auf ihn warten gigantische Aufgaben.

Von Vasilije Mustur
am 29.08.2013

Der Vorstand von Economiesuisse machte Nägel mit Köpfen. Am Donnerstag wählte er Heinz Karrer zum Nachfolger von Rudolf Wehrli als Präsident des Wirtschaftsdachverbandes. Der neue starke Mann wird das Amt am 1. September antreten. Handelszeitung.ch zeigt die grössten Baustellen, auf denen Karrer wird anpacken müssen.

1. Die Kommunikation
Pleiten, Pech und Pannen: So lässt sich die Kommunikationsstrategie von Economiesuisse in den vergangenen Monaten umreissen. Egal ob es sich dabei um die anonymen Leserkommentare, das Domaingrabbing, den aus dem Verkehr gezogenen Abstimmungsfilm «Grounding 2026», die mangelnde Distanz zur Abgangsentschädigung von Novartis-Präsident Daniel Vasella oder den unvorbereiteten und uneinsichtigen Auftritt von Ex-Präsident Rudolf Wehrli drei Tage nach der verlorenen Volksabstimmung zur «Abzocker-Initiative» drehte - der einst mächtigste Wirtschaftsdachverband bot in der Öffentlichkeit genügend Angriffsfläche. Nun kommt dem konzilianten und mediengewandten Heinz Karrer die Aufgabe zuteil, die Sünden der Vergangenheit zu korrigieren. 

2. Der Ruf
Die ungenügende Kommunikation hat dem Ruf des Lobbyingverband geschadet. Der scheidende Economiesuisse-Präsident und Clariant-Verwaltungsratspräsident  Wehrli setzte sich im Vergütungsausschuss des Chemiekonzerns zudem auch dafür ein, Konzernchef Hariolf Kottmann eine Entschädigung in Höhe von 7,4 Millionen Franken auszuschütten. Dieses Vorgehen half gar nicht, das angekratzte Image aufzupolieren. Im Gegenteil: Fortan betrachtete überwältigende Mehrheit der Schweizer Stimmbürger den Wirtschaftsdachverband als Verteidiger der überrissenen Bezüge der Managerkaste. Für Heinz Karrer ist das aus reputationstechnischer Sicht eine Gelegenheit, weil der Axpo-Chef nicht als Abzocker wahrgenommen wird. 

3. Politik und Abstimmungen
Economiesuisse hat nach der schmerzhaften Niederlage bei der «Abzocker-Initiative» für sich selbst die Lehren gezogen und will deshalb inskünftig «bescheidener» und «zurückhaltender» auftreten. Will heissen: den Abstimmungkampf bei der «1:12»- und «Mindestlohn»-Initiative überlässt Economiesuisse den Branchenverbänden. Das darf den neuen Economiesuisse-Präsidenten aber nicht von seiner Aufgabe entbinden, Stellung zu beziehen. Stimmt die Kommunikation, Reputation und öffentliche Wahrnehmung nicht, gehen Politiker mit einem Gegenüber in aller Regel auf Distanz. Dieses Schicksal ereilte in den vergangenen Monaten Economiesuisse. Weil der Lobbyingverband sich von den Lohnexzessen nicht entschieden genug distanzierte und wenig Verständnis für die demokratischen und politischen Prozesse hatte, entfremdete sich die Politik. Das ist fatal.

4. Gräben zuschütten
«Die Repositionierung» hat Economiesuisse tief gespalten. Während eine Minderheit um den ehemaligen Direktor Pascal Gentinetta die Existenzberechtigung in Gefahr sah, wollten stärkere Kräfte die Lehren aus der «Abzocker-Initiative» ziehen. Allerdings geht seit dem Kurswechsel verbandsintern die Angst um, dass die Führungsriege den Werkplatz gegen den Finanzplatz ausspielen könnte. Karrer steht in der Pflicht diese Ängste ernst zu nehmen und den Verband zu einen. 

5. Die Energiewende
Nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat Bundesrätin Doris Leuthard der Schweiz eine Energiewende verordnet. Economiesuisse hat diese Entscheidung des Gesamtbundesrates seither kritisch begleitet. Darüber hinaus gilt Karrer als Axpo-Chef selbstredend als flammender Befürworter der Atomenergie. Dennoch muss der einstige Handballprofi die Energiewende als Economiesuisse-Präsident glaubwürdig umsetzen.

6. Die Suche nach dem Direktor
Gemeinsam mit dem Economiesuisse-Vorstandsmitglied Valentin Vogt ist Karrer dazu verdammt, der Öffentlichkeit bald einen neuen Direktor zu präsentieren. Keine leichte Aufgabe, zumal sich der Nachfolger von Pascal Gentinetta hinter dem neuen Präsidenten mit der Rolle als Nummer 2 beim Wirtschaftsdachverband begnügen muss. Nichtsdestotrotz sucht Economiesuisse nach einem mediengewandten, unternehmerisch denkenden, einen gut vernetzten Direktor, welcher «das Gesicht» des Dachverbandes verkörpern kann. An dieser Messlatte muss sich auch Karrer messen lassen. 

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