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Economiesuisse: Ein weiteres verlorenes Jahr

Heinz Karrer: Der Axpo-Chef steht vor einem Sesselwechsel – auf Raten. (Bild: Keystone)

Endlich ist es so weit: Der Wirtschaftsdachverband erhält mit Heinz Karrer einen neuen Präsidenten - und hat damit eine Baustelle weniger. Doch es gibt einen Pferdefuss.

Von Pascal Ihle
am 14.08.2013

Die Erleichterung ist mit Händen zu fassen. Der Wirtschaftsdachverband Economie­suisse hat einen neuen Präsidenten und ­damit eine Baustelle weniger. Der designierte Heinz Karrer folgt auf den glück- und farblosen Rudolf Wehrli, den man höchstens als Phantom wahrgenommen hat. Viele trauen Karrer zu, dass er den verunsicherten Verband zurück zum Erfolg führt und wieder einen Draht zu Politik und Öffentlichkeit findet.

Das Rüstzeug dazu hat der derzeitige Axpo-Chef. Er war als Sportartikelverkäufer bei Intersport tätig sowie bei Swisscom und Ringier. Er sass in den Verwaltungs­räten von Swissgrid, SRG und der Luzerner Medien Holding und hat heute noch Mandate bei Kuoni und der Privatbank Notenstein – ist also bestens vernetzt.

Axpo-Restrukturierungsprozess belastet

Ideal wäre es, der erfahrene Industriemanager und frühere Handball-Nationalspieler könnte nach seiner offiziellen Wahl am 29. August sofort voll loslegen. Doch genau da liegt der Pferdefuss. Karrer hat bei der Axpo eine zwölfmonatige Kündigungsfrist. Der Konzern befindet sich nach dem beschlossenen Atomausstieg in einem schmerzhaften Restrukturierungsprozess, der den Chef noch stark beanspruchen wird.

Als neuer Economiesuisse-Präsident startet Karrer also lediglich mit angezogener Handbremse und ­überlässt einen Grossteil der Arbeit in den kommenden zwölf Monaten seinen drei Vizepräsidenten Hans Hess, Christoph Mäder und Patrick Odier. Das ist ­angesichts der anstehenden folgenreichen Abstimmungen, die über die Zukunft und den Wohlstand der Schweiz entscheiden, eine Hypothek für Economiesuisse.

Märchen müssen widerlegt werden

Nach einem bereits verlorenen Jahr mit Wehrli braucht der Wirtschaftsdachverband dringend ein Aushängeschild, das möglichst rund um die Uhr die Wirtschaft verkörpert und für sie spricht – so wie Vorvorgänger Gerold Bührer. Denn während Economiesuisse nach der verlorenen Abzocker-Initiative noch immer die Wunden leckt, nutzt die Linke die Schwäche und Orientierungslosigkeit im Wirtschaftslager gnadenlos aus. Sie setzt plakativ und populistisch auf die Karte der angeblich wachsenden Ungleichheit und Ungerechtigkeit im Land. Auf der einen Seite befinden sich die bösen abzockenden Unternehmer und Banker, auf der andern die armen ausgebeuteten Arbeitnehmer.

Um dieses Märchen zu widerlegen und die anstehenden Abstimmungen zu 1:12 und den Mindestlöhnen zu bodigen, braucht es bei Economie­suisse klare und profilierte Meinungen und Aushängeschilder. Die Wirtschaft kann es sich schlicht nicht leisten, ein weiteres Jahr zu verlieren. Dessen muss sich erst recht der stark engagierte Karrer bewusst sein und sich so schnell wie möglich auf das Mandat ­Economiesuisse konzentrieren.

Pascal Ihle ist Stv. Chefredaktor «Handelszeitung»

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