Der 36-jährige gebürtige Walliser dürfte bereits bei seiner Ernennung als Nachfolger von Rudolf Ramsauer bei den Mitgliedern Pluspunkte gesammelt haben. Die Einstimmigkeit seiner Nomination hat die neugefunde Kohäsion des Wirtschaftsdachverbandes sogar gefestigt.
Wenn Pascal Gentinetta am 1. Oktober 2007 das Ruder von Economiesuisse übernimmt, hat er die Chance, die Unruhephase des Verbandes endgültig zu beenden. Als Mitglied der Geschäftsleitung des Verbands und verantwortlich für den Bereich Finanz- und Steuerpolitik hat er die Austrittsdrohungen mehrerer Mitgliederverbände im vergangenen Jahr hautnah erlebt. Er nennt denn auch die Stärkung der wiedergewonnenen Kohäsion des Verbandes als Priorität (siehe «Nachgefragt»).

*Dissens liegt drin*
Der promovierte Ökonom und Jurist (HSG) will die Branchenverbände bei kontroversen Themen sehr früh miteinbeziehen, bevor der politische Prozess im Gang ist. Er wolle abweichende Meinungen transparent machen. «Doch am Ende müssen wir als Dachorganisation in den Kernthemen eine übergeordnete gesamtwirtschaftliche Position vertreten.» Dass er mit dieser konsequenten Haltung etwa bei der Debatte um die Mehrwertsteuerreform der Hotelbranche auf die Füsse getreten ist, nimmt er in Kauf. Gentinetta glaubt an das Credo «L’Union fait la force», nicht aber an einen Einheitsbrei: «Die Schweiz ist keine ‹Economie monoculturelle›, sie gewinnt, weil sie sich aus unterschiedlichsten Kräften zusammensetzt.»
Der perfekt Deutsch sprechende Romand will, dass Economiesuisse in Kernthemen die Meinungsführerschaft konsolidiert und übernimmt. Er hat Erfahrung in der Dossierpolitik, ist er doch die treibende Kraft des Verbandes hinter den Reformen bei der Unternehmens- und der Mehrwertsteuer. Als vehementer Gegner von Erhöhungen des Steuersubstrats ist er beim Neuen Lohnausweis aufgetreten.
Bevor er 1999 zu Economiesuisse stiess, hatte er im Eidgenössischen Finanzdepartement als Spezialist für die Finanzierung von Infrastrukturprojekten gearbeitet. Die Privatwirtschaft kennt er aus Beratungsmandaten im Transportgewerbe und Detailhandel.
Die Wahl von Gentinetta stellt nicht nur personell einen Generationenwechsel dar. Auch inhaltlich steht beim Verband eine Zäsur an. So hat der Neue eine neue Strategie umzusetzen, die von Verbandspräsident Gerold Bührer aufgegleist wurde und bis Gentinettas Amtsantritt von den Mitgliedern abgesegnet werden soll.
Im Hinblick auf die Wahlen Ende Oktober will Gentinetta, der keiner Partei angehört, nicht auf einzelne Parteien setzen: «Es geht uns um Sachpolitik und weniger um Personen und Parteien. Unser Ziel ist es, dass die Kräfte, die einen wirtschaftsliberalen Kurs fahren, gestärkt werden.»
Wirtschaftspolitisch wird Gentinetta das Rad nicht neu erfinden, wie er selber sagt. Doch im Kommunikationsstil macht der Romand im Vergleich zum Vorgänger einen deutlich lockereren und gewinnenderen Eindruck. Eigene Akzente sind in der Umgangskultur zu erwarten. Er betont seine Verbundenheit mit dem Unternehmertum: «Gesellschaftlich darf unternehmerisches Scheitern nicht verpönt werden. Wir wollen nicht, dass niemand mehr zu investieren wagt.»