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Studie
Ecopop zerhaut Schweizer Wirtschaft

Plakat gegen Ecopop-Initiative: Auch der Arbeitgeberverband warnt vor einer Annahme.  Keystone

Die zur Abstimmung anstehende Ecopop-Initiative würde eine klaffende Lücke in der Schweizer Wirtschaft hinterlassen. Das brachliegende Potenzial bei Inländern kann die Verluste nicht auffangen.

Veröffentlicht am 07.11.2014

Der Schweizerische Arbeitgeberverband ist alarmiert: Eine starre und tiefe Zuwanderungsquote, wie sie die Ecopop-Initiative verlangt, würde für riesige Lücken im Schweizer Arbeitsmarkt sorgen. Allein im Gesundheitswesen würden bis ins Jahr 2030 rund 110'000 Stellen unbesetzt bleiben.

Ein Gutachten der Universität Basel, das am Freitag in Zürich vorgestellt wurde, hat untersucht, wie sich der Arbeitskräftebedarf in den verschiedenen Branchen entwickelt und wo im Inland noch ungenutztes Potenzial brach liegt. Abgeklärt wurde dabei auch, wie sich die Ecopop-Initiative auf die Situation auswirken würde.

Praktisch alle Branchen betroffen

Das Studie kommt zu drei Resultaten:  Ohne weitere Nettozuwanderung kann, erstens, der zukünftige Arbeitskräftebedarf nicht gedeckt werden. «Bis zum Jahr 2060 würden der Schweiz 0,8 bis 1,4 Millionen Arbeitskräfte fehlen, um das bisherige Wirtschaftswachstum von 2 Prozent zu realisieren», heisst es in der Studie. Diese massive Lücke liesse sich durch technischen Fortschritt nicht schliessen.

Die Erwerbsbeteiligung müsste wesentlich höher liegen als heute, beispielsweise durch eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, durch eine Erhöhung des Beschäftigungsgrades von Teilzeitbeschäftigten, durch Beschäftigungsanreize für ältere Personen oder eine Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters, um die Wirtschaftskraft nicht zu verlieren. «Angesichts des verfügbaren Erwerbspersonenpotenzials erscheint eine derart massive Erhöhung jedoch äusserst unwahrscheinlich», heisst es in der Studie.

Klaffende Lücke im Gesundheitswesen

Zweitens: Von einem Mangel an Arbeitskräften, vor allem solchen mit einem Lehr- oder Hochschulabschluss, wären laut Studie praktisch alle Branchen betroffen. Die Untersuchung einzelner Berufsfelder zeigt aber, dass der Fachkräftebedarf in bestimmten Berufen besonders hoch ist.

«Der mit Abstand grösste Fachkräftemangel ergibt sich bei den Gesundheitsberufen, gefolgt von den Berufen im Bereich Werbung, Marketing, Treuhandwesen und Tourismus sowie den Ingenieurberufen», so die Studie. Die grössten Lücken zeigen sich im Gesundheitswesen. Hier ist auch das brachliegende Inlandpotenzial gering. Bei den Ingenieurberufen würden bei einer Umsetzung der Ecopop-Initiative bis 2030 mindestens 25'000 Arbeitskräfte fehlen, im Bildungsbereich mindestens 20'000.

Es gibt aber durchaus Potential für Inländer

Drittens: Es gibt durchaus brachliegendes Potential. «Durch eine substanzielle Erhöhung des momentan relativ niedrigen durchschnittlichen Beschäftigungsgrades könnte zusätzliches Potenzial in nicht unerheblichem Ausmass mobilisiert werden», heisst es etwas schwammig in der Studie der Uni Basel.

Diese Aussage wird aber sofort relativiert: Langfristig werde dies nicht ausreichen, um den Fachkräftebedarf zu decken.

(ise/ama)

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