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Korruption
Ecuadors Justiz fordert Schweizer Bankdaten

Galo Chiriboga Zambrano: Der Staatsanwalt räumt bei Petroecuador auf. Flickr/ANDES

Ein riesiger Schmiergeldskandal beim staatlichen Erdölkonzern erschüttert Ecuador. Millionen von Dollar wurden ausser Landes gebracht, auch in die Schweiz. Nun will die Justiz die Bankdaten.

Von Christian Bütikofer
am 16.12.2016

Zur besten Sendezeit hatte Ecuadors Generalstaatsanwalt Galo Chiriboga Zambrano am 15. Dezember seinen Auftritt im nationalen Fernsehen. «Gewisse Personen versuchen aktiv, die Strafermittlungen im Fall Petroecuador zu torpedieren», warnte er seine Landsleute. Und legte Rechenschaft ab über die letzten sechs Monate Arbeit, die ihm der internationale Korruptionsfall bisher beschert hatte.

Die Affäre Petroecuador beschäftigt das Land: Höchste Chargen des staatlichen Erölkonzerns sind in dubiose Geldtransfers verwickelt. Das kam durch die Panama Papers ans Licht, das Datenleck bei der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack & Fonseca lieferte die entsprechenden Belege. Seither kommen immer neue Fakten ans Tageslicht, die für ecudaorianische Steuerzahlern höchst pikant sind.

Ex-Minister und -CEO im Visier

Im Fokus der Staatsanwälte stehen auch Ex-CEO Alex Bravo und Ex-Minister Carlos Pareja Yannuzzelli. Letzterer hat sich im September ins Ausland abgesetzt. Die Liste der Vorwürfe ist lang: Die Ermittler gehen unter anderem dem Verdacht der Geldwäscherei, Unterschlagung, Bestechung und ungerechtfertigten Bereicherung nach.

Der Skandal berührt auch die Schweiz: Die damaligen Chefs des mit Steuergeldern finanzierten Erdölmolochs Petroecuador transferierten Unsummen nach Panama und von dort auch auf Konten bei Schweizer Banken, wie Dokumente nahe legen. Die ecuadorianischen Staatsanwälte leuchten seit sechs Monaten den Hintergrund dieser Millionentransfers aus.

Dossier in der Schweiz

Im Herbst meldete sich Generalstaatsanwalt Galo Chiriboga Zambrano beim Bundesamt für Justiz (BJ). Am 9. September hat das BJ im Zusammenhang mit dem Fall ein entsprechendes Rechtshilfegesuch erhalten, bestätigte ein Sprecher handelszeitung.ch. Nach einer Vorprüfung landete das Dossier am 12. September bei der Bundesanwaltschaft (BA).

Die Justiz Ecuadors hat vor allem drei Schweizer Banken im Visier: Die Grossbank UBS, die EFG International und die Union Bancaire Privée (UBP). Letztere bestätigte gegenüber handelszeitung.ch, dass sich die BA bei ihr wegen dem Fall Petroecuador gemeldet hatte.  EFG International und die UBS wollten zum Fall keine Stellungnahme beziehen.

Chiriboga hat in Ecuador die Affäre zur Chefsache gemacht, neben der Schweiz wurden Rechtshilfeersuchen an Panama, USA, China, Grossbritannien, Bahamas gestellt. Bisher hat die Justiz im Fall Petroecuador Millionen von US-Dollar sichergestellt, 17 Untersuchungen angestrengt und gegen 24 Personen ein Strafverfahren eröffnet. Fünf dieser Personen befinden sich bereits in Haft, gegen 80 weitere Leute laufen Ermittlungen.

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