Die Krise hat die Realwirtschaft erfasst – und findet deshalb bei uns an mehreren Orten statt. In unserer Titelgeschichte analysieren wir die Auswirkungen auf verschiedene Interessengruppen und Branchen (Seite 62), im Unternehmensteil beschäftigen wir uns mit den Folgen für die Oligarchen um Viktor Vekselberg (Seite 32), im Investteil geht es um die Versicherungen, die nach dem Börseneinbruch vor besonders harten Zeiten stehen (Seite 90).

Sicher ist nur eines: Es wird auch ein Leben nach der Krise geben. Wann dieses beginnt und wie mühsam der Weg dorthin sein wird, weiss jedoch niemand. Auf diesem Marsch wird die Bankenwelt heftig durchgeschüttelt. Der Finanzplatz Schweiz steht sogar vor einer doppelten Bedrohung. Die Finanzkrise teilt er mit allen Banken der Welt – den Angriff aufs Bankgeheimnis hat er für sich allein. Wobei die eine Bedrohung die andere schürt: Die staatlichen Rettungsprogramme reissen ein so grosses Loch in die Haushalte der Hochsteuerländer Deutschland und Frankreich, dass diese jetzt mit aller Macht an das Schwarzgeld ihrer Bürger wollen. Aus der Polemik des deutschen Finanzministers Steinbrück spricht Panik.

Die Schweiz mag da zu Recht auf ihre Abkommen zur Zinsbesteuerung verweisen, die sie mit der EU bis 2013 geschlossen hat – reichen wird das kaum. «Der Druck auf die Schweiz wird enorm», betont Matthias Graf von Krockow, der Sprecher der deutschen Privatbank Sal. Oppenheim (Seite 54). Die Bank hat ihren Sitz von Köln nach Luxemburg verlegt, wo es noch ein Bankgeheimnis gibt. Doch der Lenker der grössten Privatbank Europas macht sich keine Illusionen: Bald wird der sogenannte «automatische Informationsaustausch», der heute in Deutschland gilt, in ganz Europa kommen – die Banken müssen dem Fiskus automatisch Vermögensdaten ihrer Kunden zustellen. Auslöser der verstärkten Druckwelle auf die Schweiz ist die UBS: Von der amerikanischen Justiz belagert, liefert sie die Daten ihrer amerikanischen Offshore-Kunden dem US-Fiskus aus. Dieser Sündenfall könnte sich langfristig für den Schweizer Finanzplatz als schmerzhafter erweisen als das Subprime-Debakel.

Anzeige