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Übernahme
EFG schmiedet mit BSI die fünftgrösste Privatbank

BSI: Sie ist neu in Zürcher Hand. Keystone

In der Schweiz entsteht ein neues Banken-Schwergewicht: Die Zürcher Bank EFG International kauft die Tessiner Privatbank BSI. Die brasilianischen Verkäufer bleiben beim Institut aber an Bord.

Veröffentlicht am 22.02.2016

Die Privatbankengruppe EFG International kauft für rund 1,3 Milliarden Franken die fast gleich grosse Tessiner Privatbank BSI. Mit dem Zusammenschluss soll die fünftgrösste Schweizer Privatbank entstehen: Gemeinsam würden die Banken Vermögen von rund 170 Milliarden Franken verwalten.

Geben Aktionäre und Wettbewerbsbehörden ihren Segen, werden die beiden Geldhäuser mit der Fusion auf einen Schlag Banken wie Vontobel oder Safra Sarasin überholen und sich hinter UBS, Credit Suisse, Julius Bär und Pictet einreihen.

Agieren statt reagieren

«Wir wollen lieber ein Konsolidierer als selbst ein Übernahmeziel sein», sagte EFG-Chef Joachim Straehle an einer Medienkonferenz am Montag in Zürich. Von dem Zusammenschluss verspricht er sich eine bessere Wettbewerbsposition auf dem Bankenplatz. Im derzeit rauhen Marktumfeld - zusammen mit verschärften Regulierungen - ist eine kritische Grösse wichtig.

Straehle betonte, die beiden Institute ergänzten sich geografisch. Bis 2019 sollen insgesamt jährliche Kostensynergien von 185 Millionen Franken vor Steuern erzielt werden - unter anderem durch die Zusammenlegung der IT-Plattformen. Zunächst kostet die Fusion jedoch Geld: Bis Ende 2018 rechnen die Banken mit Kosten von rund 200 Millionen Franken.

Keine Infos zu Jobabbau

Wie viele Jobs zusätzlich im Zuge der Übernahme wegfallen werden, werde man wohl erst beim Abschluss der Transaktion bekannt geben können, sagte Straehle. EFG baut derzeit bereits im Rahmen eines Kostensparprogramms 200 Stellen ab. Im vergangenen Jahr lief das Geschäft nämlich nicht wie erwünscht, EFG verdiente unter dem Strich mit 57,1 Millionen Franken 7 Prozent weniger als im Vorjahr. Per Ende Jahr beschäftigte EFG in Vollzeitstellen gerechnet 2137 Angestellte, die BSI 1852.

Beide Marken sollen nach dem Zusammenschluss vorerst bestehen bleiben. Es bestehe aber die Absicht, in der Zukunft in den meisten Märkten eine kombinierte Marke einzuführen, hiess es. Geht alles nach Plan, so soll die Transaktion bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Doch die wahre Mammutaufgabe steht dann erst an.

Herausforderung Integration

Die Herausforderung bestehe darin, zwei ähnlich grosse Banken zusammen zu bringen, sagte Straehle. Auch Analysten verweisen auf die Unwägbarkeiten bei der Integration einer solchen Grossakquisition. Anleger zeigten ebenfalls sich vorsichtig: Bis am Mittag sackte der Aktienkurs von EFG um über 4 Prozent ab.

Die Chefs beider Banken gaben sich an der Medienkonferenz zuversichtlich. BSI-Chef Stefano Coduri bezeichnete die Übernahme als eine sehr gute Lösung. Schon seit Monaten suchte die bisherige Besitzerin, die brasilianische Bank BTG Pactual, einen Käufer für die Tessiner Privatbank.

Erneuter Eigentümerwechsel

BTG hatte die BSI selbst erst Mitte 2015 übernommen, wobei sich der Kauf bis zum Abschluss des US-Steuerstreits durch die BSI um rund ein Jahr verzögert hatte. Unterdessen war die BTG aber in Liquiditätsschwierigkeiten geraten: Nach der Verhaftung des Gründers Andre Esteves im Zuge einer Korruptionsuntersuchung begannen Kunden offenbar Geld abzuziehen.

Als Kaufinteressenten wurde anderem auch eine chinesische Bank gehandelt. In den letzten Wochen hatte sich aber nun eine Schweizer Lösung für die BSI abgezeichnet. Neben EFG hatte ein Konsortium um die Tessiner Kantonalbank ein Angebot vorgelegt.

BTG Pactual bleibt beteiligt

Für die Übernahme legt die börsenkotierte EFG International rund 1,3 Milliarden Franken auf den Tisch, leicht mehr, als BTG selbst bezahlt hatte. Der geschätzte Unternehmenswert liegt nach dem Rechnungslegungsstandard IFRS bei circa 1,4 Milliarden Franken.

«Das zeigt, dass im Kaufpreis kein Goodwill und keine Prämie enthalten ist», sagte Finanzchef Giorgio Pradelli. Der effektiv zu bezahlende Kaufpreis unterliegt noch gewissen Anpassungen.

EFG plant Kapitalerhöhung

Um die Übernahme schultern zu können, plant EFG International eine Kapitalerhöhung. Der Preis wird in bar sowie in EFG-Aktien bezahlt. Die BTG Pactual bleibt damit auch nach dem Verkauf im Boot: Ihr Aktienanteil soll sich auf etwa 20 Prozent belaufen.

Grösste Aktionärin wird die EFG-Mehrheitsaktionärin EFG Bank European Financial Group (EFG Group) mit Sitz in Genf. Die von der griechisch-schweizerische Reeder-Familie Latsis kontrollierte Bankholdinggesellschaft soll 35 Prozent an der Bank halten. Der Rest der Aktien ist an der Schweizer Börse handelbar.

(sda/mbü)

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