Die Schweizer Privatbank EFG International will die in den vergangenen vier Jahren minimal gehaltene Ausschüttung an die Aktionäre schrittweise anheben. «Wir werden eine höhere Dividende zahlen müssen, soviel steht fest», erklärte Konzernchef John Williamson in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Von 2009 bis 2012 hatte die mit den Folgen eines zu aggressiven Wachstumskurses kämpfende Bank jährlich brutto lediglich zehn Rappen pro Aktie ausgeschüttet und war bei der Dividendenrendite hinter Konkurrenten wie Vontobel oder Julius Bär zurückgeblieben.

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Nach einem Konzernumbau und der Rückkehr in die schwarzen Zahlen drängen Anleger nun auf eine grössere Gewinnbeteiligung. «Unser Hauptaktionär will eine gute Dividende auf seinem Investment», sagte der CEO mit Blick auf die griechisch-schweizerischen Reeder-Familie Latsis. Analysten rechnen Daten von Thomson Reuters zufolge für 2013 mit einer Dividende von 20 Rappen je Aktie und für 2014 von 32 Rappen.

Pulver für mögliche Zukäufe trocken halten

Trotzdem will sich das Institut Pulver für mögliche Zukäufe trocken halten. «Wir befinden uns eindeutig in einer Konsolidierungsphase», erklärte der seit knapp zwei Jahren amtierende Williamson mit Blick auf die Branche. Allerdings sei gegenwärtig kaum etwas auf dem Markt, das für EFG attraktiv sei. Nach dem Misserfolg mit zahlreichen kleineren Zukäufen hat sich die Bank vorgenommen, nur noch grössere Transaktionen ins Auge zu fassen. Das könnte auch eine Fusion sein. Infrage komme aber auch eine mit zusätzlichem Eigenkapital finanzierte Akquisition. Der Hauptaktionär und auch aussenstehende Dritte hätten signalisiert, für eine passende Akquisition zusätzliche Mittel bereitzustellen. «Wir sind uns mit dem Hauptaktionär einig, dass organisches Wachstum im Vordergrund steht. Aber wir sind uns ebenso einig, Objekte zu prüfen, wenn es Sinn macht.»

Latsis hält 56,5 Prozent an EFG International. «Er ist ein langfristiger Investor, aber ich glaube nicht, dass er für immer bei 56 Prozent bleiben will», sagte Williamson. «Wenn er 25 Prozent an einem doppelt so grossen Geschäft halten würde, wäre er damit genauso glücklich.»

Der schwierige Teil kommt erst

Nach dem massiven Ausbau des Geschäfts durch seinen Vorgänger Lonnie Howell verordnete Williamson der Bank im Oktober 2011 eine Schlankheitskur. Er schloss zahlreiche Standorte, trennte sich von vielen Kundenberatern und stoppte den Ausflug ins Asset Management. Inzwischen ist der Umbau weitgehend abgeschlossen. «Meine Botschaft an die Mannschaft ist: Das war der einfache Teil», sagt Williamson. Schwieriger sei es, nachhaltig und profitabel zu wachsen.

EFG hat sich mittelfristig ein Neugeld-Wachstum von fünf bis zehn Prozent vorgenommen und will den Gewinn bis 2015 auf 200 Millionen Franken steigern. «Wir befinden uns auf Kurs in Bezug auf das Neugeld und die Profitabilität des Kerngeschäfts», sagte Williamson. Er warnte allerdings, dass die Anlagerendite auf dem Treasury-Bestand 2013 tiefer ausfallen dürfte als im Vorjahr und sich die Sondererträge aus Geschäften mit Grosskunden wohl nicht wiederholen liessen. Dies dürfte auch die Bruttomarge negativ beeinflussen. «Leute, die denken, dass wir die 105 Basispunkte immer noch erreichen können, liegen falsch.»

Angleichung der Schweiz ans Ausland

Im Hinblick auf die Behandlung von unversteuerten Geldern sprach sich Williamson für eine Angleichung der Schweiz ans Ausland aus. «Die Lehre aus der Geschichte ist, dass die Schweiz diese Dinge im gleichen Geist angehen muss wie alle anderen», erklärte der CEO. «Die Schweiz darf nicht den Eindruck erwecken, dass sie einen unfairen einseitigen Vorteil beibehält.» Wenn die OECD den automatischen Informationsaustausch zum Standard erhebe, solle sich die Schweiz dem anschliessen. Vor diesem Hintergrund machten Sonderlösungen wie die Abgeltungssteuer-Abkommen oder die Weissgeld-Strategie wenig Sinn.

Als relativ junge Bank mit einem grossen Anteil des Geschäfts in Schwellenländern hat EFG weniger unversteuertes Geld aus Westeuropa als viele vergleichbare Häuser.

In den USA hat EFG Williamson zufolge ganz auf unversteuertes Geld verzichtet. Entsprechend sieht er auch keinen Grund, sich an der sogenannten Globallösung zu beteiligen, über die zwischen der Schweiz und den USA verhandelt wird und die die Schweizer Bankbranche als Gegenleistung für eine Vergleichszahlung von einer zukünftigen Verfolgung durch die US-Behörden schützen soll. «Wir haben immer die Politik verfolgt, nur versteuertes US-Geld zu verwalten», sagte Williamson. «Entsprechend hätten wir überhaupt kein Interesse, für etwas zu bezahlen, das wir nicht gemacht haben.»

(rcv/vst/reuters)