Hat die Situation um die Grossbanken aber auch um die hiesigen Versicherer, wie beispielsweise Swiss Life Auswirkungen auf Axa Winterthur?

Die Situation anderer Finanzdienstleister hat keinen direkten Einfluss auf AXA Winterthur. Selbstverständlich spüren aber auch wir bei den Kapitalerträgen die Folgen der Finanzkrise. Wir haben jedoch seit der letzten Krise im 2002/2003 unsere Hausaufgaben gemacht und stehen heute versicherungstechnisch viel besser da als damals. Die Aufsicht der Versicherer, das Bundesamt für Privatversicherungen, hat ebenfalls Anpassungen gemacht, die zur Sicherheit der Kunden beitragen. Der Markt wird insgesamt durch den Einbruch der Kapitalmärkte für alle Teilnehmer härter.

Können sie allenfalls auch mit ihrem guten Ruf auftrumpfen und damit zusätzliche Kunden für sich gewinnen?

Eine gute Reputation hilft in Krisenzeiten mit Sicherheit. Die AXA Gruppe ist – gemessen an der Börsenkapitalisierung – inzwischen die grösste Versicherung der Welt und verfügt über ein AA Rating. Die AXA Winterthur hält sich zudem an ihr Kerngeschäft  – keine Rückversicherung, keine Investmentbanking-Tätigkeiten. Diese Fokussierung hilft in unsicheren Zeiten. Zudem wurden wir erst kürzlich vom führenden Fachmagazin der Branche zur innovativsten Versicherung des Jahres gekürt. Diese Auszeichnung wurde uns für die Lancierung des Crash-Recorders für jugendliche Lenker verliehen. Neue Produkte und das Thema Prävention im allgemeinen sind uns sehr wichtig.

Wie entwickelt sich das Geschäft der Axa Winterthur in der gegenwärtigen Krise? Was dürfen wir für 2008 erwarten?

Die AXA Winterthur wird 2008 ein ausgezeichnetes technisches Ergebnis erzielen. Wir sind gesund und operativ profitabel. Die Zahlen per Ende September 2008 zeigen ein Wachstum im Neugeschäft von Kollektiv- und Einzelleben sowie eine starke Zunahme an Neukunden im Nichtlebengeschäft. Durch die turbulente Finanzmarktsituation werden jedoch auch unsere Kapitalerträge zurückgehen und teilweise den Gewinn schmälern.

Wie verändert sich die Situation Ihrer Meinung nach auf dem Schweizer Versicherungsmarkt? Kommt es allenfalls zu Verschiebungen hinsichtlich der Marktanteile?

Es ist nicht anzunehmen, dass es zu grossen Verschiebungen der Marktanteile kommen wird. Der Markt ist seit Jahren gesättigt und die Verschiebungen sind eher marginal. Wir werden aber versuchen, unseren Marktanteil in den verschiedenen Branchen zu halten oder gar auszubauen.

Welchen Herausforderungen müssen sich die hiesigen Versicherer in 2009 stellen?


Es wird eher zu einer Kapitalverknappung kommen und das wiederum führt zu steigenden Prämien. Die Risikoprämien müssen wieder selbsttragend sein, da allfällige Verluste nicht durch Kapitalerträge gedeckt werden können. Die Versicherer und autonomen Pensionskassen werden Mühe haben, den Mindestzinssatz im BVG zu erwirtschaften. Es zeigt sich einmal mehr, dass Zinssätze nicht politisch definiert werden sollten, sondern gemäss den wirtschaftlichen und allenfalls demographischen Tatsachen festzulegen sind.
Die Gesundheitskosten und die Invaliditätsfälle werden steigen, wie dies in schlechten Wirtschaftslagen immer der Fall ist. Schwächere Mitarbeitende werden vermehrt den Sozialwerken aufgebürdet, um Kosten in den Betrieben zu senken. Diese Kosten müssen schliesslich durch die öffentliche Hand oder die Allgemeinheit, sprich die Versicherung getragen werden.

Denken Sie, dass es aufgrund der vorherrschenden Situation zu weiteren Konsolidierungen auf dem Schweizer Versicherungsmarkt kommt?

Die herrschende Situation könnte a priori die Konsolidierung  beschleunigen. Die vergangenen Krisen haben aber gezeigt, dass dies nicht der Fall war.

Welchen muss sich die Axa Winterthur stellen? Welche Massnahmen ergreifen Sie dazu?

Als führender Schweizer Allbranchenversicherer beobachten wir diese Marktentwicklungen genau. Gerade in Zeiten sinkender Kapitalerträge ist der Wertbeitrag aus dem operativen Geschäft umso wichtiger. Deshalb planen wir frühzeitig taktische Massnahmen sowohl auf der Volumen- wie auch auf der Ertragsseite. Zudem haben wir immer gesagt, dass wir das Wachstum mit gesamthaft stabilen Kosten erreichen wollen. Daran halten wir unverändert fest. Es wäre unverantwortlich, im momentanen Wirtschaftsumfeld die Kosten zu erhöhen.

Planen Sie in der Schweiz noch weitere Marktanteile zu gewinnen? Wenn ja - wie?

Die Finanzmarktkrise bietet neue Marktchancen. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, in kapitalmarktbasierte Produkte, wie wir sie mit Twinstar haben, einzusteigen, als wenn es der Börse schlecht geht. Und schliesslich verfügen wir mit unseren klassischen Lebensversicherungen und unserer Vollversicherungslösung im BVG-Geschäft über attraktive Alternativen mit grösstmöglicher Sicherheit. Kommt dazu, dass wir die Distribution laufend erhöhen. Alleine dieses Jahr schufen wir netto 250 zusätzliche Stellen im Aussendienst. Ein Weiterausbau ist auch 2009 vorgesehen.

Mit was rechnen Sie für Axa Winterthur für 2009?

Mit einem herausfordernden und chancenreichen Jahr zugleich. Bei den Kapitalanlagen wird es auch 2009 schwierig werden, eine angemessene Rendite zu erzielen. Trotzdem sehen wir auch Chancen. Die Risikoaversion der Kunden durch die aktuellen Turbulenzen wie auch das Bedürfnis nach einem besseren Vermögensschutz erhöhen unsere langfristigen Wachstumschancen. Wir haben ein grundlegend anderes Geschäftsmodell als die Banken und verkaufen Lebensversicherungen mit Garantien. Perfekte Dienstleistungen für den Kunden und ein hohes Mitarbeiterengagement werden die Schlüssel zum Erfolg sein.

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