In Deutschland sind die durch den Darmkeim EHEC ausgelösten lebensgefährlichen Durchfallerkrankungen weiter auf dem Vormarsch: Am Wochenende starben vier Frauen. Die Gesamtzahl der EHEC-Toten liegt inzwischen bei 14.

Der Pharmakonzern Roche bietet jetzt neu zusammen mit dem deutschen Laborausrüster TIB Molbiol einen Schnelltest zur Identifizierung der Bakterien an. Die Technologie dafür ist allerdings nicht neu: Gemäss Communiqué ist sie bereits seit 2002 im Einsatz.

Dies erklärt auch, weshalb der Schnelltest so schnell entwickelt werden konnte. Mit dem Test sei der Nachweis von EHEC in weniger als einer Stunde möglich, hiess es am Montag in einer Mitteilung.

Spürbare Auswirkungen auf den Geschäftsgang des Roche-Konzerns wird der Test indes wohl keine haben. Finanzielle Details wurden zwar nicht genannt, doch handelt es sich bei Roche Applied Science um ein vergleichsweise kleines Geschäftsfeld des Basler Pharmakonzerns.

Auf Deutschlandreise angesteckt

Inzwischen breitet sich der Keim auch im Rest von Europa aus: Aus mehreren europäischen Ländern wurden Erkrankungen mit dem EHEC-Erreger gemeldet. Besonders viele Fälle gibt es nach Angaben der EU-Kommission in Schweden. Nachgewiesen wurden demnach bisher 30 EHEC-Fälle, bei 13 davon handle es sich um schwererkrankte HUS-Patienten (hämolytisch-urämische Syndrom).

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Auch aus Norwegen, Dänemark, Grossbritannien oder Österreich wurden Ansteckungen mit schwerem Krankheitsverlauf gemeldet. Ausserdem wurden erste Fälle ausserhalb Europas bekannt: Mindestens drei Amerikaner, die zuvor in Deutschland waren, seien erkrankt. Mehrere Länder verboten die Einfuhr von Gemüse aus Deutschland und Spanien.

In der Schweiz erkrankte bis zum Wochenende eine Frau nach der Rückkehr aus Deutschland am EHEC-Erreger. Hinzu kommen zwei weitere Verdachtsfälle. Am Montag wurden nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) keine neuen bestätigten Fälle gemeldet.

Spanische Gurken

Der Darmkeim war am Donnerstag in Hamburg auf drei Salatgurken aus Spanien nachgewiesen worden. Auch in Norwegen wurde der Erreger am Montag auf einer Gurkenlieferung aus Spanien entdeckt. Ob dieser der Erreger aber tatsächlich aus Spanien stammt, oder aber die Verunreinigung später passierte, ist noch nicht gesichert.

Die Laborergebnisse aus zwei unter Verdacht stehenden Betrieben in Almería und Málaga sollen laut der EU-Kommission spätestens am Mittwoch vorliegen. Seit dem Ausbruch der Darmepidemie haben Gemüsebauern in Spanien und Deutschland mit grossen Umsatzeinbussen zu kämpfen. Die Regierung in Madrid forderte von der EU Entschädigungen für die Landwirte.

Neue Therapieform

Hoffnung für Schwererkrankte bringt eine neuartige Therapieform. Seit vergangenem Mittwoch wurden mehr als ein Dutzend Patienten an der Uniklinik in Hannover mit dem neuen Antikörper Eculizumab behandelt, der gegen akutes Nierenversagen wirken soll.

Es seien bereits Erfolge sichtbar, sagte Prof. Hermann Haller, der Leiter der Abteilung für Nieren- und Hochdruckerkrankungen. "Es nützt etwas, allerdings ist es kein Wundermittel", betonte der Arzt.

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Auch am Hamburger Uniklinikum Eppendorf werden mehrere Patienten, die unter schweren Komplikationen infolge einer EHEC-Infektion leiden, mit dem Antikörper behandelt. Verlässliche Aussagen, ob die Therapie erfolgreich sei, seien aber erst in einigen Wochen möglich, sagte der dortige Nierenspezialist Rolf Stahl.

(laf/awp/sda)