你好 - alles klar? Eben. Das grösste Hindernis für uns Westler im Austausch mit China ist die Schrift. Trotzdem zieht das Land mit seinem Riesenmarkt viele Ausländer an, die dort nicht in die Ferien gehen, sondern dort hinziehen, um zu arbeiten. Die Probleme, mit denen sich die Expats konfrontiert sehen, sind offenbar gross. So zeigt etwa eine Studie des Zügelfirma Unigroup, dass doppelt so viele Expats aus China auswandern, als einreisen.

Der 33-jährige Schweizer Lucas Rondez gehört sicher nicht dazu. Er ist nach China gekommen, um zu bleiben, kennt das Land aus der Westentasche. Nach Jahren bei der Grossbank UBS wagte er 2007 den Sprung ins Reich der Mitte und eignete sich als Privatbanker bei der chinesischen Bank of Hangzhou Mandarin an. Seit Jahren lebt er in der 8-Millionen-Hauptstadt der Provinz Zhejiang im Osten des Landes.

Schweizer Sackmesser für Ausländer

Im Sommer 2015 gründete Rondez die Firma Hangzhou Boru Network Technology, welche die App «NiHao» entwickelt. Nihao  - oder 你好 - heisst «Guten Tag» oder «Willkommen» auf Mandarin. Seine Idee: Ein Programm für iPhones und Android-Handys, das den vielen Expats in China das Leben schon am ersten Tag massiv erleichtert.

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NiHaou soll sozusagen das Schweizer Sackmesser fürs tägliche Leben in China sein: Vom Aufladen des Handys, Geldwechsel, Abfragen des Wetters oder Luftqualität, Bahn- oder Kinotickets kaufen, dem Bezahlen von Wasser- und Stromrechungen oder Übersetzungen liefert NiHaou alles in einer App. Es ist sogar möglich, chinesische Adressen zu vergrössern, damit Expats mit kurzsichtigen älteren Taxifahrern trotzdem ans Ziel kommen. Die App ist auch mit der Bezahlfunktion von WeChat ausgestattet, dem dominanten WhatsApp-Konkurrenten in China.

Der diesjährige G20-Gipfel diesen Sonntag wird in der Stadt Hangzhou stattfinden. Das bringt Rondez einiges an Publizität in den chinesischen Medien, wie etwa der China Daily. Denn die Firma des Romands gilt als Vorzeigeunternehmen für die Attraktivität der Stadt für ausländische Investoren und Arbeitnehmer.

Wettkampf um Talente

«Um die Chinesen und deren Mentalität voll zu verstehen, muss man in eine Stadt ziehen, wo nicht viele Ausländer leben», sagte Rondez dem Startup-Blog E27.co. Das half ihm zwar bei der Integration und als Arbeitnehmer, doch im Unternehmerleben musste er wieder viel Neues lernen.

Dem Blog Startupbrics.com verriet er, dass schon das Gründen einer Firma in China gar nicht so einfach ist, weil man als Ausländer nicht Aktionär der eigenen Firma sein darf. Dann kam auch dazu, dass es nicht nur in Topstädten wie Shanghai einen grossen Kampf um die besten Mitarbeiter gibt, sondern auch in mittelbeliebten Städten wie Hangzhou. Da musste er sich gehörig anstrengen, sagte Rondez.

Dank seinen Verbindungen in die Bankenszene konnte er immerhin schnell Investoren finden. In einer ersten Finanzierungsrunde trieb er 240'000 US-Dollar auf (1,5 Millionen Renminbi), danach fast eine Million US-Dollar (6 Millionen Renminbi) in einer weiteren Runde. Inzwischen zählt das Programm nach Angaben von NiHao über 100'000 Nutzer.

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